Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

mimen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung mi-men (computergeneriert)

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [veraltet, scherzhaft] etw., eine Rolle spielen, schauspielerisch gestalten
  2. 2. [umgangssprachlich, abwertend, übertragen] etw. vortäuschen, vorspiegeln
    1. ⟨jmdn. mimen⟩
eWDG

Bedeutungen

1.
veraltet, scherzhaft etw., eine Rolle spielen, schauspielerisch gestalten
Beispiele:
er mimte seine Rolle hervorragend
[sie] wußte schon, wie sie daheim … den Auftritt mimen würde [ KolbSchaukel84]
Das ganze Schauspielensemble … mimte die Gäste des Landgrafen [ WintersteinLeben1,325]
2.
umgangssprachlich, abwertend, übertragen etw. vortäuschen, vorspiegeln
Beispiele:
er mimte Mitgefühl, Unwissenheit
gemimte Gleichgültigkeit zeigen
jmdn. mimen
Beispiele:
den Kranken mimen (= so tun, als ob man ein Kranker sei)
er mimt gern den starken Mann
ein Bourgeois, der den Sozialisten mimte [ BredelSöhne136]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mime · Mimik · mimisch · mimen
Mime m. ‘Schauspieler’, Entlehnung (18. Jh.) aus lat. mīmus ‘Schauspieler’ (auch ‘Schauspiel, Possenspiel’), griech. mī́mos (μῖμος), s. unten. Mime wird durch Schiller geläufig und ein gehobener Ausdruck neben leicht abschätzigem Komödiant. – Mimik f. ‘Gebärden- und Mienenspiel’ (18. Jh.), Neubildung zu lat. mīmus, griech. mī́mos ‘Nachahmer, Schauspieler, ohne Masken gespielte (oft derbe) Szene des Alltagslebens, Possenspiel’ bzw. lat. mīmicus, griech. mīmikós (μιμικός) ‘schauspielerisch, possenhaft’ (daher auch ‘unanständig, unzüchtig’) nach dem Vorbild anderer Substantive auf -ik (aus lat. -ica für Substantivierungen fem. Adjektivformen); vielleicht in Anlehnung an (allerdings nur vereinzelt bezeugtes) lat. ars mīmica ‘Schauspielkunst’. mimisch Adj. ‘durch Gesichtsausdruck und Gebärden darstellend, schauspielerisch, die Mimik betreffend’ (18. Jh.). mimen Vb. ‘schauspielern’, verallgemeinert ‘etw. treiben, tun’ (19. Jh.), ‘sich den Anschein geben, vortäuschen’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) imitieren · (jemanden) mimen · (jemanden) parodieren  ●  (jemanden) nachmachen  Hauptform · (jemanden) nachäffen  abwertend
Assoziationen
Synonymgruppe
(den) Anschein erwecken · (sich) gerieren als · sagen, dass man (...) ist  ●  (jemanden) mimen  ugs., salopp · geben  ugs. · machen auf  ugs., salopp · markieren  ugs., salopp
Assoziationen
Synonymgruppe
auftreten als · auftreten in der Rolle (des ...) · figurieren (als) · gestalten · in der Rolle (...) auf der Bühne stehen · in der Rolle (...) zu sehen sein · sein · spielen (Theat., Film) · verkörpern · zu sehen sein als  ●  (jemanden) abgeben  auch figurativ · darstellen (Theater, Film)  Hauptform · mimen  veraltet · (jemanden) geben (Rolle)  geh. · hinlegen  ugs. · performen  fachspr., Jargon, engl.

Typische Verbindungen zu ›mimen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mimen‹.

Verwendungsbeispiele für ›mimen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Je weniger man dazugehört, desto mehr muss man es mimen. [Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003]
Vor 50 Jahren hatte er in »Champion« einen Boxer gemimt. [Süddeutsche Zeitung, 26.08.1999]
Spielt sein Team erfolgreich, mimt er trotzdem den übelgelaunten Übungsleiter. [Süddeutsche Zeitung, 10.04.1999]
Am ersten Tag des Seminars mimt er den zukünftigen amerikanischen Nachbarn. [Süddeutsche Zeitung, 20.03.1999]
Natürlich war er zunächst nicht sonderlich davon begeistert, als ich ihm die Situation schilderte und ihn dann bat, den Vater zu mimen. [Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 138]
Zitationshilfe
„mimen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mimen>.

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