minder

Grammatik Adjektiv
Aussprache [ˈmɪndɐ]
Worttrennung min-der
Wortbildung  mit ›minder‹ als Erstglied: Minderausgabe · Minderbetrag · Minderbewertung · Mindereinnahme · Mindergebot · Mindergewicht · Minderheit · Minderleistung · Minderverbrauch · Minderwert · Minderwuchs · Minderzahl · minderbegabt · minderbegütert · minderbemittelt · minderjährig · minderqualifiziert · minderschwer · minderwertig · minderwüchsig
 ·  mit ›minder‹ als Letztglied: nichtsdestominder
eWDG

Bedeutungen

1.
im Wert ziemlich gering, weniger gut
Beispiele:
Waren von minderer Qualität, Güte
mindere Kohle, minderes Holz
Neue Schuhe machte er schon lange nicht mehr, aber auch minderes Flick‑ und Sohlenleder wurde ihm … nur sehr knapp zugeteilt [ O. M. GrafUnruhe19]
im Rang ziemlich tief
Beispiele:
indem man den Artilleristen ein minderes Sozialansehen in der Armee verlieh [ Tageszeitung1966]
sonst könne es ihn [Kepler] gelüsten, statt an der minderen Stiftsschule zu lehren … ein richtiger Professor zu sein [ TralowKepler20]
ziemlich gering, weniger stark
Beispiele:
Mindere Muskelanstrengung erforderte der Feuerbohrer [ PeschelVölkerkunde143]
diese Ehrlichkeit läßt wohl auf einen mindern Grad von Schuldbewußtsein schließen [ MörikeMozart3,257]
2.
weniger
Grammatik: adverbiell
a)
gehoben, veraltend
Beispiele:
etw. ist minder gut, schön, wichtig, gelungen
etw. minder hoch einschätzen
er war minder streng als sonst
den minder Gebildeten, Begüterten helfen
Doch deine Rolle war die minder schwere [ Hofmannsth.Großes Welttheater335]
b)
mehr oder minder (= mehr oder weniger)
Beispiele:
mit mehr oder minder großem Erfolg, Eifer, Fleiß arbeiten
es liegen mehr oder minder detaillierte Pläne vor
das ergibt sich mehr oder minder von selbst
c)
nicht minder (= genauso)
Beispiele:
er war nicht minder erstaunt als ich
er liebte seine Tochter nicht minder als den Sohn
Die Kinder lärmten, nicht minder die Sperlinge […] [ G. Hauptm.Ketzer4,95]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

minder · mindest · Minderheit · mindern · vermindern · Verminderung
minder Adj. ‘weniger, geringer’, ahd. minniro (8. Jh.), mhd. minner, minre, (mit Gleitlaut) minder ‘kleiner (an Größe, Zahl), geringer (an Wert, Stand, Macht)’, asächs. minnera, mnd. minner, minder, mnl. minre, nl. minder, anord. minni, schwed. mindre, got. minniza (germ. *minnizan-) sind mit der schwundstufigen Suffixform ie. -is- (got. -iz-, ahd. -ir-, s. mehr) gebildete Komparativformen zu einem mit n-Suffix gebildeten Adjektiv ie. *minu- ‘minder, klein’ (s. minus; germ. -nn- aus -nu̯-), wozu auch das (im Nhd. untergegangene) Adverb ahd. (8. Jh.), mhd. min, mnd. mnl. nl. min, anord. minnr, got. mins ‘weniger’ sowie aind. minā́ti ‘schadet, mindert’, griech. minýthein (μινύθειν) ‘geringer werden, dahinschwinden, vermindern, verkleinern’, lat. minus ‘kleiner, weniger’, minuere ‘verkleinern’, korn. minow ‘zer-, verkleinern, verringern, mindern’, aslaw. mьńịjь ‘kleiner, geringer, weniger’, russ. ménee (менее) Adj. ‘weniger’ gehören. Ie. *minu- ist eine mit Ablaut gebildete Ableitung von der Wurzel ie. *mei- ‘mindern’. Im Dt. wird die im Mhd. auftretende Form minder (s. oben) vom 15. Jh. an vorherrschend und bald alleingültig. Der zugehörige Superlativ ist mindest Adj. ‘geringst, wenigst’, ahd. minnisto (9. Jh.), mhd. minnest, minst, asächs. minnist, anord. minnstr, got. minnists, schwed. minst, (germ. *minnista-) gebildet mit dem Superlativsuffix ie. -isto- (s. meist). Die heutige Form mindest, angelehnt an minder, wird erst zu Anfang des 18. Jhs. üblich. Minderheit f. ‘kleinere Anzahl aus einer Gesamtheit, zahlenmäßig unterlegene Gruppe’ (Campe), zuvor Minderkeit (1787), analog zu Mehrheit gebildet für Minorität (s. d.); doch vgl. schon ahd. minnerheit ‘das Wenigersein’ (um 1000). mindern Vb. ‘verringern, (im Preis) herabsetzen’, ahd. minnirōn (9. Jh.; auch giminnirōn, 8. Jh.), mhd. minnern, minren ‘kleiner, geringer machen oder werden’; dazu vermindern Vb. mhd. verminnern, Verminderung f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
minder... · nieder... · unter...
Synonymgruppe
geringer · kleiner · minder · weniger · weniger bedeutend

Typische Verbindungen zu ›minder‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›minder‹.

Verwendungsbeispiele für ›minder‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für das zusätzlich verdiente Geld können sie dann im nächsten Laden mindere Qualitäten erwerben. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 35]
Diätetisch können diese minderen Güteklassen aber doch noch recht wertvoll sein. [o. A.: Ratgeber für den Feingemüsebau im Freiland, Berlin: VEB Dt. Landwirtschaftsverl 1962, S. 195]
Schließlich hat in unserem öffentlichen Leben die schwache Logik kaum minderen Schaden gestiftet als der schwache Charakter. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1900]]
Wo sie existiert, da ist sie in das Volk zu minderem Rechte eingeordnet. [Lütge, F.: Agrarverfassung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 1045]
Doch auch der Vater leidet, weil er glaubt, »mindere Ware« geliefert zu haben. [Die Zeit, 11.07.2011, Nr. 28]
Zitationshilfe
„minder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/minder>.

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