Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

minnen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung min-nen
eWDG

Bedeutung

dichterisch, scherzhaft jmdn. lieben
Beispiel:
den Einen, den sie heimlich minne! [ HebbelI 6,159]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Minne · minnen · Minnesang · Minnesänger · Minnesinger
Minne f. ‘Liebe’ (heute nur noch altertümelnd oder scherzhaft), ahd. minna ‘helfende, fürsorgliche, auch religiöse Liebe, Zuneigung, Gedenken, Eifer, Verlangen’ (8. Jh.), mhd. minne ‘freundliches Gedenken, freundschaftliche, sinnliche, religiöse Liebe, Zuneigung’, auch ‘Beischlaf, Geliebte, Abschiedstrunk’, asächs. minnea, mnd. mnl. afries. minne, nl. min (germ. *menjō) ist verwandt mit den ein Dentalsuffix enthaltenden Formen mengl. mind(e), engl. mind ‘Sinn, Gedenken’, anord. minni (nn aus nþ) ‘Erinnerung, Andenken’, schwed. minne, got. gaminþi ‘Gedächtnis, Erinnerung’ (germ. *menþija-), mit Ablaut ahd. gimunt ‘Gedenken’ (9. Jh.), aengl. gemynd ‘Erinnerung, Verlangen, Liebe’, got. gamunds ‘Andenken, Gedächtnis’ (germ. *mundi-) sowie mit anord. munr ‘Geist, Leben, Wille, Wonne, Freude’, got. muns ‘Gedanke, Meinung’ (germ. *muni-). Diese Wortgruppe läßt sich mit den unter mahnen (s. d.) genannten germ. und außergerm. Formen verbinden und an die dort genannte Wurzel ie. *men(ə)- ‘denken, geistig erregt sein’ anschließen. Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘liebendes Gedenken’, woraus sich bereits in mhd. Zeit (13. Jh.) ‘sinnliche Liebe’ entwickelt. Im 16. Jh. wird Minne als derbes, anstößiges Wort empfunden und weitgehend durch Liebe (s. d.) ersetzt; erst die Beschäftigung mit der mittelalterlichen Literatur im 18. Jh. (durch Bodmer und Breitinger) bringt Minne wieder in literarischen Gebrauch. An eine andere Herleitung denkt D. Wiercinski Minne (1964), die ahd. minna von anord. minni ‘Erinnerung’ trennt, aus semantischen Gründen zu dem unter meinen (s. d.) behandelten Verb stellt und Minne von Anfang an als ‘verbindende geistige Gesinnung der Glieder einer Gemeinschaft und deren konkrete körperliche Ausdrucksformen’ auffaßt. minnen Vb. ‘lieben’, ahd. minnōn ‘lieben, verehren’ (8. Jh.), mhd. minnen ‘beschenken, erkenntlich sein für etw., lieben (von religiöser, freundschaftlicher und körperlicher Liebe)’; wie das zugrundeliegende Substantiv vom 16. Jh. an gemieden und danach im Hinblick auf die mittelalterliche Literatur wieder aufgenommen. Minnesang m. ‘Liebesgedicht, literarisches Genre der mittelalterlichen höfischen Dichtung’, im 18. Jh. neu belebt nach mhd. minnesanc ‘Liebesgedicht’ (von der geistigen und der sinnlichen Liebe). Minnesänger, Minnesinger m. ‘Verfasser solcher Gedichte’ (18. Jh.), nach mhd. minnesenger, -singer.

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Schwäche haben für · (jemandem) zugetan sein · (jemandes) Ein und Alles sein · (sehr) mögen · (sehr) sympathisch finden · (sich) hingezogen fühlen (zu) · (von jemandem) eingenommen sein · Gefallen finden an · anbeten · gefallen · gernhaben · ins Herz geschlossen haben · lieben · verehren · vergöttern · verliebt sein (in) · vernarrt sein (in)  ●  minnen  veraltet · sein Herz gehängt haben (an)  fig. · sein Herz verloren haben  fig. · (an jemandem) einen Narren gefressen haben  ugs. · (auf jemanden) stehen  ugs. · (in jemanden) verschossen sein  ugs. · anhimmeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • begeistert (von) · berauscht · entflammt · enthusiastisch · entzückt · erregt · euphorisch · fasziniert · gebannt · glühend vor Begeisterung · hochgestimmt · im Überschwang der Gefühle · in Hochstimmung · mit Hurra · mit glänzenden Augen · mit strahlenden Augen · mitgerissen · rasend vor Begeisterung · tobend vor Begeisterung · verzückt · voller Begeisterung · wie im Rausch · wie von Sinnen · überschwänglich  ●  (ganz) aus dem Häuschen  ugs. · Feuer und Flamme (sein)  ugs. · angefixt  ugs. · angetan  ugs. · dithyrambisch  geh. · enthusiasmiert  geh., bildungssprachlich · hellauf begeistert  ugs. · high  ugs. · himmelhoch jauchzend  ugs. · hin und weg  ugs. · hingerissen  ugs. · von den Socken  ugs. · wie auf Droge  ugs. · wild begeistert  ugs.
  • (jemandes) Ein und Alles (Person) · (jemandes) Lieblings... · (jemandes) Liebstes (Person)  ●  (das) Licht seiner alten Tage  fig. · (jemandem von allen) der Liebste sein  männl. · (jemandem von allen) die Liebste sein  weibl. · (jemandem) das Liebste sein (Person)  veraltend · (jemandes) Augapfel  fig. · (jemandes) Sonnenschein  fig. · (jemandes) kleiner Liebling  Hauptform
  • anschmachten · jemand lebt nur noch für · schmachten (nach) · schwärmerisch bewundern · verehren · verklären · verschmachten (nach)  ●  in den Himmel heben  fig. · (jemandem) zu Füßen liegen  ugs., fig. · (jemandes) Ein und Alles (sein)  ugs. · (sich) verzehren (nach)  geh. · Feuer und Flamme sein (für)  ugs. · anbeten  ugs. · anhimmeln  ugs. · höchste Bewunderung zollen  geh. · idealisieren  fachspr. · vergöttern  ugs.
Zitationshilfe
„minnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/minnen>.

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