missachten

Grammatik Verb · missachtet, missachtete, hat missachtet
Aussprache 
Worttrennung miss-ach-ten
Wortzerlegung  miss- achten
Ungültige Schreibung mißachten
Rechtschreibregeln § 2
Wortbildung  mit ›missachten‹ als Erstglied: Missachtung
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn. nicht achten, keine Achtung vor jmdm. haben, jmdn. verachten
Beispiele:
er missachtet seine jüngeren Kollegen
[sie spielte] die Rolle der vom Leben ... Verfolgten und Mißachteten [ NablOrtliebsche Frauen346]
2.
etw. absichtlich nicht beachten
Beispiele:
ein Verbot, eine Verordnung, einen Rat, Befehl missachten
Die Gefahr der Entdeckung mißachtend, richtete er sich am Kamin auf [ ApitzNackt159]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

miß- · mißachten · mißbehagen · Mißbehagen · mißbilligen · Mißerfolg · Mißernte · Mißgeburt · mißhellig · Mißhelligkeit · mißliebig · mißmutig · Mißmut · Mißstand · Mißstimmung · Missetat · Mißtrauen · mißtrauen · mißtrauisch
miß- vornehmlich bis ins 18. Jh. (heute nur noch gelegentlich) produktives Präfix zur Bezeichnung des Verschiedenartigen, Abweichenden, Unrichtigen, Mangelnden und (pejorativ) Üblen, Schlechten in adjektivischen, substantivischen und verbalen Bildungen. Ahd. missa-, missi-, mis- ‘verschieden, nicht übereinstimmend, ausgewechselt, verkehrt, falsch, schlecht, übel, mangelnd, fehlend’, mhd. mnd. misse-, mis-, nhd. miß- (die alte, volle Form nur in Missetat, s. unten), asächs. mis(si)-, mnl. nl. aengl. engl. anord. aschwed. mis-, schwed. miss-, got. missa- entwickeln sich wie die unter missen (s. d.) genannten Adjektiv- und Adverbialformen aus einer mit to-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *mitsto-, die (ablautend) zu ie. *meit(h)-, einer Dentalerweiterung der Wurzel ie. *mei- ‘wechseln, tauschen’ (dann auch ‘vertauschen, täuschen’), steht. Zur Verwandtschaft s. gemein, Meineid, meiden, missen. mißachten Vb. ‘nicht (be)achten’, mhd. misseahten. mißbehagen Vb. ‘nicht behagen, nicht gefallen’ (15. Jh.), vgl. mhd. missehagen; substantiviert Mißbehagen n. (17. Jh.). mißbilligen Vb. ‘tadeln, ablehnen’ (17. Jh.). Mißerfolg m. ‘Fehlschlag’ (19. Jh.). Mißernte f. ‘schlechte Ernte’ (19. Jh.). Mißgeburt f. ‘mißgebildetes Neugeborenes’ (16. Jh.). Mißgunst f., s. Gunst. mißhellig Adj. ‘voneinander abweichend, uneins’, mhd. missehellec; vgl. ahd. missihel, missahel ‘uneinig’ (um 1000), mhd. missehel (zu ahd. missihellan ‘im Mißklang stehen, nicht zusammenstimmen’, 9. Jh., vgl. ahd. hellan ‘ertönen’, s. Hall); s. auch einhellig; Mißhelligkeit f. ‘Unstimmigkeit’ (15. Jh.). mißliebig Adj. ‘unbeliebt’ (19. Jh.), älter mißbeliebig (18. Jh.). mißmutig Adj. ‘verdrießlich’ (17. Jh.), älter mißmütig (16. Jh.); vgl. ahd. missimuoti ‘kleinlich’ (11. Jh.), mhd. missemüete ‘uneinig, übel gesinnt’; Mißmut m. ‘Unmut, Ärger’ (17. Jh.); im Anschluß an das Adjektiv neu gebildet nach voraufgegangenem ahd. missimuotī ‘Verstimmung, Feindseligkeit’ (um 900), missimuot ‘Kleinmut’ (10. Jh.). Mißstand m. ‘schlechter, ärgerlicher Zustand, Übelstand’ (16. Jh.). Mißstimmung f. ‘gereizte Stimmung, schlechte Laune’ (18. Jh.). Missetat f. ‘Verbrechen, Sünde’, ahd. missatāt, missitāt, mistāt (8. Jh.), mhd. missetāt, got. missadēþs ‘Sünde’. Mißtrauen n. ‘Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit (einer Person), an der Richtigkeit (einer Sache)’, spätmhd. missetrūwen, substantivierter Infinitiv von mißtrauen Vb. ‘nicht trauen, Argwohn hegen’, ahd. missatrūēn (9. Jh.), mhd. missetrūwen, -triuwen; mißtrauisch Adj. ‘nicht vertrauend, argwöhnisch’, mhd. missetrūwic.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) hinwegsetzen (über) · missachten · zuwiderhandeln  ●  (etwas) Verbotenes tun  Hauptform · (ein) böses Kind sein  ugs., Kindersprache, variabel · böse sein  ugs., Kindersprache · mit Füßen treten (ein Recht)  ugs., fig. · vom süßen Gift (des / der ...) naschen  geh., ironisierend, literarisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(Befehle/Regeln) missachten · nicht gehorchen · nicht hören (auf) · nicht parieren · ungehorsam sein  ●  (jemandem) auf der Nase herumtanzen  ugs., fig. · (sich) nichts sagen lassen  ugs.
Assoziationen
  • (alles) machen (dürfen) worauf man (gerade) Lust hat · (sich) an keine Regel(n) halten · machen (dürfen) was man will  ●  (jemandem) auf dem Kopf herumtanzen  ugs., fig. · (jemandem) auf der Nase herumtanzen  ugs., fig. · über Tisch(e) und Bänke gehen  ugs., fig.
  • Kleine Sünden bestraft (der liebe) Gott sofort.  Spruch · Wer nicht hören will, muss fühlen.  sprichwörtlich
  • jetzt erst recht! · jetzt gerade! · nun grade!  ●  das wollen wir doch mal sehen!  ugs. · und ob!  ugs.
Synonymgruppe
(auf einmal) nicht mehr kennen · (jemandem) keinen Blick gönnen · (jemanden) aggressiv nicht beachten · (jemanden) missachten · (jemanden) nicht (mehr) grüßen · (jemanden) schneiden · (jemanden) wie Luft behandeln · absichtlich übersehen · gezielt nicht beachten · keine Beachtung schenken · keine Notiz nehmen (von) · mit Verachtung strafen · so tun als ob jemand Luft wäre  ●  (jemanden) ignorieren  Hauptform · keines Blickes würdigen  geh. · mit dem Arsch nicht angucken  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›missachten‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›missachten‹.

Verwendungsbeispiele für ›missachten‹

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Der Stil mißachtet bewußt die herkömmliche grammatische Struktur der Sprache.
Samuel, R.: Expressionismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 2927
Die Deutschen haben durch fast zwölf Jahrhunderte zweierlei mißachtet, sich selbst und ihre Kinder.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 18
Das Kind wurde immer geschlagen und verstoßen, mißachtet und nie geliebt.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 158
Oft glauben Erwachsene, die Regeln des guten Benehmens gegenüber Kindern mißachten zu können.
Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 31
Wer dieser Pflicht nachkommt, wird belohnt, wer sie mißachtet, bestraft.
Hagemann, Ludwig: Islam. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 686
Zitationshilfe
„missachten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/missachten>, abgerufen am 01.12.2021.

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