missachten

GrammatikVerb · missachtet, missachtete, hat missachtet
Aussprache
Worttrennungmiss-ach-ten
Wortzerlegungmiss-achten
Ungültige Schreibungmißachten
Rechtschreibregeln§ 2
Wortbildung mit ›missachten‹ als Erstglied: ↗Missachtung
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
jmdn. nicht achten, keine Achtung vor jmdm. haben, jmdn. verachten
Beispiele:
er missachtet seine jüngeren Kollegen
[sie spielte] die Rolle der vom Leben ... Verfolgten und Mißachteten [NablOrtliebsche Frauen346]
2.
etw. absichtlich nicht beachten
Beispiele:
ein Verbot, eine Verordnung, einen Rat, Befehl missachten
Die Gefahr der Entdeckung mißachtend, richtete er sich am Kamin auf [ApitzNackt159]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

miß- · mißachten · mißbehagen · Mißbehagen · mißbilligen · Mißerfolg · Mißernte · Mißgeburt · mißhellig · Mißhelligkeit · mißliebig · mißmutig · Mißmut · Mißstand · Mißstimmung · Missetat · Mißtrauen · mißtrauen · mißtrauisch
miß- vornehmlich bis ins 18. Jh. (heute nur noch gelegentlich) produktives Präfix zur Bezeichnung des Verschiedenartigen, Abweichenden, Unrichtigen, Mangelnden und (pejorativ) Üblen, Schlechten in adjektivischen, substantivischen und verbalen Bildungen. Ahd. missa-, missi-, mis- ‘verschieden, nicht übereinstimmend, ausgewechselt, verkehrt, falsch, schlecht, übel, mangelnd, fehlend’, mhd. mnd. misse-, mis-, nhd. miß- (die alte, volle Form nur in Missetat, s. unten), asächs. mis(si)-, mnl. nl. aengl. engl. anord. aschwed. mis-, schwed. miss-, got. missa- entwickeln sich wie die unter ↗missen (s. d.) genannten Adjektiv- und Adverbialformen aus einer mit to-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *mitsto-, die (ablautend) zu ie. *meit(h)-, einer Dentalerweiterung der Wurzel ie. *mei- ‘wechseln, tauschen’ (dann auch ‘vertauschen, täuschen’), steht. Zur Verwandtschaft s. ↗gemein, ↗Meineid, ↗meiden, ↗missen. mißachten Vb. ‘nicht (be)achten’, mhd. misseahten. mißbehagen Vb. ‘nicht behagen, nicht gefallen’ (15. Jh.), vgl. mhd. missehagen; substantiviert Mißbehagen n. (17. Jh.). mißbilligen Vb. ‘tadeln, ablehnen’ (17. Jh.). Mißerfolg m. ‘Fehlschlag’ (19. Jh.). Mißernte f. ‘schlechte Ernte’ (19. Jh.). Mißgeburt f. ‘mißgebildetes Neugeborenes’ (16. Jh.). Mißgunst f., s. ↗Gunst. mißhellig Adj. ‘voneinander abweichend, uneins’, mhd. missehellec; vgl. ahd. missihel, missahel ‘uneinig’ (um 1000), mhd. missehel (zu ahd. missihellan ‘im Mißklang stehen, nicht zusammenstimmen’, 9. Jh., vgl. ahd. hellan ‘ertönen’, s. ↗Hall); s. auch ↗einhellig; Mißhelligkeit f. ‘Unstimmigkeit’ (15. Jh.). mißliebig Adj. ‘unbeliebt’ (19. Jh.), älter mißbeliebig (18. Jh.). mißmutig Adj. ‘verdrießlich’ (17. Jh.), älter mißmütig (16. Jh.); vgl. ahd. missimuoti ‘kleinlich’ (11. Jh.), mhd. missemüete ‘uneinig, übel gesinnt’; Mißmut m. ‘Unmut, Ärger’ (17. Jh.); im Anschluß an das Adjektiv neu gebildet nach voraufgegangenem ahd. missimuotī ‘Verstimmung, Feindseligkeit’ (um 900), missimuot ‘Kleinmut’ (10. Jh.). Mißstand m. ‘schlechter, ärgerlicher Zustand, Übelstand’ (16. Jh.). Mißstimmung f. ‘gereizte Stimmung, schlechte Laune’ (18. Jh.). Missetat f. ‘Verbrechen, Sünde’, ahd. missatāt, missitāt, mistāt (8. Jh.), mhd. missetāt, got. missadēþs ‘Sünde’. Mißtrauen n. ‘Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit (einer Person), an der Richtigkeit (einer Sache)’, spätmhd. missetrūwen, substantivierter Infinitiv von mißtrauen Vb. ‘nicht trauen, Argwohn hegen’, ahd. missatrūēn (9. Jh.), mhd. missetrūwen, -triuwen; mißtrauisch Adj. ‘nicht vertrauend, argwöhnisch’, mhd. missetrūwic.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) hinwegsetzen (über) · missachten · ↗zuwiderhandeln  ●  (etwas) Verbotenes tun  Hauptform · (ein) böses Kind sein  ugs., Kindersprache, variabel · (eine Regel) mit den Füßen treten  ugs. · böse sein  ugs., Kindersprache · vom süßen Gift (des / der ...) naschen  geh., ironisierend, literarisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(Befehle/Regeln) missachten · nicht gehorchen · nicht hören (auf) · nicht parieren · ungehorsam sein  ●  (jemandem) auf der Nase herumtanzen  ugs., fig. · (sich) nichts sagen lassen  ugs.
Assoziationen
  • (alles) machen (dürfen) worauf man (gerade) Lust hat · ↗(sich) an keine Regel(n) halten · machen (dürfen) was man will  ●  (jemandem) auf dem Kopf herumtanzen  ugs., fig. · (jemandem) auf der Nase herumtanzen  ugs., fig. · über Tisch(e) und Bänke gehen  ugs., fig.
  • Kleine Sünden bestraft (der liebe) Gott sofort.  Spruch · Wer nicht hören will, muss fühlen.  sprichwörtlich
Synonymgruppe
(auf einmal) nicht mehr kennen · (jemandem) keinen Blick gönnen · (jemanden) aggressiv nicht beachten · (jemanden) missachten · ↗(jemanden) nicht (mehr) grüßen · ↗(jemanden) schneiden · (jemanden) wie Luft behandeln · absichtlich übersehen · gezielt nicht beachten · keine Beachtung schenken · keine Notiz nehmen (von) · mit Verachtung strafen · so tun als ob jemand Luft wäre  ●  ↗(jemanden) ignorieren  Hauptform · keines Blickes würdigen  geh. · mit dem Arsch nicht angucken  derb
Assoziationen
  • Mobbing · Psychoterror am Arbeitsplatz · ↗Schikane
  • (für jemanden) erledigt sein · (jeglichen) Kontakt mit jemandem (zu) vermeiden (suchen) · (jemandem) aus dem Weg gehen · (mit jemandem) fertig sein · (mit jemandem) keinen Kontakt mehr suchen  ●  ↗(den) Kontakt (zu jemandem) abbrechen  Hauptform · (für jemanden) gestorben sein  ugs., fig. · bei jemandem abgemeldet sein  ugs., fig. · mit jemandem nichts mehr zu tun haben wollen  ugs.
  • (für jemanden) nicht zu sprechen sein · ausrichten lassen, dass man nicht da ist  ●  (sich) (am Telefon) verleugnen lassen  Hauptform
  • (jemanden) nicht beachten · (jemanden) nicht berücksichtigen · ↗(jemanden) übergehen · ↗(jemanden) übersehen
  • benachteiligen · ↗diskriminieren · ungleich behandeln
  • (jemandem) wird nicht zugehört · auf taube Ohren stoßen · ignoriert werden · kein Gehör finden · niemand hört jemandem zu · ungehört verhallen
  • (das) Tischtuch ist zerschnitten (zwischen) · getrennt von Tisch und Bett sein · getrennte Wege gehen · heillos zerstritten sein · im Streit auseinandergegangen sein · nicht mehr miteinander sprechen  ●  (sich) mit dem Arsch nicht mehr angucken  derb
  • nicht ausstehen können · nicht leiden können · nicht leiden mögen  ●  nicht mögen  Hauptform · auf den Tod nicht ausstehen können (Verstärkung)  ugs. · nicht abkönnen  ugs. · nicht haben können  ugs. · nicht riechen können  ugs., fig. · nicht verknusen können  ugs., regional
  • feindlich gesinnt (gegen) · ↗feindselig · ↗hasserfüllt · ↗spinnefeind (Verstärkung) · ↗unversöhnlich · verfeindet · von Hass erfüllt · übelwollend  ●  ↗animos  lat. · ↗phobisch  fachspr.
  • abkanzeln · ↗abwerten · ↗diskreditieren · ↗herabwürdigen · in Misskredit bringen · ↗niedermachen · ↗schlechtmachen  ●  ↗mobben  ugs.
  • intrigieren · ↗mobben · ↗piesacken · ↗schikanieren  ●  aufs Korn nehmen  ugs. · ↗fertigmachen  ugs. · ↗kujonieren  geh. · ↗schurigeln  ugs. · zur Sau machen  derb, fig.
  • (jemanden) ausschließen (aus) · (jemanden) ausstoßen (aus) · abgemeldet sein (bei) · brechen mit · für jemanden gestorben sein  ●  ↗(jemanden) verstoßen  Hauptform · ↗(jemanden) ächten  veraltend
  • gering achten · ↗geringschätzen · geringschätzig behandeln · ↗herabblicken (auf) · herabschauen (auf) · ↗herabsehen (auf) · ↗hinunterblicken (auf) · ↗hinunterschauen (auf) · nichts halten von · ↗verachten · von oben herab behandeln · wenig halten von  ●  in den Staub treten  fig. · mit Füßen treten  fig. · (die) Anerkennung verweigern  geh.
  • (den) Kontakt abbrechen (zu) · (den) Kontakt beenden (zu) · ↗(jemandem) die Freundschaft (auf)kündigen · (sich) abwenden (von jemandem) · mit jemandem brechen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ampel Anweisung Autofahrer Autofahrerin Befehl Gebot Grundrecht Grundregel Grundsatz Haltesignal Haltezeichen Kreuzung Menschenrecht Menschenrechte Menschenwürde Rauchverbot Regel Rotlicht Sicherheitsvorschrift Spielregel UN-Resolution Verbot Verkehrsregel Vorfahrt Vorschrift Völkerrecht Warnsignal Warnung Wählerwillen sträflich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›missachten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Stil mißachtet bewußt die herkömmliche grammatische Struktur der Sprache.
Samuel, R.: Expressionismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 2927
Die Deutschen haben durch fast zwölf Jahrhunderte zweierlei mißachtet, sich selbst und ihre Kinder.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 18
Das Kind wurde immer geschlagen und verstoßen, mißachtet und nie geliebt.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 158
Oft glauben Erwachsene, die Regeln des guten Benehmens gegenüber Kindern mißachten zu können.
Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 31
Wer dieser Pflicht nachkommt, wird belohnt, wer sie mißachtet, bestraft.
Hagemann, Ludwig: Islam. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 686
Zitationshilfe
„missachten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/missachten>, abgerufen am 15.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Miss-Stimmung
Miss-Stand
miss-
Miß
Misrachi
Mißachtung
Missbefinden
mißbehagen
missbehaglich
Missbildung