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missbrauchen

GrammatikVerb · missbrauchte, hat missbraucht
Aussprache
Worttrennungmiss-brau-chen
Wortzerlegungmiss-brauchen
Ungültige Schreibungmißbrauchen
Rechtschreibregeln§ 2
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw. (absichtlich) falsch, in übertriebenem Maße oder unerlaubt gebrauchen
Beispiele:
seine Macht, sein Amt (zum persönlichen Vorteil) missbrauchen
jmds. Namen missbrauchen
das oft missbrauchte Wort ›Liebe‹
er hat unser Vertrauen, meine Offenheit, Geduld schmählich missbraucht
jmdn. missbrauchen
Beispiele:
dazu lasse ich mich nicht missbrauchen!
das Andenken […] dieser armen, mißbrauchten, gefallenen Helden [RemarqueSchwarzer Obelisk137]
2.
Beispiel:
ein Mädchen, Kind missbrauchen (= vergewaltigen, notzüchtigen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brauchen · Brauch · Brauchtum · brauchbar · Brauchbarkeit · gebrauchen · Gebrauch · mißbrauchen · Mißbrauch · verbrauchen · Verbrauch · Verbraucher
brauchen Vb. ‘nötig haben’, ahd. brūhhan, brūhhen ‘genießen, nutzen, ausüben’ (8. Jh.), mhd. brūchen, asächs. brūkan, mnl. brūken ‘brauchen, genießen’, afries. brūka ‘nötig haben’, aengl. brūcan ‘nützlichen Anteil haben’, engl. to brook ‘gebrauchen’, got. brūkjan ‘genießen, sich erfreuen, gebrauchen’ (germ. *brūk-) zeigen unterschiedliche Flexionsweisen (stark im Aengl., schwach im Got., sonst starke Präsens- und schwache Präteritalformen). Verwandtschaftlich nahe steht wohl lat. fruī ‘genießen, Nutzen ziehen’ und frūx, frūctus (s. ↗Frucht). Das nur aus dem Germ. und Ital. zu erschließende ie. *bhrūg- ‘Frucht, genießen, gebrauchen’ ist vielleicht Gutturalerweiterung des in ↗Brosame (s. d.) und seinen Verwandten mit s-Erweiterung vorliegenden ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- ‘abschaben, abstreifen, zerschlagen, zerbrechen’ (zur Wurzel ie. *bher- ‘mit einem scharfen oder spitzen Werkzeug bearbeiten, schneiden’). Für ie. *bhrūg- könnte daher eine älteste Bedeutung ‘sich Früchte zum Genuß abbrechen oder abstreifen’ erschlossen werden. Die semantische Entwicklung des dt. Verbs führt von ‘nützlichen Anteil haben, genießen’ über ‘nutzen, gebrauchen’ zu seit dem 17. Jh. üblichem ‘nötig haben’. Brauch m. ‘Gewohnheit, Sitte’, ahd. brūh (10./11. Jh.), mhd. brūch. Brauchtum n. ‘volkstümliche Sitten und Gebräuche’ (20. Jh.). brauchbar Adj. ‘geeignet’, spätmhd. brūchbar; dazu Brauchbarkeit f. (18. Jh.). gebrauchen Vb. ‘benutzen, verwenden’, ahd. gibrūhhan, gibrūhhen (11. Jh.), mhd. gebrūchen; Gebrauch m. ‘Verwendung’, mhd. gebrūch. mißbrauchen Vb. ‘in unstatthafter Weise gebrauchen’, ahd. missabrūhhan (9. Jh.), mhd. missebrūchen (s. ↗miß-); Mißbrauch m. (16. Jh.; vgl. ahd. missibrūhhida, 9. Jh.). verbrauchen Vb. ‘völlig verwenden, abnutzen, verschleißen’, ahd. firbrūhhen (10./11. Jh.), mhd. verbrūchen; Verbrauch m. (18. Jh.); Verbraucher m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
malträtieren · missbrauchen · ↗misshandeln · schlecht behandeln
Synonymgruppe
ausnutzen (zu) · ↗ausnützen · missbräuchlich verwenden · nicht bestimmungsgemäß gebrauchen · ↗zweckentfremden  ●  ↗(jemanden) (nur) benutzen  negativ · missbrauchen (für)  negativ · schamlos ausbeuten  abwertend · (mit jemandem/etwas) Schindluder treiben  ugs., abwertend
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) vergehen an · (sich) vergreifen an · Notzucht verüben (an) · missbrauchen · ↗schänden · zum Sex zwingen  ●  ↗notzüchtigen  veraltet · ↗vergewaltigen  Hauptform
Oberbegriffe
  • marodieren · sengen und morden · sengen und plündern  ●  sengen und brennen  veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gastrecht Junge Kind Macht Marktmacht Minderjähriger Monopolstellung Mädchen Nazi Schutzschild Stellung Stieftochter Stiefvater Tochter Vertrauen Vorwand Wahlkampfzweck Wahlkampfzwecke Zweck Zwecke entführen erdrosseln ermorden erwürgen foltern mißhandeln sexuell töten vergewaltigen verschleppen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›missbrauchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erstmals soll der Mann das Kind im Alter von zehn Jahren missbraucht haben.
Die Welt, 10.10.2003
In dieser Zeit missbrauchte er Kinder, serienmäßig, eines nach dem anderen.
Der Tagesspiegel, 28.08.2003
Nachdrücklich mahnt er aber auch die Herren, ihr weltliches Regiment nicht zu mißbrauchen.
Franz, G.: Bauernkrieg. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 28973
Wir haben ihr Vertrauen nicht zu missbrauchen, sondern wir haben so wie wir erwarten, hier unsere Pflicht zu erfüllen.
o. A.: Eröffnungssitzung des Schleswig-Holsteinischen Provinziallandtages im Kieler Rathaus, 10.04.1933
So wird sie die große Freiheit, die man ihr läßt, kaum je mißbrauchen.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 21885
Zitationshilfe
„missbrauchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/missbrauchen>, abgerufen am 24.04.2019.

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