missen

Grammatik Verb · misst, misste, hat gemisst
Aussprache 
Worttrennung mis-sen

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ...
    1. 1. etw., jmdn. entbehren
    2. 2. [selten] etw., jmdn. vermissen
eWDG

Bedeutung

gehoben
1.
etw., jmdn. entbehren
Beispiele:
wir mussten alle Bequemlichkeit missen
wer ins Ausland geht, möchte die Nachteile des eigenen Landes ... gern missen [ BöllIrisches Tagebuch20]
wiewohl ... selbst Prinzessin Maria am Ende ihren Beichtiger missen mußte [ Dahlm.Engl. Revolution76]
etw., jmdn. nicht (mehr) missen mögen, können, wollen
Beispiele:
diese schöne Zeit, Erinnerung möchte ich nicht missen
der Direktor wollte diesen Mitarbeiter nicht mehr missen
Halwig erfuhr, daß wer solche Aufregungen kennen gelernt, sie nicht mehr missen kann [ Ebner-Eschenb.3,169]
2.
selten etw., jmdn. vermissen
Beispiele:
Ihr alle laßt die Lindigkeit missen, zu der ihr ermahnt und aufgefordert werdet [ NachbarMond221]
weder in England noch in Frankreich würde irgend jemand den Marquis de Louvois missen [ RehfischHexen600]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

missen · vermissen
missen Vb. ‘nicht haben, entbehren’, ahd. missen ‘entbehren, verfehlen’ (9. Jh.), mhd. mnd. missen, mnl. missen, messen, nl. missen, afries. missa, aengl. missan, engl. to miss, anord. missa (germ. *missjan) sind Bildungen zu dem den folgenden Formen ahd. missi Adj. ‘verschieden’ (9. Jh.), mhd. mis Adj. ‘ermangelnd’, mnd. misse, mis Adj. Adv. ‘falsch, sein Ziel nicht erreichend, ermangelnd’, mnl. mis, mes, nl. mis Adj. ‘verfehlt, falsch, ungleich’, got. missō Adv. ‘einander, wechselseitig’ sowie dem Präfix ↗miß- (s. d.) zugrundeliegenden Partizipialstamm germ. *missa-, ie. *mitsto-. vermissen Vb. ‘ein Fehlen, einen Verlust bemerken’, ahd. firmissen (9. Jh.), mhd. vermissen ‘nicht treffen, (ver)fehlen, nicht finden, übersehen, ermangeln’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) fehlen · ↗entbehren · ↗vermissen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  veraltet · missen (meist redensartlich)  geh., veraltend · schmerzlich vermissen  geh., floskelhaft
Assoziationen
  • (inständig) verlangen nach · (jemandem) steht der Sinn nach · (sich) sehnen nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · ↗begehren · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · ↗ersehnen · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗herbeisehnen · ↗herbeiwünschen · kaum erwarten können · nicht warten können auf · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt nach · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen  ●  (sehr) verlangen nach  Hauptform · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele  sprichwörtlich · hungern nach  fig. · ↗(einen) Gieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs., norddeutsch · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (jemanden) gelüsten nach  geh. · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · (sich die) Finger lecken nach  ugs., fig. · (sich) alle zehn Finger lecken (nach)  ugs., fig. · (sich) verzehren nach  geh. · begehren nach  geh. · dürsten nach  geh., poetisch, fig. · erpicht auf  geh., veraltend · geil auf (etwas)  ugs. · giepern nach  ugs., regional · heiß auf (etwas)  ugs. · jiepern nach  ugs., regional · lange Zähne kriegen  ugs., selten · ↗lechzen (nach)  geh. · scharf auf (etwas)  ugs. · spitz sein auf  ugs. · verrückt auf (etwas)  ugs. · ↗verschmachten (nach)  geh.
  • (jemandem / einer Sache) hinterhertrauern · ↗(sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • (es) fehlen lassen (an) · ↗(jemandem) abgehen · ↗(jemandem) fehlen · nicht verfügen über · vermissen lassen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗(einer Sache) gebrechen  geh., veraltet · (jemandem) nicht zu Gebote stehen  geh. · kranken an  geh.

Typische Verbindungen zu ›missen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›missen‹.

Verwendungsbeispiele für ›missen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In solchen Fällen misst er die "Kleidung" der Tiere aus und schafft dann freihändig eine Plastik.
Der Tagesspiegel, 03.12.1999
Neun mal zwölf Meter war sie 1971 groß, heute mißt sie 13 mal 32 Meter.
Süddeutsche Zeitung, 24.08.1998
Wenn man sich einmal acht Tage lang daran gewöhnt hat, wird man die Übung nicht mehr missen wollen.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 54
Sodann gehst Du in gleicher Weise an die hellste, bildwichtige Stelle heran und mißt auch diese.
Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 142
Mead selbst erwähnt diese Vorbehalte, mißt ihnen aber kein hinreichendes Gewicht bei.
Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 156
Zitationshilfe
„missen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/missen>, abgerufen am 22.01.2021.

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