Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

moralisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung mo-ra-lisch
Wortzerlegung Moral -isch
Wortbildung  mit ›moralisch‹ als Letztglied: amoralisch · unmoralisch
eWDG

Bedeutungen

1.
sittenstreng, tugendhaft
Beispiele:
moralische Anschauungen, Grundsätze haben
er führt einen moralischen Lebenswandel
»Ich will damit nicht sagen, daß ich besonders moralisch bin …« [ E. ClaudiusGrüne Oliven149]
2.
sittliche Lehren enthaltend, moralisierend
Beispiele:
eine moralische Erzählung
moralische Reden, Ermahnungen, Vorhaltungen
umgangssprachlichjmdm. moralisch kommen (= jmdm. eine Moralpredigt halten)
Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet [ SchillerSchaubühneTitel]
3.
die Moral betreffend, sittlich
Beispiele:
moralische Gesundheit, Sauberkeit, Verworfenheit
der moralische Zerfall des spätrömischen Reiches
sie war voller moralischer Entrüstung
ein moralisches Bewusstsein, Gefühl, moralische Vorurteile, Skrupel haben
ein moralisches Recht auf etw. haben
unter moralischem Druck stehen
der moralische Sumpf der Großstadt
umgangssprachlicheine moralische Ohrfeige bekommen (= eine peinliche Zurechtweisung erfahren)
umgangssprachlicheinen moralischer Kater, den Moralischen haben (= Katzenjammer haben)
moralisch gerechtfertigt, hochstehend, anfechtbar, haltlos sein
sich moralisch verpflichtet, verantwortlich fühlen
jmdn. moralisch vernichten
Die Niederlage wurde zu einem moralischen Sieg Burmanns umgefälscht [ JohoWendemarke50]
dieser ganze moralische Schlamm, durch den wir waten [ LuxemburgBriefe49]
4.
Wirtschaft der moralische Verschleißdie durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt bedingte Wertminderung von Produktionsmitteln
Beispiele:
der moralische Verschleiß eines Maschinenparks, Kraftwerks
Neben dem materiellen unterliegt die Maschine aber auch einem sozusagen moralischen Verschleiß [ MarxKapital1,424]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Moral · moralisch · Moralist · moralisieren · demoralisieren · Mores
Moral f. ‘gesellschaftlich bedingtes System geltender Normen und Regeln sittlichen Verhaltens’ (18. Jh.), älter ‘aus einem Beispiel zu ziehende sittliche Nutzanwendung und Lehre’ (16. Jh., vgl. die Wendung die Moral von der Geschichte, 19. Jh.), danach ‘Sittenkunde, -lehre’ (17. Jh.). Auszugehen ist von lat. mōrālis ‘die Sitten betreffend’, einer Ableitung von lat. mōs (Genitiv mōris) ‘zur Regel gewordener Wille, auf innerer Gesinnung beruhende, gewohnheitsmäßige Tätigkeit, Sitte, Brauch’ (etymologisch verwandt mit Mut, s. d.). Das im 16. Jh. geltende Neutrum Morale (entsprechend substantiviertem lat. mōrāle n.), Plur. Moralia, gerät im 17. Jh. unter den Einfluß von frz. la philosophie morale (nach lat. philosophia mōrālis) und wechselt zum fem. Genus über. moralisch Adj. ‘der Moral entsprechend, sittlich’ (16. Jh.). Moralist m. ‘Sittenlehrer, Moralphilosoph’, abschätzig ‘Sittenprediger’ (17. Jh.), frz. moraliste. moralisieren Vb. ‘sittliche Überlegungen anstellen’, abschätzig ‘als Sittenprediger auftreten’ (16. Jh.), frz. moraliser; demoralisieren Vb. ‘sittlich zersetzend wirken’ (18. Jh.), frz. démoraliser. Mores Plur. ‘Anstand, Benehmen, Lebensart’ (15. Jh.), lat. mōrēs Plur. (s. oben), zuerst in der humanistischen Schulsprache verbreitet; jmdn. Mores lehren ‘jmdn. zurechtweisen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anständig · gesittet · moralisch · rein · sittsam · standhaft · tugendhaft · tugendsam · züchtig  ●  moralinsauer  geh., abwertend · moralistisch (oft abwertend)  geh. · ordentlich  ugs. · vernünftig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ethisch · moralisch · sittlich

Typische Verbindungen zu ›moralisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›moralisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›moralisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch die Frage nach dem moralischen Recht, mit künftigen menschlichen Wesen zu experimentieren, stellt sich hier. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 46]
Diese Einstellung gibt eine unmenschliche moralische Härte für den Kampf. [Hoke, Ralph Johann u. Schmith, Otto: Grundlagen und Methodik der Leichtathletik, Leipzig: Barth 1937, S. 200]
Sie haben den moralischen Mut gehabt, sich diesem Dilemma zu stellen. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 72]
Moralisch wird man mit einem solchen Text wohl nie zurechtkommen, auch psychologisch kaum. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 639]
Auch dies ist Teil der moralischen Verantwortung der deutschen Wirtschaft. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Zitationshilfe
„moralisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/moralisch>.

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