multipolar

GrammatikAdjektiv · ohne Steigerung
Aussprache
Worttrennungmul-ti-po-lar
Wortzerlegungmulti-polar
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutung

fachsprachlich
a)
(besonders) Politik in einem vielfältigen (Kräfte)verhältnis zueinander stehend
  von mehreren Teilen, Einheiten, Strukturen, Systemen o. Ä.   von der Vorherrschaft mehrerer Staaten oder gegensätzlicher politischer Systeme geprägt
Gegenwort zu unipolar (Lesart a), monopolar (Lesart a), siehe auch bipolar (Lesart a)
Beispiele:
Der amerikanisch geprägten «unipolaren» Weltordnung stellten Kritiker vor allem in Europa die Vorteile einer multipolaren Ordnung mit zahlreichen gleichberechtigten Akteuren gegenüber. [Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2009]
Die Arbeitswelt sei multipolar, auch wenn das denjenigen, die Systeme und Organisationen steuern wollen, wirklich Mühe macht und sie am liebsten möglichst große Teile der Belegschaft in traditionellen Strukturen »managen« würden, statt sich mit zunehmender Vielfalt herumzuschlagen. [Der Standard, 16.12.2011]
In Paris behauptet man, man kämpfe gegen den Unipolarismus und für Multipolarismus, das heißt für ein europäisches System, in dem Frankreich, gestützt von Deutschland, die Führung im Gegengewicht zu den USA ausbauen würde. Eigentlich sind die Metaphern von einer unipolaren und multipolaren Welt [in diesem Zusammenhang] unzutreffend. Schon die Existenz der schlummernden Weltmacht China und der anderen fernöstlichen Riesen gibt unserer Welt eine multipolare Gestalt. [Die Welt, 03.05.2003]
Washington und Moskau […] seien zu einem gemeinsamen Verständnis des Begriffs »multipolare Welt« gekommen. Beide Seiten seien zu der Überzeugung gelangt, dass der Globalisierungsprozess, der keine Grenzen kenne, ein Modell der Welt geschaffen habe, das »multipolar genannt werden kann«. […] Bislang hatte Moskau der amerikanischen Führung stets vorgeworfen, sie strebe eine monopolare Welt und mithin die Vorherrschaft der USA an. [Die Welt, 03.02.2000]
Eine neue Weltarchitektur muß erfunden werden und auf dieses multipolare Gleichgewicht hinauslaufen, das die Autonomie der Nationen gewährleistet und die Stabilität und den Frieden sichert. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1996]]
Bi- und multipolare Systeme haben durch diese ständige Mischung der Gene innerhalb einer Population zwar eine größere Chance für evolutionistische Weiterentwicklung und eine größere Anpassungsfähigkeit an Umweltsänderungen, sie haben jedoch den Nachteil, daß zu einem erfolgreichen Überleben mindestens zwei Individuen erforderlich sind. [Bresch, Carsten: Klassische und molekulare Genetik, Berlin u. a.: Springer 1965 [1964], S. 90]
Kollokation:
als Adjektivattribut: eine multipolare Welt, Weltordnung
b)
Neurologie von Nervenzellen   mehrere Fortsätze (ein Axon und mehrere Dendriten) besitzend
Gegenwort zu unipolar (Lesart c), monopolar (Lesart c)
Beispiele:
Von einigen Autoren wurden in der Vergangenheit bipolare und multipolare Nervenzellen beschrieben. [Roth, G. u. Wullimann, Mario F.: Evolution der Nervensysteme und der Sinnesorgane. In: Dudel, Josef u. a. (Hgg.) Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 448]
Bei Vertebraten (= Wirbeltieren) sind die die Muskulatur innervierenden Neurone […] multipolare Neurone. [Blickhan, Reinhard: Motorische Systeme bei Vertebraten. In: Dudel, Josef u. a. (Hgg.) Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 193]

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ordnung System Welt Weltordnung bipolar

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›multipolar‹.

Zitationshilfe
„multipolar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/multipolar>, abgerufen am 15.12.2018.

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