Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

mutmaßen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung mut-ma-ßen
eWDG

Bedeutung

veraltend etw. annehmen, vermuten
Beispiele:
er mutmaßte, dass …
Da Mirsky nicht zurückgekehrt war, hatte der Stab gemutmaßt, die Kundschafterpatrouille sei vom Feinde abgefangen oder vernichtet [ U. BecherMänner135]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. – mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Mutmaßungen anstellen · Vermutungen anstellen · annehmen · mutmaßen · spekulieren

Typische Verbindungen zu ›mutmaßen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mutmaßen‹.

Verwendungsbeispiele für ›mutmaßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Jury fühlte sich offenbar motiviert dazu, zu vergleichen ", mutmaßte Raab. [Die Zeit, 03.06.2013 (online)]
Er mutmaßt, die Frau sei es vielleicht leid, sich laut zu kleiden. [Die Zeit, 23.02.2012 (online)]
Dass ihn die Diagnose vollkommen aus der Bahn geworfen habe, mutmaßt kaum einer. [Die Zeit, 23.11.2009, Nr. 47]
Wie es zu dieser globalen altersabhängigen Verteilung des Wohlbefindens kommt, können die Autoren leider nur mutmaßen. [Die Zeit, 18.02.2008, Nr. 07]
Der Autor habe der DDR zugestanden, eine politisch entschärfte Version abzudrucken, mutmaßen die anderen. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.2003]
Zitationshilfe
„mutmaßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mutma%C3%9Fen>.

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