nähern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungnä-hern
Wortbildung mit ›nähern‹ als Letztglied: ↗annähern
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
sich nähernan jmdn., etw. näher herankommen, auf jmdn., etw. zugehen
Beispiele:
niemand durfte sich dem Brandherde nähern
ich näherte mich der Tür, dem Ziel
wir näherten uns einem Dorf, dem Bahnhof
das Schiff nähert sich der Küste
du darfst dich dem Hund nur vorsichtig nähern
leise Schritte näherten sich
die Temperatur näherte sich dem Gefrierpunkt
daß jemand, dessen kränklicher Zustand sich der Genesung nähert, in heitere Stimmung gerät [G. KaiserSilberseeII]
übertragen versuchen, mit jmdm. bekannt zu werden
Beispiele:
er hat sich der Dame (in plumper, unziemlicher, vertraulicher Weise) genähert
Auch darin ganz mein Sohn, wäre er nie auf den Gedanken gekommen, sich einer fremden Person zu nähern [M. HaushoferinÖsterr. Erzähler2,228]
sich näherkommen
Beispiel:
wir haben uns um vieles, in unseren Standpunkten genähert
2.
etw. näher an etw. heranbringen
Beispiele:
ich näherte meine Hand dem Lichtschalter
sie legte ohne weiteres ihre Arme um meinen Hals, näherte ihren Mund dem meinigen [G. KellerGr. Heinrich4,215]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter ↗an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter ↗Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit ↗genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme ↗hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Boot Ende Fahrzeug Gegenstand Geschwindigkeit Höchststand Höhepunkt Kamera Nullpunkt Phänomen Riesenschritt Schritt Thema Umweg Weise allmählich annähern bedenklich bedrohlich behutsam her langsam man rasch schrittweise unaufhaltsam vorsichtig wieder wir zögernd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nähern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einer solchen Schönheit hätte ich mich kein zweites Mal genähert.
Franck, Julia: Lagerfeuer, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2003, S. 257
Man nähert sich ihnen, nach so langer Zeit, nicht ohne Bangen.
Süddeutsche Zeitung, 06.11.2001
Oder nein, es nähert sich ihr ganz allmählich wie ein scheuer Liebhaber.
Der Tagesspiegel, 07.03.2001
Heute nähert er sich der seriellen Technik, wendet sie aber nicht konsequent an.
Lissa, Zofia: Sikorski. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 41101
Die Action nähert sich immer mehr der möglichst großen Ökonomie.
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe - P. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 25705
Zitationshilfe
„nähern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nähern>, abgerufen am 14.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
näherliegen
näherkommen
Näherin
Naherholungsgebiet
Naherholung
Näherrecht
näherrücken
näherrutschen
näherstehen
nähertreten