nähren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungnäh-ren
Wortbildung mit ›nähren‹ als Erstglied: ↗Nahrung · ↗Nährboden · ↗Nährcreme · ↗Nährcrème · ↗Nährflüssigkeit · ↗Nährhefe · ↗Nährlösung · ↗Nährmedium · ↗Nährmittel · ↗Nährmittelindustrie · ↗Nährmutter · ↗Nährsalz · ↗Nährstoff · ↗Nährvater · ↗Nährwert · ↗Nährzucker · ↗nahrhaft
 ·  mit ›nähren‹ als Letztglied: ↗ernähren  ·  mit ›nähren‹ als Binnenglied: ↗Hautnährcreme · ↗Hautnährcrème  ·  formal verwandt mit: ↗hautnährend · ↗wohlgenährt
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
jmdn., sich ernähren
a)
Beispiele:
die Mutter nährt (= stillt) ihr Kind selbst
sprichwörtlicheine Schlange an seinem Busen nähren (= einem Unwürdigen Gutes erweisen)
b)
sich von etw. nährenvon etw. leben, etw. als Nahrung zu sich nehmen
Beispiele:
er nährt sich von Milch, Früchten, Gemüse, Fleisch
indem er sich von Datteln nährte [FrischGantenbein199]
weil die Mutter sich mit dem Reste [des Frühstücks] den übrigen Tag hindurch nähren ... wollte [G. KellerGr. Heinrich4,479]
Viele wohnten besser als zu Lebzeiten des alten Richters, nährten sich besser (= aßen besser), hatten besseren Hausrat [Feuchtw.Jefta129]
2.
übertragen jmds. wirtschaftliche Bedürfnisse bestreiten, jmdn. unterhalten
Beispiel:
Eine Frau und drei Kinder mußte er kleiden und nähren [J. RothHiob8]
sich von etw. nährensich durch etw. erhalten
Beispiel:
er nährt sich durch, von, mit seiner Hände Arbeit
umgangssprachlich etw. nährt seinen Mannetw. gibt jmdm. ein genügendes Auskommen
Beispiel:
das Handwerk, dieses Geschäft nährt seinen Mann
3.
Beispiel:
diese Kost, Speise nährt (= ist nahrhaft)
4.
gehoben das Feuer nährenBrennstoff nachlegen
Beispiele:
der Inhalt eines Schmelztiegels, unter dem man das Feuer zu nähren vergessen hatte [MusilMann788]
Da trat der alte Knecht des Chorherrn mit einem Arm voll Holz herein, nährte die Glut [C. F. Meyer4,136]
5.
gehoben etw. in sich, jmdm. erwecken und wachsen lassen
Beispiele:
einen Wunsch, den Traum, die Illusion, Vorstellung, einen Plan nähren
einen Hass, Verdacht, Argwohn gegen jmdn. nähren
eine Feindschaft nähren
welche Hoffnungen Quint in ihnen genährt hatte [G. Hauptm.Quint1,401]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nähren · ernähren · Ernährung · Ernährer · Nahrung · nahrhaft · Nahrungsmittel
nähren Vb. ‘mit Nahrung versorgen, den Unterhalt ermöglichen, pflegen’, ahd. nerien, nerren (8. Jh.), mhd. nern, neren, nerigen, nergen, nerren ‘genesen machen, (er)retten, am Leben erhalten, ernähren’, asächs. aengl. nerian, mnd. nēren, anord. næra, schwed. nära, got. nasjan ‘retten’, germ. *nazjan sind Kausativa (in der ursprünglichen, sehr umfassenden Bedeutung ‘genesen machen’, d. h. ‘retten, davonkommen lassen, durch Nahrung, Pflege am Leben erhalten’) zu dem unter ↗genesen (s. d.) aufgeführten Verb. ernähren Vb. ‘mit Nahrung versorgen, für jmds. Lebensunterhalt sorgen’, ahd. irnerien, irnerren ‘erretten’ (11. Jh.), mhd. ernern ‘gesund machen, heilen, erretten, am Leben erhalten, mit Nahrung versorgen’; Ernährung f. Ernährer m. (19. Jh.). Nahrung f. ‘alles zur Ernährung Dienende, Lebensmittel’, ahd. narunga (10. Jh.), mhd. narunge ‘Lebensunterhalt’, Ableitung von (im Nhd. untergegangenem) ahd. nara ‘Erlösung’ (8. Jh.), ‘Nahrung, Unterhalt’ (10. Jh.; vgl. lībnara, 9. Jh., asächs. līfnara ‘Lebensunterhalt’), mhd. nar ‘Heil, Rettung, Nahrung, Unterhalt’ (germ. *nazō-), wozu auch nahrhaft Adj. ‘reich an Nährstoffen, gewinnbringend’ (17. Jh.), älter nahrhaftig (15. Jh.) und Nahrhaftigkeit (16. Jh.). Nahrungsmittel Plur. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) zu essen geben · (jemandem) Essen geben · ↗beköstigen · ↗bewirten · ↗ernähren · ↗füttern · nähren · ↗verköstigen · ↗verpflegen
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Junge füttern  ●  ↗atzen  fachspr., Jägersprache
Synonymgruppe
Auftrieb geben · ↗anfachen · ↗anheizen (Konflikt) · ↗anstacheln · ↗befeuern · ↗schüren · ↗vergrößern  ●  (weiter) an der Spirale der Gewalt drehen  fig. · hochkochen lassen  fig. · Nahrung geben  ugs. · nähren  geh. · Öl ins Feuer gießen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Argwohn Baisse Befürchtung Busen Erwartung Furcht Gerücht Hausse Haß Hoffnung Illusion Legende Mißtrauen Mythos Optimismus Phantasie Ressentiment Sehnsucht Skepsis Sorge Spekulation Verdacht Vermutung Verschwörungstheorie Vorurteil Zuversicht Zweifel kleiden redlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nähren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber der Sieg ist nicht endgültig, und er hat die Illusion genährt, Aids sei heilbar.
Der Tagesspiegel, 01.12.2004
Doch der damalige Bann nährte die Sehnsucht nach der historischen Wende.
Süddeutsche Zeitung, 23.02.1994
Soweit ich es beobachtet habe, sahen die Arbeiter durchaus gut genährt aus.
o. A.: Einhundertvierzigster Tag. Dienstag, 28. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 9510
Und wo man zu Hause ist, da soll man sich nähren.
Ball, Hugo: Flammetti. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 5064
Ich nähre es mit süßer Milch, sie bekommt ihm bestens.
Kafka, Franz: Eine Kreuzung. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10468
Zitationshilfe
„nähren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nähren>, abgerufen am 21.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Nähreinlauf
Nährcreme
Nährbrühe
Nährboden
Nährbecken
Nährer
Nährflüssigkeit
Nährgebiet
Nährgewebe
nahrhaft