nötig

GrammatikAdjektiv
Worttrennungnö-tig
Wortbildung mit ›nötig‹ als Erstglied: ↗nötigenfalls  ·  mit ›nötig‹ als Letztglied: ↗allernötigst
eWDG, 1974

Bedeutung

dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig
Beispiele:
die nötigen Unterhandlungen einleiten
die nötigen Schritte unternehmen
sich [Dativ] die nötige Fingerfertigkeit aneignen
die nötigen Vorbereitungen treffen
mit der nötigen Vorsicht fahren
umgangssprachlich die nötige Bettschwere haben
das Nötige veranlassen
es fehlt am Nötigsten
es ist nötig, dass du einen Beruf ergreifst, jetzt nach Hause gehst
Vorurteile aufzugeben ist bitter nötig
es ist noch nicht nötig, Licht zu machen
ich hielt es für nötig, den Vorfall zu melden
etw. nötig (= dringend) brauchen
wir brauchen nötig Regen
etw., jmdn. nötig habenetw., jmdn. brauchen, benötigen
Beispiele:
er hat das Geld, einen Erholungsurlaub, Schlaf sehr nötig
sie hat ihre Eltern noch dringend nötig
nicht nötig haben, etw. zu tunetw. nicht zu tun brauchen, nicht tun müssen
Beispiele:
sie hat es nicht nötig, die Klausur zu wiederholen
er hat es nicht nötig, mit seinem Können zu prahlen
er hat es nötig, zurechtgewiesen zu werden (= er muß zurechtgewiesen werden)
»ich habe die Straße gefegt.« »Hast du das nötig(= »ich habe die Straße gefegt.« »Das brauchtest du doch nicht zu tun!«)
umgangssprachlich du hast es (gerade) nötig (= gerade du hast keinen Grund), so anzugeben!
umgangssprachlich er hat es gerade nötig, mich zum Sparen zu ermahnen! (= er ist selbst nicht sparsam)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Not · nötig · nötigen · Nötigung · Notbehelf · Notdurft · notdürftig · Notdürftigkeit · notgedrungen · Notlüge · Notnagel · Notpfennig · Notstand · Notwehr · notwendig · Notwendigkeit · Notzucht · notzüchtigen
Not f. ‘Armut, Elend, Mangel, schwierige Lage, Bedrängnis, Mühe, Schwierigkeit, Zwang’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. nōt, asächs. nōd, mnl. noot, nl. nood, afries. nēd, aengl. níed, nēd, engl. need (Plur. needs ‘Bedürfnisse’), anord. nauð, nauðr, schwed. nöd, got. nauþs (germ. *naudi- f.) führt als Abstraktbildung mit ti-Suffix wie apreuß. nautin (Akkusativ) ‘Not’, vielleicht im Anschluß an Verben wie lit. nõvyti ‘bedrücken, vernichten, quälen’, aslaw. unyti ‘verzagen, nachlässig werden’, russ. nyt’ (ныть) ‘anhaltend dumpf schmerzen’, mit aslaw. nǫžda, nužda ‘Zwang, Gewalt, Notwendigkeit’, russ. (älter) nudá (нуда) ‘Zwang, Nötigung, Not’, russ. nuždá (нужда) ‘Not Armut, Elend’ auf eine Wurzel ie. *nāu-, *nəu-, *nū- ‘Tod, Leiche’, verbal ‘bis zur Erschöpfung abquälen, ermattet zusammensinken’. nötig Adj. ‘dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig’, ahd. nōtag, nōtīg ‘in Not, bedrängt’ (9. Jh.), mhd. nōtec, nōtic, nœtic ‘Not habend, bedrängt, dürftig, notwendig, dringend, eilig’. nötigen Vb. ‘jmdn. auffordern, dringend bitten, etw. zu tun’, in der Rechtssprache ‘jmdn. mit Gewalt oder Drohung dazu bringen, etw. zu tun, zu dulden oder zu unterlassen’, ahd. nōtagōn (um 1000), mhd. nōtegen, nōtigen, auch ‘notzüchtigen’, neben gleichbed. frühnhd. nöten, ahd. nōten ‘Gewalt, Zwang antun, drängen’ (8. Jh.); vgl. asächs. nōdian, aengl. nīedan, anord. neyða, got. nauþjan ‘zwingen’. Nötigung f. ‘das Genötigtwerden, Zwang’, ahd. nōtigunga (um 1000), frühnhd. notigung (15. Jh.). Notbehelf m. ‘notdürftiger Behelf, unzureichendes Ersatzmittel’ (Anfang 18. Jh.). Notdurft f. ‘Ausscheidung aus Darm und Blase’, älter ‘zum Leben Nötiges’, heute nur noch in der Wendung seine Notdurft verrichten ‘Darm und Blase entleeren’ (17. Jh.), vgl. mhd. sīne nōtdurft tuon. Ahd. nōtthurft (8. Jh.), mhd. nōtdurft ‘Notwendigkeit, Not, (natürliches) Bedürfnis, Bedarf an notwendigen Dingen (zum Lebensunterhalt)’, asächs. nōdthurft ‘Notwendigkeit, Bedarf an notwendigen Dingen, zwingendes Bedürfnis’, mnl. nootdorft, nl. nooddruft, afries. nēdthreft, got. naudiþaúrfts, zusammengesetzt mit dem schwundstufigen ti-Abstraktum ahd. thurft, mhd. durft, got. þaúrfts ‘Bedürfnis’ (germ. *þurfti-, s. ↗dürftig); notdürftig Adj. ‘nicht befriedigend, behelfsmäßig, nur knapp ausreichend’, mhd. nōtdürftic ‘nötig, notwendig, bedürftig’; Notdürftigkeit f. mhd. nōtdürfticheit ‘Notwendigkeit, Bedürfnis, Erfordernis’, eigentlich ‘was man notwendig braucht’. notgedrungen Adj. ‘aus dringender Notwendigkeit gezwungen, weil es nicht anders geht’ (18. Jh.), eigentlich Part. Prät. von veraltetem notdringen ‘mit Not drängen, nötigen, zwingen’. Notlüge f. ‘durch Not erzwungene Lüge mit dem Ziel, Schaden zu verhindern oder einer Verlegenheit zu entgehen’ (Ende 16. Jh.). Notnagel m. ‘Ersatz, Aushilfe, Lückenbüßer’ (Anfang 18. Jh.). Notpfennig m. ‘für Zeiten der Not aufgespartes Geld’ (17. Jh.). Notstand m. ‘Zustand der Not, der Bedrängnis, gefahrdrohender Zustand’ (17. Jh.). Notwehr f. ‘von einem akuten Notfall erzwungene Verteidigung’ (gegen körperlichen Angriff), mhd. nōtwer. notwendig Adj. ‘nötig, unbedingt erforderlich’, eigentlich ‘geeignet, die Not zu wenden’ (1. Hälfte 16. Jh.), und (nur in älterer Sprache) ‘notgedrungen, sehr dringend, unaufschiebbar’, eigentlich ‘durch Not hervorgebracht’ (ebenfalls 1. Hälfte 16. Jh.); daraus ‘in der Natur der Sache liegend, unvermeidbar’ (18. Jh.), vgl. notwendige Konsequenz; dazu Notwendigkeit f. (16. Jh.). Notzucht f. ‘Vergewaltigung’ (16. Jh.), Rückbildung aus mhd. (rhein.) nōtzühten, das eigentlich wie ahd. nōtzogōn (10. Jh.), mhd. nōtzogen ‘mit Zwang (Not) eine Frau fortziehen, eine Frau rauben’ bedeutet; notzüchtigen Vb. ‘eine Frau vergewaltigen’, mhd. nōtzühtigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
benötigt · ↗erforderlich · ↗notwendig · nötig · ↗obligat · ↗obligatorisch · ↗unabdingbar · ↗unvermeidlich · ↗vonnöten · vorgeschrieben · ↗zwingend  ●  mandatorisch  selten
Assoziationen
Synonymgruppe
erforderlich · geboten · ↗notwendig · nötig · ↗unabweisbar · ↗unausweichlich · ↗unbedingt · ↗unentbehrlich · ↗unerlässlich · ↗unvermeidlich · ↗wesentlich · ↗zwingend · zwingend geboten  ●  (eine) conditio sine qua non  geh., lat. · unbedingt nötig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstrengung Distanz Geld Infrastruktur Investition Kapital Kleingeld Know-how Maßnahme Mehrheit Mittel Reform Respekt Ruhe Selbstvertrauen Umbau Unterschrift Zustimmung Zwei-Drittel-Mehrheit Zweidrittelmehrheit dafür dringend eigentlich gar mehr nicht unbedingt wohl Änderung überhaupt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nötig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zudem sei eine Kontrolle nötig, ob mit der Förderung die wirtschaftspolitischen Ziele erreicht werden.
Die Zeit, 06.11.2013 (online)
Falls nötig werde man auch eine neue Verfassung ausarbeiten müssen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1985]
Aber im Japan der dreißiger Jahre war Organisation auch kaum nötig.
Langer, Paul F.: Japan zwischen den Kriegen. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14760
Es ist nicht nötig, alle Argumente der beiden Teile vorzulesen.
o. A.: Siebenunddreißigster Tag. Freitag, 18. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 20620
Nötig ist für uns alle eine tadellose Haltung in diesem Raum.
o. A.: Rechenschaftsbericht an Reichsminister Rosenberg in Kiew, 06.06.1943
Zitationshilfe
„nötig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nötig>, abgerufen am 18.06.2019.

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