nachdenken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungnach-den-ken (computergeneriert)
Wortzerlegungnach-denken
Wortbildung mit ›nachdenken‹ als Erstglied: ↗nachdenklich
eWDG, 1974

Bedeutung

über etw. nachdenkensich im Stillen über etw. klar zu werden suchen, etw. gründlich überlegen, erwägen
Beispiele:
darüber muss ich erst nachdenken
denkʼ nur mal scharf, angestrengt, gründlich nach!
bei einigem Nachdenken hättest du selbst darauf kommen können
er war in tiefes Nachdenken versunken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

denken · gedenken · nachdenken · nachdenklich · verdenken · Denker · Denkzettel
denken Vb. ‘geistig arbeiten, überlegen’, ahd. thenken (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. denken, asächs. thenkian, afries. thanka, aengl. þencan, engl. to think, anord. þekkja (‘wahrnehmen, erkennen’), aschwed. þækkia, got. þagkjan. Das germ. jan-Verb (germ. *þankjan) steht als Kausativum im Ablaut (wie ↗Dank, ↗Gedanke, s. d.) zu einem Verb, das sich in ↗dünken (s. d.) fortsetzt. Es findet eine sichere außergerm. Entsprechung in lat. tongēre ‘kennen, wissen’ und kann mit diesem auf eine Wurzelform ie. *teng-, *tong- ‘denken, fühlen’ zurückgeführt werden. Das Prät. dachte und das Part. Prät. gedacht (beide mit Kürzung des Stammvokals) sind durch Ausfall von -n- und Ersatzdehnung entstanden (ahd. thāhta, githāht, mhd. dāhte, gedāht, aus germ. *þanht-). gedenken Vb. ‘an jmdn., etw. zurückdenken, sich erinnern, beabsichtigen’, ahd. githenken ‘an etw. denken’ (um 800), mhd. gedenken, auch ‘ausdenken, bestimmen, eingedenk sein, sich erinnern’, heute besonders einer Sache, eines Menschen gedenken sowie gedenken, etw. zu tun. nachdenken Vb. ‘eine Sache gründlich durchdenken, überlegen, erwägen’, (selten) ‘etw. in Gedanken nachvollziehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. denken nāch ‘mit Gedanken nachfolgen, zurückdenken an’; nachdenklich Adj. ‘zu Überlegungen neigend, in Gedanken versunken, zum Nachdenken anregend’ (Mitte 17. Jh.). verdenken Vb. ‘übelnehmen, verübeln, verargen’ (meist verneint und in Verbindung mit können), ahd. firthenken ‘verachten, geringschätzen’ (8. Jh.), mhd. verdenken ‘(zu Ende) denken, erwägen, sich erinnern, Übles von jmdm. denken, jmdn. in Verdacht haben, verargen’ (s. ↗Verdacht). Denker m. ‘Philosoph’ (1. Hälfte 18. Jh. nach engl. thinker); vgl. vereinzeltes ahd. thenkāri (11. Jh.). Denkzettel m. ‘Merkzettel als Gedächtnishilfe’, übertragen ‘eindringliche Lehre in Form eines Verweises, einer Bestrafung’ (16. Jh.), vgl. rechtssprachliches mnd. denksed(d)del, -cēdel ‘Urkunde, Vorladung, Merkblatt’. Frühnhd. auch Gedenkzedele, -zettul (16. Jh.). S. ↗Zettel.

Thesaurus

Synonymgruppe
(angestrengt) nachdenken · (sich) das Hirn zermartern · ↗grübeln  ●  (sich) den Kopf zerbrechen  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) reflektieren · (in Ruhe) nachdenken (über) · ↗(sich etwas) bewusst machen · ↗(sich mit etwas) auseinandersetzen · (sich über etwas) Gedanken machen · ↗bedenken · ↗grübeln · ↗nachgrübeln · ↗nachsinnen · ↗sinnieren (über) · ↗überdenken · ↗überlegen  ●  (sich etwas) durch den Kopf gehen lassen  ugs. · ↗klamüsern  ugs. · ↗reflektieren  geh.
Assoziationen
  • (eine) Erinnerung (in sich) wachrufen · (sich) (wieder) in Erinnerung rufen · (sich) (wieder) ins Gedächtnis rufen · (sich) ins Gedächtnis zurückrufen · ↗(sich) zurückerinnern · (wieder) in sich wachrufen · in (seinen) Erinnerungen kramen · in sich gehen  ●  ↗reminiszieren  selten · ↗(sich) zurückbesinnen  geh. · (wieder) vor seinem geistigen Auge entstehen lassen  geh. · ↗memorieren  geh., selten
  • (sich) erkundigen · ↗(sich) informieren · (sich) kundig machen · (sich) sachkundig machen  ●  (sich) schlaumachen  ugs.
  • (etwas) nicht aus dem Kopf bekommen · immer wieder denken müssen (an) · ständig an etwas denken müssen · von dem Gedanken nicht loskommen (dass / zu)  ●  Zwangsgedanken haben  fachspr., medizinisch
Synonymgruppe
(einen) Monolog führen · nachdenken · ↗philosophieren  ●  Selbstgespräche führen  ugs. · laut nachdenken  ugs. · mit sich selbst reden  ugs.
Assoziationen
  • vor sich hinbrabbeln  ●  (etwas) in seinen Bart grummeln  variabel · (sich etwas) in den nicht vorhandenen Bart murmeln  fig., scherzhaft, variabel
Synonymgruppe
(seinen) Verstand benutzen · denken · nachdenken · ↗überlegen  ●  (seine) Gehirnzellen anstrengen  ugs.
Unterbegriffe
  • auslegen · ↗deuteln · ↗deuten · ↗interpretieren
  • anders denken  ●  gegen den Strich denken  ugs. · um die Ecke denken  ugs.
  • (die Dinge) anders sehen · eine neue Sichtweise entwickeln · in eine andere Richtung denken · neu ansetzen · neu durchdenken · ↗umdenken · ↗überdenken
Assoziationen
Synonymgruppe
bedenken · ↗betrachten · denken · ↗durchdenken · ↗erwägen · nachdenken · ↗reflektieren · ↗studieren · ↗ventilieren · ↗überdenken · ↗überlegen  ●  ↗ausklügeln  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) verarbeiten · (in Ruhe) nachdenken (über) · umgehen lernen (mit)  ●  ↗verdauen  fig. · (in Ruhe) auf sich wirken lassen  geh. · darüber schlafen  ugs., fig. · sacken lassen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (etwas) erwägen · (etwas) mit sich herumtragen · (sich etwas) vorstellen können · daran denken (zu) · darüber nachdenken (zu) · denken an · in Erwägung ziehen · liebäugeln mit  ●  (etwas / jemanden) im Auge haben (bei)  fig. · (sich) mit dem Gedanken tragen  ugs. · mit dem Gedanken spielen  ugs. · schwanger gehen mit  geh.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · ↗(sich) fügen · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · ↗(sich) dareinfinden  geh., veraltet · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • (sich) etwas (gut) merken · (sich) etwas gesagt sein lassen · nicht vergessen  ●  (sich) etwas hinter die Ohren schreiben  fig. · Lehre annehmen  veraltend · gut aufpassen  fig. · (sich) etwas hinter die Löffel schreiben  ugs., salopp, fig. · immer (schön) daran denken  ugs., floskelhaft
Synonymgruppe
(etwas) erwägen · (etwas) in Erwägung ziehen · ↗(sich) überlegen · denken (an) · nachdenken (über) · Überlegungen anstellen (+ indirekte Frage / + zu + Infinitiv)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alternative Ding Einführung Konsequenz Möglichkeit Ruhe Rücktritt Rückzug Wechsel Weile Zukunft bereits dann darüber denken deshalb drüber einmal ernsthaft gründlich ich intensiv jetzt lange laut mal viel vielleicht wir Änderung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nachdenken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wenn nicht just in diesem Moment mein Bus gekommen wäre, hätte ich mir sicherlich die Freiheit genommen, darüber nachzudenken.
Die Zeit, 28.06.2013, Nr. 27
Sie denken denn doch nicht daran, über irgend etwas nachzudenken.
Der Spiegel, 19.10.1987
Und über den weiteren Weg des Kaffees braucht man gar nicht nachzudenken.
o. A.: Die grosse Welt der Getränke, Hamburg: Tschibo Frisch-Röst-Kaffee Max Herz 1977, S. 259
Sie dachte noch über meinen Namen nach, und wir sprachen darüber.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Herrn Dames Aufzeichnungen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 8384
Man denkt auch in diesem Stadium viel mehr über die Schrecken des Älterwerdens nach.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Von Paul zu Pedro. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 10969
Zitationshilfe
„nachdenken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nachdenken>, abgerufen am 15.12.2019.

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