nachholen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungnach-ho-len
Wortzerlegungnach-holen
Wortbildung mit ›nachholen‹ als Erstglied: ↗Nachholbedarf · ↗Nachholespiel · ↗Nachholspiel
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw. Versäumtes nachträglich erledigen, aufholen
Beispiele:
ein Versäumnis, Schlaf, versäumte Arbeitszeit nachholen
durch die lange Krankheit hat das Kind viel Unterrichtsstoff nachzuholen
er hat in Abendkursen das Abitur nachgeholt
2.
einen Zurückgebliebenen, etw. Zurückgelassenes nachträglich holen
Beispiel:
man mußte ein zweites Mal [über die Spree] übersetzen, um die Frau und das Kind nachzuholen [G. Hauptm.Bahnw. Thiel4,59]
3.
umgangssprachlich
siehe auch nachbekommen (Lesart 1)
Beispiel:
ich hole mir noch eine Portion Essen nach
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

holen · erholen · Erholung · nachholen · überholen · überholt
holen Vb. ‘hingehen und etw. herbringen, herbeischaffen, jmdn. veranlassen, bitten zu kommen’, reflexiv ‘sich etw. Schlimmes zuziehen’, ahd. halōn, (seltener) holōn (8. Jh.), holēn (9. Jh.), mhd. hol(e)n, (seltener) haln ‘herbeirufen, herbeibringen, erreichen, erwerben und mit sich fortführen’, asächs. halon ‘holen, ziehen, bringen’, mnd. mnl. hālen, nl. halen ‘holen, ziehen’, aengl. geholian ‘bekommen, erhalten’. Die Herkunft der (untereinander ablautenden) westgerm. Verbformen ist nicht sicher geklärt. Man verbindet sie gewöhnlich mit griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘rufen, nennen, herbeirufen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’ und stellt sie in Sinne von ‘(herbei)rufen’ bzw. ‘rufen beim gemeinschaftlichen Ziehen’ zu der unter ↗hell (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. auch ↗Hall). Oder man geht von einer Grundbedeutung ‘ziehen, mit Anstrengung herbeischaffen’ aus, vergleicht griech. kálōs (κάλως) ‘Seil, Tau, Kabel’ (das Frisk 1, 770 allerdings als technisches Fremdwort fernhalten will) und setzt eine Wurzel ie. *kal- ‘ziehen’ voraus; vgl. Mansion in: PBB 33 (1908) 547 ff. erholen Vb. reflexiv ‘sein Wohlbefinden wiedererlangen, wieder zu Kräften kommen, gesund werden, ausspannen’, ahd. irholōn (9. Jh.), irhalōn (10. Jh.) ‘herbeiholen, (Geld) einfordern’, mhd. erholn ‘einbringen, erwerben, Versäumtes nachholen, erfrischen’, reflexiv ‘sich erholen, ein Versäumnis gutmachen, sich anders besinnen’; Erholung f. (15. Jh.). nachholen Vb. ‘nachträglich holen, Versäumtes nachträglich erledigen, nacharbeiten’ (17. Jh.). überholen Vb. in unfester Zusammensetzung ‘herüberholen, übersetzen, ans andere Ufer befördern’, besonders im Ruf nach dem Fährmann hol’ über!, mhd. überholn (s. ↗hallo); in fester Zusammensetzung ‘einholen und hinter sich lassen, an Geschwindigkeit übertreffen’ (16. Jh.), übertragen ‘in der Leistung übertreffen’, in der Technik ‘(Maschine, Fahrzeug) auf Fehler durchsehen, prüfen, Mängel beseitigen, ausbessern’, zuerst in der Seemannssprache (als Übersetzung von engl. to overhaul) ‘gründlich nachsehen und instand setzen’ (um 1870); vgl. Generalüberholung (20. Jh.); überholt Part.adj. ‘veraltet’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
nachholen · später holen
Synonymgruppe
aufarbeiten · ↗nacharbeiten · nachholen · später erledigen  ●  später machen  ugs., variabel
Assoziationen
  • auf einen späteren Termin (ver)legen · auf später verschieben · auf später vertagen · nach hinten schieben · nach hinten verlegen · ↗verschieben · ↗zurückstellen (bis zum)  ●  ↗schieben  ugs., salopp, Jargon

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendgymnasium Abendkurs Abendschule Abi Abitur Bildungsweg Eiltempo Examen Fachabitur Fachhochschulereif Feier Hauptschulabschluß Matura Partie Punktspiel Realschulabschluss Reife Rentenkürzunge Schlaf Schulabschluss Springen Super-G Verspätung Versäumnis Versäumte Zeitraffer bald holen jetzt schleunig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nachholen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da ich noch keine Kinder habe, möchte ich das jetzt unbedingt nachholen.
Bild, 27.08.2003
Sobald ich etwas für uns gefunden habe, hole ich euch alle nach.
Der Tagesspiegel, 31.08.1999
Was aber bei einer Frau zu spät ist, kann man mit der Kamera immer noch nachholen.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 284
Das will ich aber, wenn Sie es später noch erlauben, nachholen.
Tucholsky, Kurt: An Marierose Fuchs, 17.12.1929. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 9778
Zunächst haben wir die Berechnung der bestimmten Integrale (177) nachzuholen.
Planck, Max: Einführung in die Theoretische Optik, Leipzig: Hirzel 1927, S. 77
Zitationshilfe
„nachholen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nachholen>, abgerufen am 25.08.2019.

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