nackt

GrammatikAdjektiv
Wortbildung mit ›nackt‹ als Erstglied: ↗Nackfrosch · ↗Nacktbaden · ↗Nacktfoto · ↗Nacktfrosch · ↗Nackthund · ↗Nacktkultur · ↗Nacktmull · ↗Nacktsamer · ↗Nacktscanner · ↗Nacktschnecke · ↗Nacktszene · ↗Nackttänzerin
 ·  mit ›nackt‹ als Letztglied: ↗halbnackt
eWDG, 1974

Bedeutung

unbekleidet
Beispiele:
nackte Arme, Beine, Füße
er arbeitete mit nacktem Oberkörper
ein nackter Mensch, Körper
nackt sein, baden
sich nackt ausziehen
die Darstellung des Nackten in der Kunst
das Kind lag nackt und bloß da
Auf die Erde voller kaltem Wind / Kamt ihr alle als ein nacktes Kind [BrechtGedichte32]
bildlich
Beispiel:
Wally wird sich schon darum kümmern, daß sie nicht nackt und bloß (= nicht mittellos) in die Ehe tritt [WeiskopfAbschied v. Frieden1,629]
kahl
Beispiele:
die nackten Wände einer Kerkerzelle
nackte Felsen
der Wirt, dessen nackter Schädel hinter der Theke fahl glänzte [NellFischer52]
An nackten Zweigen schwirrt da und dort noch ein dürres Blatt [FusseneggerAntlitz8]
bloß, blank
Beispiele:
auf der nackten Erde (= ohne Unterlage) schlafen
mit dem nackten Säbel kämpfen
Aber in jener Zeit werden gepriesen werden / Die auf dem nackten Boden saßen, zu schreiben [BrechtGedichte178]
diese Menschen haben mit nackten Fäusten die Kasernen von Madrid erstürmt [BredelEnkel238]
im Licht einer nackten elektrischen Birne [S. LenzZeit6]
übertragen unverhüllt, ungeschminkt
Beispiele:
das sind die nackten Tatsachen
die nackte Wahrheit sagen
die nackte Wirklichkeit nicht sehen wollen
die nackte Not, Armut
das nackte Entsetzen packte ihn
in seinen Augen stand die nackte Angst
nackte Gier, Habsucht, nackter Egoismus zeigte sich in seinen Handlungen
nackte Gewalt anwenden
während unten die zerfransten Hosen und oben der abgestoßene Rock das nackte Elend durchschimmern ließen [St. ZweigNovellen1,151]
nüchtern
Beispiele:
etw. mit nackten Worten sagen
Die Phänomene, die Mesmer vorweist, erscheinen mit nackter Vernunft nicht erklärbar [St. ZweigHeilung27]
abgeblasst   nichts als
Beispiele:
sie konnten nur das nackte Leben retten
um das nackte Leben, die nackte Existenz kämpfen, ringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nackend · nackt · Nackedei
nackend, nackt Adj. ‘unbekleidet, bloß’, ahd. nackot (um 800), mhd. nacket ‘unbekleidet, entblößt’, auch ‘ledig, frei von’, mnd. nāket, mnl. nāket, naect, nl. naakt, afries. naked, aengl. nacod, næcad, engl. naked, anord. nøk(k)viðr, got. naqaþs (germ. *nakwada-) ist (mit Mittelsilbenvokal) wohl wie air. nocht, kymr. noeth ein mit to-Suffix gebildetes Adjektiv zu ie. *nogu̯- ‘nackt’, das (ohne Dentalsuffix) in anord. nøkkva ‘entblößen’ und (dehnstufig) in lit. núogas, aslaw. nagъ, russ. nagój (нагой) ‘nackt’ auftritt. Eine andere Dentalableitung (ie. *nogu̯edh- oder *nogu̯odh-) liegt vor in lat. nūdus, während mit n-Suffix aind. nagnáḥ, griech. (mit ungeklärter Entwicklung des Anlauts) gymnós (γυμνός) ‘nackt’ und (als n-Partizipien?) mhd. (md.) nacken, afries. westfläm. mnd. nāken, anord. nakinn gebildet sind. Die Nebenform nhd. nackend, mhd. nackent (entsprechend mnd. nākent, mnl. nakent, nl. nakend) kann als Kontamination aus mhd. nacket und nacken aufgefaßt werden, ist aber wohl eher eine Bildung mit Nasalinfix. Vgl. auch landschaftlich weitergebildetes nackig (neben nackicht, 17. Jh.), mhd. nackic. nackt wird zunächst vor allem auf den unbekleideten Körper des Menschen bezogen, dann auch von Gegenständen im Sinne von ‘unbedeckt, bloß, kahl’ (nacktes Schwert, nackte Stelle, nackter Boden) verwendet und tritt häufig als ‘unverhüllt, ungeschminkt’ neben abstrakte Begriffe (nackte Wahrheit, nackter Haß). Nackedei m. ‘nacktes Kind’ (19. Jh. in nordd. Kindersprache), dann auch (scherzhaft) ‘nackte Person’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
blank · ↗bloß · ↗kahl · nackt · ↗offen · ↗unverhüllt
Synonymgruppe
ausgezogen · ↗blank · entblättert · entblößt · enthüllt · entkleidet · ↗hüllenlos · mit bloßer Haut · nichts anhaben · ↗textilfrei · ↗unbekleidet  ●  im Adamskostüm  männl. · im Evakostüm  weibl. · im Evaskostüm  weibl. · im Naturzustand  scherzhaft · ↗nackend  regional · nackt  Hauptform · wie Gott ihn schuf  männl. · wie Gott sie schuf  weibl. · barfuß bis zum Hals  ugs. · nackert  ugs., süddt. · nackicht  ugs. · ↗nackig  ugs. · ↗pudelnackt  ugs. · ↗splitterfasernackt  ugs. · ↗splitternackt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
nackt · ↗unverblümt · ↗unverhüllt
Synonymgruppe
bar · ↗blank · ↗bloß · ↗frei · nackt · ↗ohne

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauch Bein Beton Brust Busen Existenz Fels Fleisch Frauenkörper Fuß Glühbirne Haut Hintern Hinterteil Jüngling Kanone Körper Leib Leiche Oberkörper Po Schulter Tatsache Wahnsinn Wahrheit ausziehen baden dastehen posieren Überleben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nackt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich es nicht dabei habe, dann fühle ich mich sehr nackt.
Die Zeit, 03.08.2009, Nr. 31
Nur wer absolut nackt ist, kriegt sein Geld zum Überleben.
Bild, 20.07.2004
Da rafft man sich schon auf, auch einmal nackt zu sein.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 67
Er schob ihm das Blatt der nackten Frau zu, das er selber gezeichnet hatte.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 44
Sie sieht auf ihre kleine goldene Uhr am nackten braungebrannten Arm.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 32
Zitationshilfe
„nackt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nackt>, abgerufen am 19.07.2019.

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