Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

nagen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung na-gen (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›nagen‹ als Erstglied: Nager · Nagetier · Nagezahn
 ·  mit ›nagen‹ als Letztglied: abnagen · annagen · durchnagen · herunternagen · wegnagen

Bedeutungsübersicht+

  1. sehr kleine Stücke wiederholt von etw. abbeißen
    1. [bildlich] ...
    2. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutung

sehr kleine Stücke wiederholt von etw. abbeißen
Beispiele:
die Maus, eine Ratte hat am Brot genagt
der Hund nagte an einem Knochen
die Hasen haben die Rinde von den Bäumen genagt
er nagte (= biss) an der Unterlippe
bildlich
Beispiel:
die Brandung nagt am Ufer, an der Küste
übertragen
Beispiele:
saloppam Hungertuch nagen (= Hunger leiden, darben)
der Hunger nagte ihm in den Eingeweiden
nagender Hunger quälte ihn
gehobeneine schleichende Krankheit nagt an seiner Gesundheit
gehobenIch, die den Tod seit Jahren fühle / Sich langsam nagend bis ans Herz [ Droste-Hülsh.618]
etw. nagt an jmdm.etw. quält, peinigt jmdn. anhaltend
Beispiele:
der Kummer nagt an ihm, an seinem Herzen
Sorgen nagen an seiner Ruhe
leise Zweifel nagten an ihm
nagende Reue fühlen
Etzel ging tagelang mit nagenden Skrupeln herum [ Wasserm.Maurizius113]
Zu dieser Fürsprache hatte den Obersten Jenatsch wohl ein nagender Gewissensbiß getrieben [ C. F. MeyerJenatsch1,134]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nagen · Nager · Nagetier · Gnagi
nagen Vb. ‘kleine Stücke abbeißen, zerstörend wirken’. Das ehemals starke Verb ahd. gnagan (9. Jh.), nagan (11. Jh.; binagan, 9. Jh.), mhd. nagen, asächs. gnagan, mnd. gnāgen, aengl. gnagan, engl. to gnaw, anord. schwed. gnaga (germ. *gnagan) führt mit awest. aiwiγnixta- ‘angenagt, angefressen’, lett. gŋēga ‘wer mit langen Zähnen ißt’ auf eine Gutturalerweiterung der (nur in Erweiterungen auftretenden) Wurzel ie. *ghen- ‘zernagen, zerreiben, kratzen’ (s. auch Gnitte, Nisse). Daneben stehen Formen mit anlautendem k- in asächs. knagan (11. Jh.), mnd. knāgen, mnl. cnāghen, nl. knagen, die entweder eine parallele Wurzel ie. *gen- voraussetzen oder aus einem jüngeren, sich im Germ. vollziehenden affektisch bedingten Anlautwechsel zu erklären sind. Im Frühnhd. geht das Verb zur schwachen Flexion über. In jüngerer Sprache häufig in bildlichen Verwendungen wie Kummer nagt an ihm, nagender Schmerz, Zweifel. Nager m. ‘Nagender, Säugetier mit Nagezähnen’ (17. Jh.). In zoologischer Fachsprache Nagetier n. (18. Jh.). Gnagi n. schweiz. gepökelter Schweinsknochen, Haxe, Eisbein (19. Jh.), eigentlich Genage ‘(Knochen) zum Abnagen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abnagen · kauen · nagen  ●  fletschern  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
knabbern · knuspern · nagen  ●  mummeln  ugs. · mümmeln  ugs. · schnurpseln  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›nagen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nagen‹.

Verwendungsbeispiele für ›nagen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Überall Hunger, von dem ihr wortspielend sagtet, er sei nagend. [Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 176]
Doch der ständige Druck, immer etwas vortäuschen zu müssen, immer Geschichten parat haben zu müssen, nagte an ihm. [Die Zeit, 06.12.2010, Nr. 49]
Doch der unerbittliche Zahn der Zeit nagt bereits an diesem. [Die Zeit, 02.03.2009, Nr. 09]
In mir nagt das Bewußtsein, die Berge betrogen zu haben. [Die Zeit, 10.02.1992, Nr. 06]
Der Prozess nagt an ihnen, man sieht es ihnen an. [Süddeutsche Zeitung, 11.01.2003]
Zitationshilfe
„nagen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nagen>.

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