nah

GrammatikAdjektiv · Komparativ: näher · Superlativ: am nächsten
Nebenform nahe · Adjektiv · Komparativ: näher · Superlativ: am nächsten
Worttrennungnah · na-he
Wortbildung mit ›nah‹ als Erstglied: ↗Nahaufnahme · ↗Nahbeben · ↗Naherholung · ↗Nahkampf · ↗Nahkämpfer · ↗Nahost · ↗Nahschnellzug · ↗Nahschuss · ↗Nahtod · ↗Nahtransport · ↗Nahverkehr · ↗Nahziel · ↗nahebei · ↗nahebringen · ↗nahegehen · ↗nahekommen · ↗nahelegen · ↗naheliegen · ↗nahestehen · ↗nahetreten · ↗nahezu
 ·  mit ›nah‹ als Letztglied: ↗betriebsnah · ↗bodennah · ↗bodennahe · ↗bürgernah · ↗citynah · ↗erdnah · ↗gegenwartsnah · ↗gewerkschaftsnah · ↗grenznah · ↗griffnah · ↗hafennah · ↗halsnah · ↗halsnahe · ↗haushaltsnah · ↗hautnah · ↗herznah · ↗industrienah · ↗konsumnah · ↗kundennah · ↗körpernah · ↗küstennah · ↗lebensnah · ↗lesernah · ↗marktnah · ↗maschinennah · ↗naturnah · ↗naturnahe · ↗oberflächennah · ↗ortsnah · ↗parteinah · ↗praxisnah · ↗realitätsnah · ↗regierungsnah · ↗sonnennah · ↗staatsnah · ↗stadtnah · ↗systemnah · ↗unternehmensnah · ↗volksnah · ↗wirklichkeitsnah · ↗wirklichkeitsnahe · ↗wirtschaftsnah · ↗wohnortnah · ↗zeitnah · ↗zentrumsnah
 ·  mit ›nah‹ als Grundform: ↗nächst · ↗näher
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
räumlich nicht weit weg
Gegenwort zu fern
Beispiele:
die nahe Stadt
der nahe See, Wald
aus der näheren (und ferneren) Umgebung kommen
der Nahe Osten (= die Staaten Türkei, Libanon, Israel, Jordanien, Syrien, Ägypten und Zypern)
etw. aus nächster Nähe, von Nahem betrachten
das nächste Dorf ist zehn Kilometer von hier entfernt
umgangssprachlich dieser Weg ist näher (= dieser Weg ist kürzer)
umgangssprachlich der nächste Weg (= der kürzeste Weg)
du kannst ganz nah herangehen
bitte nicht zu nah herankommen
bitte kommen, treten Sie näher!
er sitzt mir am nächsten
von nah und fern, von fern und nah kamen die Besucher
nah beieinander
nah dabei stand eine alte Eiche
ein nah liegendes, nah/nahe gelegenes Dorf
wir sahen den Gipfel zum Greifen nah vor uns
der Wald reicht bis nah an die Stadt heran
das Haus liegt nah am, beim Bahnhof
der Stuhl steht zu nah am Ofen
präpositional, mit Dat.
Beispiele:
das Theater liegt nah dem Rathaus
wir wohnen nah der Kirche
bildlich
Beispiel:
jmdm. zu nah kommen (= jmdn. berühren wollen) (= jmdn. bedrohen)
jmdm. zu nah tretenjmdn. verletzen, kränken
Beispiel:
ich wollte Ihnen nicht zu nah treten
2.
zeitlich nicht weit weg
Gegenwort zu fern
a)
nicht weit in der Zukunft liegend, bald bevorstehend
Beispiele:
in naher Zukunft
etw. steht nah bevor
der Tag ist nah, an dem ...
der nahe Abschied
das nahe Ende
Hilfe, Rettung ist nah
der Frühling ist nah
umgangssprachlich er muss doch nah an die Sechzig sein (= bald sechzig Jahre alt sein)
Er weiß, daß die Tage in Genf seine nächste Zukunft und vielleicht sein ganzes Leben entscheiden können [St. ZweigBalzac278]
b)
selten nicht weit in der Vergangenheit liegend
Beispiel:
Wie kann das sein, daß diese nahen Tage / Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen [Hofmannsth.Gedichte19]
3.
übertragen
a)
eng, vertraut
Beispiele:
alle nahen Freunde, Mitarbeiter kamen
nur die näheren, nächsten Verwandten waren eingeladen
er ist ein naher Angehöriger des Verunglückten
in naher Beziehung, Geschäftsverbindung mit jmdm. stehen
zu jmdm. nähere Beziehungen haben, unterhalten
jmds. nähere Bekanntschaft machen
mit Dat.
Beispiele:
er ist mir innerlich, geistig nah
Wie Nahe! Wie gut waren wir uns, dieser / Guten Sache ! [BrechtMutter9]
b)
einer Sache nah
nah daran sein
kurz vor etw. sein, stehen
Beispiele:
sie war einer Ohnmacht, der Verzweiflung, dem Tode nah
sie war den Tränen nah
dem Weinen näher sein als dem Lachen
ich war nah daran, ihm alles zu sagen, ihr das Geheimnis anzuvertrauen
er war nah daran, aufzustehen und zu gehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter ↗an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter ↗Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit ↗genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme ↗hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nachbar... · angrenzend · ↗anliegend · ↗bei · ↗benachbart · ↗daneben · in der Umgebung (von) · nahe · ↗neben
Assoziationen
Synonymgruppe
auf den Fuß (folgen) · in der Nähe · nah · nahe · nahe daran · ↗nahebei · ↗unweit (von)  ●  auf Tuchfühlung  ugs.
Assoziationen
  • fußläufig · in Gehnähe · zu Fuß erreichbar · zu Fuß zu erreichen  ●  nur wenige Schritte  ugs. · um die Ecke  ugs.
  • ganz nah · in Reichweite · in geringer Entfernung · in nächster Nähe · leicht erreichbar · ↗nahebei · nicht weit von hier · nur ein paar Schritte von hier entfernt · ↗unweit  ●  (gleich) da vorne  ugs. · (gleich) um die Ecke  ugs. · (nur ein) kurzes Stück zu laufen  ugs. · (nur eine) kurze Strecke zu laufen  ugs. · (nur) ein Katzensprung (von hier)  ugs., fig. · (nur) einen Katzensprung entfernt  ugs., fig. · (nur) einen Steinwurf entfernt  ugs., fig. · (nur) einen Steinwurf weit  ugs., fig. · da kannste hinspucken  ugs. · ganz in der Nähe  ugs. · gleich hier  ugs. · hier irgendwo  ugs. · irgendwo hier  ugs. · muss hier irgendwo sein  ugs. · nicht weit weg  ugs. · nur ein paar Schritte von hier  ugs. · nur ein paar Schritte von hier zu laufen  ugs.
  • Nähe · nahe Umgebung
  • Nahesein · ↗Nähe
Antonyme
  • weit weg
Synonymgruppe
(sehr) nah · ↗eng · ↗innig · ↗intim
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Betrachtung Bundestagswahl Frühjahr Generation Hinsehen Information Jahr Jahrhundert Jahrtausend Jahrzehnt Legislaturperiode Mal Monat Morgen Nähe Osten Runde Saison Schritt Sitzung Sommer Spiel Stufe Tag Umgebung Wahl Woche Zeit Zukunft rücken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nah‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Irgendwo kündigt sich ein Gott an, und er kommt näher.
Die Zeit, 23.03.2000, Nr. 13
Bei näherem Hinsehen gehen einem die Augen über, wohin wir in den letzten 25 Jahren gekommen sind.
konkret, 1982
Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, darauf näher einzugehen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 55
Und dann nah an der Bahn gelegen, Züge fahren bis tief in die Nacht.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 220
Fast ohne es zu wissen, drückte ich mich immer näher heran.
Zweig, Stefan: Schachnovelle, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1961 [1943], S. 52
Zitationshilfe
„nah“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nah>, abgerufen am 18.06.2019.

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