Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

nahen

Grammatik Verb · naht, nahte, ist/hat genaht
Aussprache 
Worttrennung na-hen
Wortbildung  mit ›nahen‹ als Erstglied: nahbar  ·  mit ›nahen‹ als Letztglied: herannahen

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ...
    1. 1. näher kommen
    2. 2. sich jmdm., einer Sache nähern
eWDG

Bedeutung

gehoben
1.
näher kommen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Sommer, Abend, die Dämmerung naht
die Stunde, der Augenblick naht, wo …
das Ende naht unaufhaltsam
der Abschied nahte
ich höre ihn nahen
das Unglück, Verderben nahen sehen
es naht Gefahr
das Geräusch nahender Schritte
ein nahendes Gewitter
2.
sich jmdm., einer Sache nähern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er nahte sich ihm mit einer Bitte
der Sommer naht sich seinem Ende
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten [ GoetheFaustZueignung]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nähen · Naht · Näherin · Nähmaschine
nähen Vb. ‘(Stoff)teile mit Stichen verbinden, schneidern’, ahd. nāen (9. Jh.), mhd. næjen, næn, nægen, næwen, mnd. neyen, mnl. naeyen, nl. naaien (germ. *nējan) führen mit verwandten Wörtern wie griech. nḗn (νῆν, aus *ονηιειν) ‘spinnen’, nḗma (νῆμα) ‘Gespinst, Faden’, lat. nēre ‘spinnen’, nēmen ‘Gespinst, Gewebe’, (ablautend) kymr. nyddu ‘spinnen’, lit. nýtis ‘Weberkamm’, russ. nit’ (нить) ‘Faden’, (mit anlautendem s-) mir. snīm ‘das Spinnen’, air. snāth(e) ‘Faden’ auf die Wurzelformen ie. *(s)nē-, *(s)nēi- ‘Fäden zusammendrehen, mit dem Faden hantieren, weben, spinnen, nähen’. Das innerhalb des Germ. nur im Dt. und Nl. bezeugte Verb muß, wie die Ableitung Nadel (s. d.) zeigt, ursprünglich weiter verbreitet gewesen sein. Auf die dentale Wurzelerweiterung ie. *ned- gehen Nessel, nesteln und Netz (s. d.) zurück. Naht f. ‘Stofflinie, an der etw. zusammengenäht ist’, ahd. nāt (11. Jh.), mhd. mnd. nāt, mnl. naet, nl. naad, ti-Abstraktum zum Verb. Vielfach übertragen auf Nahtähnliches, bereits mhd. ‘Verbindungsstelle der (Schädel)knochen’ (14. Jh.), ‘Verbindung zusammengelöteter oder -geschweißter Metallteile’ (18. Jh.), vgl. Schweißnaht. Näherin f. ‘mit Nadel und Faden Nähende’, frühnhd. naegerinne, neierin (15./16. Jh.); voraus geht das zu den alten Formen von Naht gebildete Nomen agentis ahd. nātāri, nāteri (11. Jh.), mhd. nātære ‘Näher, Schneider’, wozu mhd. nātærinne, næterīn f., nhd. (älter) Nähterin. Nähmaschine f. (Mitte 19. Jh.), Übersetzung von engl. sewing-machine.

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(in etwas) Einzug halten · (sich) einfinden · (sich) nähern · ankommen · dazu kommen · dazu stoßen · eintreffen · erreichen · erscheinen · herkommen · hinzustoßen · kommen · nahen  ●  (sich) blicken lassen  ugs. · antraben  ugs., salopp · auf der Bildfläche erscheinen  ugs.
Synonymgruppe
(auf jemanden) zukommen · (sich) abzeichnen · (sich) anbahnen · (sich) andeuten · (sich) ankündigen · abzusehen sein · aussehen nach · drohen · erwarten lassen · herannahen · heranrücken · heranziehen · heraufziehen · im Anzug sein · im Verzug sein · in der Luft liegen · ins Haus stehen · knistern im Gebälk (es) · nahen · näher rücken · seine Schatten vorauswerfen · zu erwarten stehen  ●  im Anmarsch sein  fig. · (die) Zeichen stehen auf (...)  geh., variabel · (etwas) ist im Busch  ugs., fig. · es mehren sich die Zeichen (dass)  geh. · heraufdämmern  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) nähern · heranrücken · heraufziehen · näherkommen · näherrücken  ●  herannahen  geh. · nahen  geh., literarisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(bedrohlich) nahen · (jemandem) blühen · (sich) zusammenbrauen · bedrohliche Formen annehmen · drohen · lauern · nichts Gutes erwarten lassen · nichts Gutes verheißen · zu befürchten sein  ●  (da) kommt (noch) was auf uns zu  ugs. · (die) Einschläge kommen näher  ugs., fig., Spruch · dräuen (lit., poet.)  geh. · zu befürchten stehen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›nahen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nahen‹.

Verwendungsbeispiele für ›nahen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weihnachten 1944 nahte, und ich war froh, daß ich es geschafft hatte, am Heiligen Abend ein gutes Essen auf den Tisch zu bringen. [Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 180]
Es nahten aber auch zwei Personen, die bereit waren, aktiv einzugreifen. [Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow, Rostock: Hirnstorff 1978 [1937], S. 189]
In der Stunde der Not naht bekanntlich die Hilfe des Herrn. [Die Zeit, 20.05.1998, Nr. 22]
Als er die Stadt von ferne erblickte, nahte er sich ihr barfuß. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1978]]
Und nun nahte sich auch das Glänzen, nach dem sie verlangt hatte, aber nicht von oben. [Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 609]
Zitationshilfe
„nahen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nahen>.

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