nahen

GrammatikVerb · nahte, ist/hat genaht
Aussprache
Worttrennungna-hen
Wortbildung mit ›nahen‹ als Erstglied: ↗nahbar  ·  mit ›nahen‹ als Letztglied: ↗herannahen
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben
1.
mit Hilfsverb ›ist‹
näher kommen
Beispiele:
der Sommer, Abend, die Dämmerung naht
die Stunde, der Augenblick naht, wo ...
das Ende naht unaufhaltsam
der Abschied nahte
ich höre ihn nahen
das Unglück, Verderben nahen sehen
es naht Gefahr
das Geräusch nahender Schritte
ein nahendes Gewitter
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
sich jmdm., einer Sache nähern
Beispiele:
er nahte sich ihm mit einer Bitte
der Sommer naht sich seinem Ende
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten [GoetheFaustZueignung]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter ↗an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter ↗Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit ↗genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme ↗hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(in etwas) Einzug halten · ↗(sich) einfinden · ↗(sich) nähern · ↗ankommen · dazu kommen · dazu stoßen · ↗eintreffen · ↗erreichen · ↗erscheinen · ↗herkommen · ↗hinzustoßen · ↗kommen · nahen  ●  (sich) blicken lassen  ugs. · ↗antraben  ugs., salopp · auf der Bildfläche erscheinen  ugs.
Unterbegriffe
  • unangemeldet erscheinen  ●  ↗hereinplatzen  ugs. · mit der Tür ins Haus fallen  ugs.
Synonymgruppe
(auf jemanden) zukommen · ↗(sich) abzeichnen · ↗(sich) anbahnen · ↗(sich) andeuten · ↗(sich) ankündigen · abzusehen sein · aussehen nach · ↗drohen · erwarten lassen · ↗herannahen · ↗heranrücken · ↗heranziehen · ↗heraufziehen · im Anzug sein · im Verzug sein · in der Luft liegen · ins Haus stehen · knistern im Gebälk (es) · nahen · näher rücken · seine Schatten vorauswerfen · zu erwarten stehen  ●  im Anmarsch sein  fig. · (die) Zeichen stehen auf (...)  geh., variabel · (etwas) ist im Busch  ugs., fig. · ↗heraufdämmern  geh.
Assoziationen
  • (bedrohlich) nahen · ↗(jemandem) blühen · ↗(sich) zusammenbrauen · ↗drohen · ↗lauern · nichts Gutes erwarten lassen · nichts Gutes verheißen · zu befürchten sein  ●  (da) kommt (noch) was auf uns zu  ugs. · (die) Einschläge kommen näher  ugs., fig., Spruch · ↗dräuen (lit., poet.)  geh. · zu befürchten stehen  geh.
  • heraufziehend · im Anmarsch · im Kommen · kommend · zu erwartend  ●  ↗ante portas  geh., scherzhaft, lat.
  • (etwas) vor sich haben · (jemandem) ins Haus stehen · (sich) zubewegen (auf) · vor jemandem liegen
  • (und) das war erst der Anfang! · das war noch längst nicht alles  ●  da kommt (noch) was auf dich zu (warnend)  ugs., Spruch · da kommt noch was auf uns zu (warnend)  ugs., Spruch
  • (düster) dräuend (pseudoliterarisch) · ↗bedrohlich · beklemmend · ↗beunruhigend · drohend · ↗düster · ↗finster · nichts Gutes ahnen lassen(d) · ↗unheildrohend · ↗unheilschwanger · ↗unheilvoll · ↗unheimlich  ●  creepy  engl.
  • bald ist (...) · nicht mehr lange auf sich warten lassen · nur noch kurze Zeit, dann · unmittelbar bevorstehen  ●  vor der Tür(e) stehen  fig.
  • (sich) nähern · ↗heranrücken · ↗heraufziehen · ↗näherkommen · ↗näherrücken  ●  ↗herannahen  geh. · nahen  geh., literarisch
  • Das musste ja so kommen.  ●  Als wenn ich es geahnt hätte (...)  ugs. · Also doch!  ugs. · Das war ja (von vornherein) klar (...)  ugs. · Hab ich's nicht gleich gesagt?  ugs. · Ich hab's gewusst.  ugs. · Ich wusste es.  ugs. · Ich wusste, dass es so kommen würde.  ugs. · Wusst(e) ich's doch!  ugs. · das hab(e) ich (ja) kommen sehen  ugs. · ich hab(e) es ja gleich gesagt  ugs. · kein Wunder (dass ...)  ugs.
  • (auf jemanden) zukommen · ↗(das) Schicksal hält (...) (für jemanden) bereit · ↗(jemandem) bevorstehen · ↗(jemandem) drohen · ↗(jemanden) erwarten · zu erwarten haben  ●  ↗(jemandem) blühen  ugs.
  • Ruhe vor dem Sturm · trügerische Ruhe
  • abzusehen sein · kommen wie es kommen muss · nicht anders sein können (es) · vorherzusehen sein · wie konnte es anders sein  ●  (einfach / ja) so kommen müssen  ugs.
  • angegangen werden müssen · ↗anliegen · ↗anstehen  ●  zu tun sein  ugs.
  • (sich) zusammenbrauen  fig. · ↗(weiter) schwelen  fig. · ↗brodeln  fig. · ↗gären  fig. · ↗schwären  fig.
  • an den Tag kommen · ↗erscheinen · sichtbar werden · zu Tage treten · zum Vorschein kommen · zutage treten  ●  ans Licht kommen  fig. · ans Tageslicht kommen  fig. · ↗emergieren  geh.
  • (etwas) ist im Busch  fig. · (etwas) liegt in der Luft  fig. · etwas kommt auf jemanden zu  fig.
  • es kriselt (bei) · schwere Zeiten vor sich haben · schweren Zeiten entgegensehen
  • (es) wird eng (für) · (jemandem) steht eine Menge Ärger bevor · (jemandem) steht Ärger ins Haus  ●  (die) Zeichen stehen auf Sturm  Redensart, fig. · (es) raucht im Karton  ugs., fig., Spruch · (etwas) sieht nach einer Menge Ärger aus  ugs. · Panhas am Schwenkmast  ugs., ruhrdt., Spruch
  • im Schwange sein · in der Luft liegen · unmittelbar bevorstehen
  • es kommen schwierige Zeiten (für)  ●  (sich) warm anziehen (können / müssen / sollen)  fig. · es knistert im Gebälk (des / der)  fig. · (sich) auf etwas gefasst machen (können / müssen / sollen)  ugs.
Synonymgruppe
(sich) nähern · ↗heranrücken · ↗heraufziehen · ↗näherkommen · ↗näherrücken  ●  ↗herannahen  geh. · nahen  geh., literarisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(bedrohlich) nahen · ↗(jemandem) blühen · ↗(sich) zusammenbrauen · ↗drohen · ↗lauern · nichts Gutes erwarten lassen · nichts Gutes verheißen · zu befürchten sein  ●  (da) kommt (noch) was auf uns zu  ugs. · (die) Einschläge kommen näher  ugs., fig., Spruch · ↗dräuen (lit., poet.)  geh. · zu befürchten stehen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Betrachtung Bundestagswahl Frühjahr Generation Hinsehen Information Jahr Jahrhundert Jahrtausend Jahrzehnt Legislaturperiode Mal Monat Morgen Nähe Osten Runde Saison Schritt Sitzung Sommer Spiel Stufe Tag Umgebung Wahl Woche Zeit Zukunft rücken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nahen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Irgendwo kündigt sich ein Gott an, und er kommt näher.
Die Zeit, 23.03.2000, Nr. 13
Bei näherem Hinsehen gehen einem die Augen über, wohin wir in den letzten 25 Jahren gekommen sind.
konkret, 1982
Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, darauf näher einzugehen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 55
Und dann nah an der Bahn gelegen, Züge fahren bis tief in die Nacht.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 220
Fast ohne es zu wissen, drückte ich mich immer näher heran.
Zweig, Stefan: Schachnovelle, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1961 [1943], S. 52
Zitationshilfe
„nahen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nahen>, abgerufen am 22.10.2019.

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