Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

nahezu

Grammatik Adverb
Aussprache 
Worttrennung na-he-zu
Wortzerlegung nah zu2
eWDG

Bedeutung

fast, beinahe
Beispiele:
es war nahezu Mitternacht, als sie heimkamen
vor nahezu fünf Stunden
meine Arbeit ist nahezu fertig
er hat nahezu sein ganzes Geld ausgegeben
es waren nahezu tausend Menschen anwesend
er ist nahezu genesen
der nahezu lautlose Gang der Uhr
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. – nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
annähernd · beinahe · fast · haarscharf · kaum · knapp · nahezu · so gut wie · soeben · soeben noch  ●  auf Kante genäht  ugs. · bald  ugs. · enge Kiste  ugs. · fünf vor zwölf  ugs. · gerade noch  ugs. · knappe Kiste  ugs. · kurz vor knapp  ugs. · um ein Haar  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
annähernd · bald · beinahe · etwas weniger (als) · knapp · nicht ganz  ●  fast  Hauptform · (so) an die (vor Zahlwörtern)  ugs. · ein bisschen weniger (als)  ugs. · nahezu  geh. · so ziemlich  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›nahezu‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nahezu‹.

Zitationshilfe
„nahezu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nahezu>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
nahetreten
nahestehen
nahen
naheliegenderweise
naheliegen
nahrhaft
nahsichtig
nahtlos
nahöstlich
naiv