naiv

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung na-iv
Wortbildung  mit ›naiv‹ als Erstglied: Naivling  ·  mit ›naiv‹ als Letztglied: kacknaiv  ·  mit ›naiv‹ als Grundform: Naivheit · Naivität
Herkunft aus gleichbedeutend naïffrz
eWDG

Bedeutung

kindlich, ursprünglich, unbefangen
Beispiele:
ein naives Mädchen
er ist naiv wie ein Kind
eine naive Freude, Begeisterung zeigen
Er sprach es in jünglingshaft naiver Überschwenglichkeit [ G. Hauptm.Quint1,400]
treuherzig, arglos
Beispiele:
sie ist von naiver Offenheit
eine naive Frage, Bemerkung
abwertend einfältig, töricht
Beispiele:
bist du aber naiv!
das finde ich aber naiv (von dir)!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

naiv · Naivität
naiv Adj. ‘natürlich, kindlich, unbefangen, arglos, treuherzig’, auch tadelnd ‘einfältig’, Entlehnung (17. Jh.) von gleichbed. frz. naïf (daher zunächst in der Schreibung naif), afrz. naif, mfrz. naïf ‘gebürtig, ursprünglich, natürlich, echt’, das auf lat. nātīvus ‘durch Geburt entstanden, angeboren, natürlich’ beruht, einer Ableitung von nātus ‘geboren, beschaffen, geeignet’, dem Part.adj. von lat. nāscī ‘geboren werden, entstehen’. In der Literaturkritik der 2. Hälfte des 18. Jhs. ist naiv besonders im Sinne von ‘natürlich, ursprünglich, ungezwungen, ungekünstelt’ gebräuchlich (bei Schiller im Gegensatz zu sentimentalisch ‘bewußt, reflektierend’, s. sentimental). Naivität f. (18. Jh., daneben anfangs die dt. Abstraktbildung Naivheit), frz. naïveté.

Thesaurus

Synonymgruppe
ahnungslos · arglos · bedenkenlos · blauäugig · leichtgläubig · naiv · nichtsahnend · ohne Bedenken · sorglos · tumb · töricht · unbedarft · unbekümmert · vertrauensselig  ●  an den Osterhasen glauben  ugs., fig. · an den Weihnachtsmann glauben  ugs., fig. · ganz schön naiv  ugs. · schön blöd  ugs.
Assoziationen
  • naiv genug sein, um zu  ●  in meiner (grenzenlosen) Naivität  variabel · naiv, wie ich bin  variabel · so naiv sein, zu  variabel · in meinem jugendlichen Leichtsinn  ugs., scherzhaft · in seiner Schlichtheit  geh.
Synonymgruppe
arglos · fromm (Wunsch) · gutgläubig · harmlos · im guten Glauben, dass · in gutem Glauben · kindsköpfig · leichtgläubig · naiv · nimmt alles für bare Münze · treuherzig · undistanziert · vertrauensselig  ●  treudoof  ironisierend
Assoziationen
Synonymgruppe
albern · infantil · kindhaft · kindisch · kindlich · kindsköpfig · naiv · unentwickelt · unreif  ●  puerilistisch  selten · pueril  fachspr.
Synonymgruppe
naiv · unberührt · unschuldig  ●  prälapsarisch  fachspr., sehr selten · unverbildet  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
naiv · unerfahren  ●  muss (im Leben) noch viel lernen  ugs. · noch feucht hinter den Ohren  ugs., fig. · noch grün hinter den Ohren  ugs., fig. · weiß nichts vom Leben  ugs. · weiß nichts von der Welt  ugs.

Typische Verbindungen zu ›naiv‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›naiv‹.

Verwendungsbeispiele für ›naiv‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man hat sich bei uns daran gewöhnt, die bloße Frage für naiv zu halten. [Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 119]
Und sehr naiv war es eigentlich auch, daß er sich an mich wandte, da er sich doch mit keinem Wort von mir verabschiedet hat. [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1935. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1935], S. 17]
Da ist es besser, in naiver Weise die Quellen einfach nachzuerzählen. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 216]
Damals haben sie mich alle für verrückt erklärt, für naiv; das sei doch utopisch! [Die Zeit, 07.10.1999, Nr. 41]
Statt dessen hält er auf eine fast naive Weise lediglich fest, daß John nun eben wieder gern "schreibe". [Die Zeit, 02.07.1998, Nr. 28]
Zitationshilfe
„naiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/naiv>.

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