Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

napoleonisch

Grammatik Adjektiv · Komparativ: napoleonischer · Superlativ: am napoleonischsten, Steigerung selten
Aussprache [napoleˈoːnɪʃ]
Worttrennung na-po-le-onisch · na-po-leo-nisch
Wortzerlegung NapoleonEigenname -isch
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
auf Napoleon I., die Person Napoleon Bonapartes (bzw. seine Politik, sein Äußeres, seinen Charakter o. Ä.) bezogen; auf die Zeit der Herrschaft Napoleons I. bezogen
Grammatik: ohne Steigerung
Beispiele:
Der napoleonische Feldmarschall Michel Ney führte bei Waterloo in zwei Attacken die Kavallerie und die Alte Garde gegen die Engländer. [Süddeutsche Zeitung, 29.03.2017]
Das Gefecht aus der Zeit der Befreiungskriege [die Völkerschlacht bei Leipzig] gegen die napoleonische Herrschaft wird alle zwei Jahre am Originalschauplatz als sogenanntes Reenactment gezeigt, also eine möglichst detailgetreue Darstellung des Geschehenen. [Hamburger Abendblatt, 21.09.2021]
Die Wirren der napoleonischen Jahre spiegeln sich in den Widmungen von Beethovens Werken wider. Er ist ohnehin einer, der die Welt um sich herum aufmerksam und mit reichlich Ironie betrachtet. Genauso leidenschaftlich, wie der Komponist an seiner Musik arbeitet, genauso hält er auch mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg. [Süddeutsche Zeitung, 15.05.2020]
Im Mai 1944 fällte das sowjetische Oberkommando die Entscheidung für den Großangriff auf die in Weißrussland stehende Heeresgruppe Mitte. Die Offensive wurde nach dem georgischen General Bagration genannt, der 1812 gegen die napoleonischen Truppen vor Moskau gekämpft hatte. [Allgemeine Zeitung, 03.08.2019]
[Jacques-Louis] Davids Gemälde [»Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard«] en[t]stand 1800/01 zeitnah am Geschehen, während [Paul] Delaroches Version [»Napoleon überquert die Alpen«] erst lange nach Napoleons Tod im Exil auf St. Helena zum Wiederaufleben der napoleonischen Kunst zwischen 1848 und 1850 angefertigt wurde. Davids Idealismus zeigt einen heldenhaften Krieger, Delaroches Realismus einen General, der trotz seiner Menschlichkeit Unglaubliches vollbringt. [Die Realitätsnähe des Gemäldes »Bonaparte überquert die Alpen« von Paul Delaroche, 2017, aufgerufen am 18.03.2022]
Zur Zeit der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts kam es durch den Ausbruch des Vulkans »Tambora« in Indonesien weltweit zu Missernten. [Reutlinger General-Anzeiger, 13.10.2021]
2.
übertragen seine Ziele besonders ehrgeizig, verbissen, rücksichtslos und unnachgiebig verfolgend; (in seinem Äußeren, seinen Überzeugungen o. Ä.) an Napoleon I. erinnernd, ihm ähnelnd
Beispiele:
Er [Filmregisseur Michael Cimino] schläft nicht wirklich … er ist wirklich eine obsessive Persönlichkeit. Er ist der napoleonischste Regisseur, mit dem ich je gearbeitet habe. [Jahr des Drachen (Film), aufgerufen am 22.03.2022]
Es war den drei Männern, die sich hinter das Podium der Bundespressekonferenz duckten, nicht anzusehen, dass sie gute Nachrichten zu verkünden hatten. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), und der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar überboten einander darin, möglichst grimmig dreinzuschauen; strenge napoleonische Blicke – mehr Stolz als Missvergnügen. [Die Welt, 05.09.2008]
Der Spieler [eines Strategiespiels] darf auf der Landkarte Europas Gefechte führen und Kampagnen, wie er will. Er darf napoleonischer als Napoleon selbst sein und sogar England erobern. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2003]
William Gull ist ein Intellektueller, ein düsterer, morbider Zyniker mit napoleonischen Gesichtszügen und religiösen Wahnvorstellungen, der mit manischer Präzision zu Werke geht, streng entlang der freimaurerischen Richtlinien, wie mit Verrätern zu verfahren ist. [Die Welt, 19.10.2000]
[…] während der 31 Turniertage war [beim AC Milano unter der Regie von Trainer Arrigo Sacchi] nichts so beständig wie der Wechsel. 20 der 22 auserwählten Profis spielten eine Haupt‑ oder Nebenrolle. Sie alle mußten bereit sein, sich dem manchmal napoleonisch strengen kleinen Mann unterzuordnen[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.1994]
3.
seltener, allgemeiner auf die (weiteren Mitglieder der) Familie Napoleon bezogen
Grammatik: ohne Steigerung
Beispiele:
Die Fremdenpension Wolfsberg war zu jener Zeit das wichtigste Gästehaus für Besucher der napoleonischen Familie. Sein Besitzer Charles Parquin, eher Haudegen denn Gastgeber, kam damit (und mit zwei weiteren Schlössern) aber in arge finanzielle Schwierigkeiten. [Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III., aufgerufen am 27.02.2022]
»Die napoleonische Idee ist keineswegs eine Idee des Krieges, sondern eine soziale, industrielle und wirtschaftliche Idee«, verkündete schon früh Louis‑Napoleon, der Neffe des großen Napoleon, der als Napoleon III. in die Geschichtsbücher eingehen sollte. »Damit kündigt sich eine napoleonische Philantrophie mit sozialisierenden Untertönen an, die für das Zweite Kaiserreich charakteristisch sein sollte und mit der Louis‑Napoleon das Erbe des Onkels mit den neuen Erfordernissen der Industriellen Revolution zu vermitteln suchte«[,] schreibt Johannes Willms in seiner Biografie »Napoleon III. Frankreichs letzter Kaiser[«] […], mit der er ein historisch ausgewogenes Bild dieser heute nicht gerade gut angesehenen Persönlichkeit vermitteln will. [Leipziger Volkszeitung, 06.10.2008]

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Typische Verbindungen zu ›napoleonisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›napoleonisch‹.

Zitationshilfe
„napoleonisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/napoleonisch>.

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