natürlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung na-tür-lich
Wortzerlegung Natur -lich
Wortbildung  mit ›natürlich‹ als Erstglied: Natürlichkeit · natürlicherweise  ·  mit ›natürlich‹ als Letztglied: unnatürlich · widernatürlich · übernatürlich
eWDG

Bedeutungen

1.
von Natur aus gegeben, nicht vom Menschen geschaffen, nicht künstlich
Beispiele:
natürliche Schätze, Reichtümer
natürliche Rohstoffe
ein natürliches Mineralwasser
natürliches Licht (= Tageslicht)
das Gebirge bildet die natürliche Grenze des Landes
ein natürliches Hindernis im Gelände
ein natürlicher Hafen
die Tiere passen sich den natürlichen Bedingungen ihrer Umwelt an
2.
angeboren
Beispiele:
das ist nicht ihre natürliche Haarfarbe
natürlich gelockte Haare
natürliche Anlagen
eine natürliche Begabung, Klugheit
ihr natürlicher Verstand
eine natürliche Anmut, Liebenswürdigkeit
ein natürlicher Charme
3.
unverbildet, ungezwungen
Beispiele:
sie ist ein sehr natürlicher Mensch
sie hat sich [Dativ] ihr natürliches Wesen bewahrt
sie ist, spricht, benimmt sich ganz natürlich
4.
der Natur entsprechend
a)
Beispiele:
der Maler hat ihn sehr natürlich gemalt
das Bild, Foto ist sehr natürlich geworden
eine Darstellung, Wiedergabe in natürlicher Größe (= nicht vergrößert oder verkleinert)
b)
den biologischen Anlagen (und Bedürfnissen) des Menschen entsprechend
Beispiele:
etw. mit natürlichem Instinkt fühlen
einen natürlichen Widerwillen gegen etw. haben
die natürlichen Verrichtungen des Körpers
ein natürliches Bedürfnis befriedigen
der natürliche Verlauf einer Krankheit
eines natürlichen (= nicht gewaltsamen) Todes sterben
Sprachwissenschaftdas natürliche Geschlecht
c)
aus dem Wesen einer Sache, Person hervorgehend, folgerichtig
Beispiele:
natürliche Folgen
das ist ein ganz natürlicher Wunsch
alles seinen natürlichen Gang gehen lassen
er konnte seine Absicht nur natürlich finden
es war nur natürlich, dass sie so reagierte
mir schien es ganz natürlich, dass …
es ist nur zu natürlich, dass …
nichts ist natürlicher, als dass …
das ist die natürlichste Sache von der Welt
d)
den Naturgesetzen entsprechend
in gegensätzlicher Bedeutung zu übernatürlich
Beispiele:
das kann nicht mit natürlichen Dingen zugehen
alles ist ganz natürlich zugegangen
5.
selbstverständlich
Grammatik: adverbiell
Beispiele:
er hat natürlich sehr übertrieben
das Geld reichte natürlich wieder nicht
du glaubst natürlich, er kommt nicht mehr
du hast natürlich recht
natürlich habe ich es gemerkt
das wussten wir damals natürlich noch nicht
du musst natürlich wieder dazwischenreden
»kommst du mit?« »Natürlich
natürlich würde ich gerne kommen, aber …
ich freue mich natürlich, dass du wieder da bist
6.
Sonderbedeutungen
Beispiele:
Mathematikdie natürlichen Zahlen (= die positiven ganzen Zahlen)
Juraeine natürliche Person (= ein Mensch als Rechtsträger im Gegensatz zu einer juristischen Person)
Jura natürliche Kinder (= leibliche, nicht angenommene Kinder)
veraltet, Jura natürliche Kinder (= außereheliche Kinder)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Natur · Naturforscher · Naturgeschichte · Naturkunde · Naturwissenschaft · naturwüchsig · natürlich · Naturell · Naturalien · Naturalismus · Naturalist · naturalisieren
Natur f. ‘Gesamtheit des Gewachsenen, Gewordenen, Landschaft mit Tier- und Pflanzenwelt, Wesen, Anlage, Charakter’, ahd. natūra (9. Jh.), mhd. natūre ist Entlehnung von lat. nātūra, eigentlich ‘Geburt, Geborensein’, einer Bildung zu lat. nātus ‘geboren’, Part. Perf. von lat. nāscī ‘geboren werden, entstehen, wachsen’. Eine Nebenform mhd. natiur(e) zeigt Einfluß von afrz. nature. In allen wichtigen Verwendungen folgt Natur den im Lat. vorgeprägten Bedeutungen. Naturforscher m. (17. Jh.), für älteres Naturkündiger (16. Jh.), ahd. natūrosago (um 1000). Naturgeschichte f. auch Naturhistorie (18. Jh.), lat. historia nātūrālis. Naturkunde f. (17. Jh.). Naturwissenschaft f. (18. Jh.). naturwüchsig Adj. ‘urwüchsig’, seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. im Sinne von ‘frei organisch wachsend, sich naturnah entfaltend’. natürlich Adj. ‘der Natur gemäß, angeboren, nicht künstlich, unverbildet, ungezwungen’, adverbial im Sinne von ‘selbstverständlich, freilich’, ahd. natūrlīh (um 1000), mhd. natūrlich, natiurlich. Naturell n. ‘Veranlagung, Gemütsart’, im 17. Jh. entlehnt aus gleichbed. frz. naturel, Substantivierung des Adjektivs frz. naturel ‘natürlich, der Natur entsprechend’, das auf lat. nātūrālis ‘durch Geburt, durch die Natur entstanden’ zurückgeht. Naturalien Plur. ‘Erzeugnisse der Natur, landwirtschaftliche Produkte’ (17. Jh.), besonders ‘Lebensmittel’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus lat. nātūrālia (dem substantivierten Neutr. Plur. von nātūrālis, s. oben). Seit dem 18. Jh. auch im Sinne von ‘Naturmerkwürdigkeiten, Schaustücke naturkundlicher Sammlungen’, vgl. Naturalienkabinett, -kammer. Naturalismus m. weitestgehende Naturtreue anstrebende Kunstrichtung, in der bildenden Kunst, besonders der Malerei, seit etwa 1800; seit den 80er Jahren des 19. Jhs. (nach frz. naturalisme) auch Bezeichnung für eine literarische Schule unter Einfluß der französischen Literatur, vor allem Zolas. Naturalist m. ‘Vertreter des Naturalismus’ (19. Jh.), ‘Künstler ohne schulgerechte Ausbildung’ (18. Jh.), ‘Naturkundiger, -forscher’ (17. Jh.); weithin dem älteren Gebrauch von frz. naturaliste entsprechend. naturalisieren Vb. ‘einbürgern, die Staatsbürgerschaft verleihen’, Entlehnung des 17. Jhs. aus gleichbed. frz. naturaliser.

Thesaurus

Synonymgruppe
kernig · naturbelassen · naturgemäß · natürlich · ungekünstelt · urwüchsig  ●  urchig  schweiz.
Synonymgruppe
den Erwartungen entsprechend · der Erwartung entsprechend · erwartbar · erwartungsgemäß · erwartungskonform · gewohnt (Adverb) · naturgemäß · natürlich · natürlicherweise · selbstverständlich · trivialerweise · verständlicherweise · wenig überraschend · wie erwartet · wie zu erwarten (war) · wie üblich  ●  logischerweise  ugs. · wen wundert's (Einschub)  geh.
Synonymgruppe
echt · natürlich · nicht gespielt · ungekünstelt · unverstellt
Synonymgruppe
naturgegeben · natürlich · normal  ●  gesund  fig. · unverbildet  Hauptform
Assoziationen
  • (Das ist) nur natürlich. · in der Natur des Menschen liegen  ●  Daran ist nichts Falsches.  geh., Spruch
Synonymgruppe
logischerweise · selbstverständlich · versteht sich (Einschub)  ●  natürlich  Hauptform · wie könnte es anders sein  Einschub · selbstredend  geh. · selbstverfreilich  ugs., scherzhaft
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›natürlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›natürlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›natürlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn Frauen nur »ihren Mann stehen«, sind sie so arm dran wie Männer, die meinen, »immer stark sein« zu müssen – äußerlich natürlich. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 168]
Die natürliche Klärung des Weines erstreckt sich über mehrere Jahre. [Kölling, Alfred: Fachbuch für Kellner, Leipzig: Fachbuchverl. VEB 1962 [1956], S. 157]
Doch seine Einstellung ist verhältnismäßig leicht auszumachen: natürliche Interpretationen sind notwendig. [Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1976, S. 105]
Es gibt neben dem rechtlichen Begriff den natürlichen Begriff des Volkes. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 26]
Sie soll nicht bloß ins Leben, das "natürliche" Leben, eingreifen, womit sie seit je überfordert war. [Die Zeit, 22.12.1999, Nr. 52]
Zitationshilfe
„natürlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nat%C3%BCrlich>.

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