nehmen
GrammatikVerb · nimmt, nahm, hat genommen
Aussprache
Worttrennungneh-men (computergeneriert)
Wortbildung mit ›nehmen‹ als Erstglied: ↗Nehmer  ·  mit ›nehmen‹ als Letztglied: ↗abnehmen · ↗annehmen · ↗aufnehmen · ↗auseinandernehmen · ↗ausnehmen · ↗beiseitenehmen · ↗drannehmen · ↗durchnehmen · ↗einnehmen · ↗entgegennehmen · ↗festnehmen · ↗fortnehmen · ↗genaugenommen · ↗heimnehmen · ↗herabnehmen · ↗herannehmen · ↗heraufnehmen · ↗herausnehmen · ↗hereinnehmen · ↗hernehmen · ↗herunternehmen · ↗herübernehmen · ↗hinaufnehmen · ↗hineinnehmen · ↗hinnehmen · ↗hinunternehmen · ↗hinzunehmen · ↗hinübernehmen · ↗hochnehmen · ↗krummnehmen · ↗leichtnehmen · ↗malnehmen · ↗maßnehmen · ↗mitnehmen · ↗nachnehmen · ↗raufnehmen · ↗rausnehmen · ↗schwernehmen · ↗teilnehmen · ↗umnehmen · ↗unternehmen · ↗vorausnehmen · ↗vorliebnehmen · ↗vornehmen · ↗vorwegnehmen · ↗wahrnehmen · ↗wegnehmen · ↗wundernehmen · ↗zunehmen · ↗zurücknehmen · ↗zusammennehmen · ↗übelnehmen · ↗überhandnehmen · ↗übernehmen
 ·  Ableitungen von ›nehmen‹: ↗Nahme · ↗benehmen · ↗entnehmen · ↗vernehmen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. (in einer bestimmten Absicht) ergreifen, erfassen
a)
Beispiele:
das Buch, sein Handwerkszeug nehmen
der Reiter nimmt die Zügel
[als Einleitung von Kochrezepten:] man nehme 250 Gramm Mehl, 50 Gramm Butter ... veraltend
jmds. Hand nehmen
jmds. Arm nehmen (= sich bei jmdm. einhaken) gehoben
das Pferd am, beim Zügel nehmen
er wurde am Ohr, bei den Ohren genommen
jmdn. am Schlafittchen nehmen umgangssprachlich, scherzhaft
bildlich
Beispiele:
jmdn. am, beim Kragen nehmen (= jmdn. fest packen) umgangssprachlich
die Gelegenheit beim Schopfe nehmen (= sie entschlossen wahrnehmen) umgangssprachlich
übertragen
Beispiele:
jmdn. beim Kanthaken nehmen (= sich jmdn. vornehmen) salopp
jmdn. bei der Ehre nehmen (= jmds. Ehrgefühl wachrufen)
jmdn. beim Wort nehmen (= von jmdm. verlangen, dass er das Gesagte, Versprochene ausführt)
b)
etw., jmdn. ergreifen, von seinem Platz entfernen und zu sich heranholen, mit sich mitführen
Beispiele:
er nahm seinen Hut, die Tasche und ging
nimm den Eimer und hole Wasser!
das Bild von der Wand, ein Glas aus dem Schrank, das Buch aus dem Regal, Geld aus der Brieftasche nehmen
sie nahm das Geschirr vom Tisch
etw. auf die Gabel nehmen
er nimmt (sich) [Dativ] die Last auf die Schultern
er nimmt (sich) [Dativ] die Last auf den Buckel umgangssprachlich
eine Decke über die Füße, den Mantel über den Arm nehmen
das Kind auf den Schoß, Arm, an die Hand nehmen
jmdn. auf die Seite nehmen
etw. zur Hand, an sich nehmen
den Hund an die Leine, das Pferd an die Longe nehmen
ein Schiff ins Schlepptau nehmen Seemannssprache
woher nehmen und nicht stehlen? (= das besitze ich leider nicht) umgangssprachlich, scherzhaft
von dem Vorlande ... können wir die Erde nehmen [StormSchimmelr.7,229]
bildlich
Beispiele:
woher nimmst du deine Kenntnisse?
er hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen
(sich) [Dativ] kein Blatt vor den Mund nehmen
jmdn. ins Schlepptau nehmen (= jmdm. vorangehen, in einer bestimmten Richtung den Weg bahnen) umgangssprachlich
übertragen
Beispiele:
sich [Dativ] etw. zu Herzen nehmen (= durch etw. betrübt, bedrückt werden)
etw. auf die leichte Achsel, Schulter nehmen umgangssprachlich
jmdn. (fest) an die Kandare nehmen umgangssprachlich
jmdn. auf den Arm, die Schippe nehmen (= jmdn. zum besten haben) salopp
c)
etw., jmdn. in etw. nehmenetw., jmdn. mit etw. umfassen, in etw. einschließen, hineinnehmen
Beispiele:
den Bleistift, die Türklinke in die Hand nehmen
jmdn. in die Arme nehmen
sie haben ihn in die Mitte genommen
bildlich
Beispiele:
der Jäger hatte das Wild ins Glas genommen (= mit dem Fernglas erfasst)
sie nimmt die Erziehung ihrer Kinder in die Hand, hat ihr Leben in die eigenen Hände genommen
das Heft, Zepter in die Hand nehmen
sein Herz in die Hand nehmen umgangssprachlich
die Beine in die Hand, unter die Arme nehmen salopp, scherzhaft
er wollte dieses Wort nicht in den Mund nehmen (= nicht aussprechen) umgangssprachlich
jmdn. unter seine, die Fittiche nehmen umgangssprachlich
jmdn. in die Zange, Schraube nehmen (= jmdn. von mehreren Seiten bedrängen, unter Druck setzen) umgangssprachlich
d)
jmdn. in Haft nehmenjmdn. festnehmen, gefangen nehmen
Beispiele:
die Polizei hat ihn in Haft genommen
er ist in Arrest, Gewahrsam, Verwahr genommen worden
jmdn. hopp, hops nehmen salopp
2.
sich etw. (Angebotenes) geben lassen
Beispiele:
er nahm bei Tisch noch einmal Fleisch, Aufschnitt, von dem Salat
nehmen Sie eine Zigarette, ein Glas Wein?
Geschenke nehmen
er nimmt (kein, viel) Geld, nahm nichts
er hat Vorschuss, Bestechungsgelder, ein Darlehen, kein Entgelt, keine Bezahlung genommen
Miete, Zinsen, hohe Preise nehmen (= verlangen)
das Schiff nimmt Ballast, Ladung Seemannssprache
den Ball mit dem Kopf nehmen Fußball
er nimmt's von den Lebendigen, vom Lebendigen (= fordert hohe Preise) umgangssprachlich
der ist vom Stamme Nimm (= ist unbescheiden, stets auf Gewinn bedacht) umgangssprachlich, scherzhaft
etw. annehmen
Beispiele:
nehmen Sie meinen allerherzlichsten Dank!
sie wollte keinen Dank nehmen
von jmdm. Rat nehmen
er nahm, was sich ihm bot
etw. übernehmen
Beispiele:
etw. in Zahlung, Vertrieb nehmen
jmds. Eigentum in Verwahrung nehmen
übertragen
Beispiele:
Gefahren, Opfer, Entbehrungen, die Folgen, die Schuld, den Tod auf sich nehmen
ein Kreuz auf sich nehmen umgangssprachlich
etw. auf seine Verantwortung nehmen
etw. auf seine (eigene) Kappe nehmen umgangssprachlich
etw. auf seinen Eid nehmen
3.
jmdn. bei sich aufnehmen, beherbergen
Beispiele:
jmdn. zu sich, in sein Haus, unter sein Dach nehmen
sie hat einen Studenten in Untermiete genommen
Und auf der Flucht vor den Panzerreitern / ... Nahm Grusche Vachnadze das Kind an Kindes Statt [BrechtKaukas. Kreidekreis3]
jmdm. eine bezahlte Arbeit geben, jmdn. einstellen
Beispiele:
man hatte ihn für diesen Posten, in diese Stellung genommen
jmdn. in die Lehre nehmen
sie war als Sekretärin genommen worden
einen Lehrling nehmen
er nahm (sich) [Dativ] einen Privatlehrer, Anwalt
dieser Betrieb nimmt keine ungelernten Kräfte
bei der Musterung wurde er zum Wehrdienst genommen
4.
etw., jmdn. für sich aussuchen, auswählen, sich für etw., jmdn. entscheiden
a)
aus dem Angebot etw. zum Kauf auswählen
Beispiele:
er nahm dieses Buch, ein anderes Bild
sie hat den teureren Kleiderstoff, die gelben Äpfel, ein Kilo Tomaten, ein Lotterielos genommen
nehmen Sie doch diesen Mantel!
b)
gegen Bezahlung, Miete von etw. Gebrauch machen
Beispiele:
den Omnibus, Zug, das Flugzeug nehmen
er hatte (sich) [Dativ] ein Taxi genommen
er nahm sich [Dativ] ein Hotelzimmer
ein Geschäft, Grundstück in Pacht nehmen
Wohnung, Quartier, sein Domizil, seinen Aufenthalt nehmen
c)
jmdn. zum Ehepartner wählen
Beispiele:
ein Mädchen zur Frau nehmen
die Schwester eines Freundes zur Frau nehmen veraltet
sie hatte ihn zum Manne genommen
(sich) [Dativ] eine Frau, einen Mann nehmen umgangssprachlich
er hatte das Mädchen genommen umgangssprachlich
Die Töchter mancher wohlhabenden Kleinkaufleute ... hätten den jungen Beamten gerne genommen [NablOrtliebsche Frauen7] umgangssprachlich
d)
übertragen
Beispiele:
den Schleier, die Kutte nehmen (= Nonne, Mönch werden)
im Mittelalter nahmen viele Ritter das Kreuz (= beteiligten sich am Kreuzzug) historisch
den Strick nehmen (= sich erhängen) salopp
5.
einen Weg, eine Richtung nehmeneinen Weg, eine Richtung wählen, einschlagen
Beispiele:
er nimmt den Weg durch den Wald, den steilen Weg zum Gipfel
der Rettungswagen nimmt seinen Weg zum nächsten Krankenhaus
den kürzesten Heimweg nehmen
die Richtung nach Berlin nehmen
Auch müsse er den Weg festsetzen, den sie nehmen wollten [Ric. HuchConfalonieri74]
Hinab zum Brunnen nimmt es [das Kind] den Lauf [HebbelI 6,180]
Seemannssprache
Beispiele:
Kurs auf ein Ziel nehmen
das Schiff nimmt einen anderen Kurs
übertragen
Beispiele:
alles nahm seinen ordentlichen Gang, den gewohnten Verlauf
etw. nimmt seinen Fortgang (= etw. dauert an, geht weiter)
das Gespräch hatte eine andere Richtung, eine unerwartete Wendung genommen
etw. nimmt seinen Laufetw. entwickelt sich so, wie es folgerichtig kommen muss
Beispiele:
die Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf
das Schicksal, Verhängnis hatte seinen Lauf genommen
6.
sich etw. zuführen, etw. genießen
a)
etw. einnehmen
Beispiele:
eine Arznei, Medizin, ein Schlafmittel nehmen
sie musste Tabletten, Tropfen, Traubenzucker nehmen
er hat Gift genommen (= sich vergiftet)
etw. zu sich nehmenetw. essen
Beispiele:
bevor er ging, nahm er noch eine Kleinigkeit zu sich
das Frühstück, Mittagessen, einen Imbiss nehmen gehoben
sie nahmen den Kaffee, Tee auf der Veranda gehoben
einen Schluck (Wein), eine Prise (Tabak) nehmen
nimm den Mund nicht so voll (= stopfe nicht so viel in den Mund) umgangssprachlich
er hatte wohl ordentlich einen genommen (= war betrunken) [WelkGrambauer286] umgangssprachlich
bildlich
Beispiel:
er nimmt den Mund (reichlich) voll (= übertreibt sehr, schneidet sehr auf)
übertragen
Beispiel:
darauf kannst du Gift nehmen (= darauf kannst du dich verlassen)
b)
ein kaltes, heißes Bad nehmenkalt, heiß baden
Beispiele:
ein Fußbad nehmen
sie nimmt ein Sonnenbad, hat Luftbäder genommen
c)
Unterricht nehmensich Unterricht erteilen lassen
Beispiele:
er nimmt Klavierstunden, Nachhilfestunden, Tanzunterricht
bei jmdm. Unterricht in Russisch, Mathematik nehmen
7.
etw. verwenden, aufbringen
Beispiele:
bei dieser Arbeit kannst du dir Zeit nehmen
er nahm sich [Dativ] die Zeit, Mühe, etw. zu tun
etw. beanspruchen
Beispiele:
sie nahm ihren Urlaub, nahm sich [Dativ] einen freien Nachmittag
sich [Dativ] frei nehmen umgangssprachlich
ich nehme mir die Freiheit (= erlaube mir), das zu tun gespreizt
er nahm Gelegenheit, seinen Vorschlag anzubringen gespreizt
8.
etw., jmdn. (jmdm.) wegnehmen und in seinen Besitz bringen
a)
(jmdm.) etw., jmdn. rauben
Beispiele:
jmdm. (heimlich, mit Gewalt) sein Eigentum nehmen
ein Dieb hat ihr das ganze Geld genommen
die Einbrecher nahmen Schmuck und Uhren
jmdm. ein Mädchen, den Geliebten nehmen (= abspenstig machen)
er hat ihm einen Bauern, den Läufer genommen Schach
bildlich
Beispiele:
der Krieg hatte ihm alles, den Vater genommen gehoben
der Tod hat ihm die Feder aus der Hand genommen gehoben
jmdm. das Heft aus der Hand nehmen
jmdm. den Wind aus den Segeln nehmen umgangssprachlich
ich lasse mir nicht die Butter vom Brot nehmen umgangssprachlich
du hast mir das Wort aus dem Munde genommen (= hast ausgesprochen, was ich gerade sagen wollte) umgangssprachlich
übertragen
Beispiel:
sich [Dativ] das Leben nehmen (= Selbstmord begehen)
b)
sich [Dativ] etw. nehmensich etw. aneignen
Beispiele:
sie nahm sich, was sie brauchte
er nimmt sich immer das Beste
was man ihnen nicht freiwillig gab, haben sie sich genommen
c)
Militär etw. erobern, einnehmen
Beispiel:
die Stadt, Festung, Stellung, Bergkuppe (im Sturm) nehmen
bildlich
Beispiel:
Das Buch, das einen leicht nimmt und leicht losläßt [Hofmannsth.ProsaII 299]
d)
eine Frau nehmen derb mit einer Frau geschlechtlich verkehren
Beispiel:
Ich wußte ... daß er noch andere begehren und nehmen würde [H. Mann2,323]
9.
jmdm., einer Sache etw. wegnehmen
a)
jmdm., einer Sache etw. entziehen
Beispiele:
jmdm. die Sicht, Aussicht nehmen
etw. nimmt jmdm. (fast) den Atem, die Luft
jmdm. die Freude, Stimmung, Hoffnung, den Spaß, Appetit, Glauben, seine Illusionen nehmen
man wollte ihm seine Rechte, Ansprüche, die Freiheit nehmen
jmdm. das Brot (= den Lebensunterhalt) nehmen umgangssprachlich
das Interesse daran war ihm genommen worden
er ließ es sich [Dativ] nicht nehmen (= bestand darauf), sie selbst zu begrüßen
die Bearbeitung hat der Dichtung nichts von ihrer Eigenart genommen
seinem Angriff war die Spitze, Schärfe genommen worden
einer Sache allen Reiz nehmen
einer Sache die Würze nehmen umgangssprachlich
übertragen
Beispiel:
die beiden nehmen sich (in dieser Hinsicht, Beziehung) nichts (= die beiden machen einander nicht den Rang streitig, sind sich sehr ähnlich)
b)
jmdn. von etw. befreien, erlösen
Beispiele:
jmdm. die Angst, Unruhe, Ungewissheit nehmen
jmdm. eine Last vom Herzen, von der Seele nehmen
eine Sorge von jmdm. nehmen
bildlich
Beispiel:
jmdm. die Binde von den Augen nehmen (= jmdn. über die Tatsachen aufklären)
10.
etw. bewältigen, überwinden
Beispiele:
ein Hindernis, die Hürden nehmen
die Steigung, den Abhang, die Treppe, zwei Stufen auf einmal nehmen
das Schiff hatte das Kap genommen
das Auto nahm die Kurve
Die übrigen Stationen [des Examens] nahm ich ... im Fluge [SchleichVergangenheit243]
11.
Sport
Beispiele:
der Boxer ist hart im Nehmen (= setzt sich den Schlägen des Gegners ohne Schonung aus)
er musste mehrere Treffer seines Gegners nehmen (= ertragen, aushalten)
übertragen
Beispiel:
jmd. ist hart im Nehmen umgangssprachlich
12.
etw., jmdn. für etw., jmdn. ansehen, halten
Beispiele:
etw. für ein günstiges Zeichen nehmen
er nahm diese Äußerung für Wahrheit, Hohn, als Bekenntnis
sein Versprechen, seine Klagen, Komplimente kann man nicht für bare Münze nehmen
den guten Willen für die Tat nehmen
jmdn. für dumm nehmen
sie nahmen sich sehr wichtig
man hat ihn nicht ernst genommen
man hat ihn nicht für voll genommen umgangssprachlich
durchscheinend blaugrüne Stückchen ... die ich für Edelsteine nahm [CarossaKindheit44]
Der König scheint ihn für einen harmlosen Schwärmer genommen zu haben [MehringLessing-Legende96]
etw. in einer bestimmten Art auffassen, auslegen
Beispiele:
etw. (nicht) ernst, wichtig, zu streng, schwer nehmen
etw. (nicht) tragisch nehmen umgangssprachlich
sie hat das, hat es damit genau genommen
er nimmt die Sache allzu leicht, nicht so schlimm, von der heiteren Seite
diese Kritik darfst du nicht persönlich nehmen
sie hatten die Bemerkung wörtlich genommen
wenn Sie es so nehmen (= in dieser Weise ansehen) wollen, betrifft diese Sache uns alle
im Grunde genommen (= eigentlich) hat er recht
alles in allem genommen (= im Ganzen gesehen) war es ein gelungenes Fest
wie man's nimmt (= man kann die Angelegenheit von verschiedenen Standpunkten aus betrachten) umgangssprachlich
13.
sich etw. vorstellen, vergegenwärtigen, an etw. denken
Beispiele:
nehmen Sie nur einmal die vielen Vorbereitungen, die dafür nötig sind!
wenn man die gegenwärtige Situation nimmt, so ...
nehmen wir den Fall (= nehmen wir an), dass ...
14.
etw. nehmen, wie es istetw. hinnehmen, sich mit etw. abfinden
Beispiele:
eine Sache, seine Lage so nehmen, wie sie ist, liegt
jmdn. nehmen, wie er ist, sich gibt (= sich mit jmds. Art abfinden)
etw. in Kauf nehmen (= Unwillkommenes als Zugabe hinnehmen)
Adelaide stand viel zu hoch, um die Welt zu nehmen, wie sie war [RaabeSchüdderumpIII 1,49]
15.
jmdn. richtig behandeln, mit jmdm. zurechtkommen
Beispiele:
man muss ihn zu nehmen wissen
sie weiß, wie sie ihre Kollegen nehmen muss, zu nehmen hat
er nimmt die Leute richtig [MoloEin Deutscher127]
16.
jmdm., einer Sache eine bestimmte Betreuung, Behandlung zuteilwerden lassen
Beispiele:
jmdn. unter seine Obhut, Leitung nehmen
jmdn., sich in Zucht nehmen
das Leben hatte sie in eine harte Schule genommen
der Arzt hatte ihn unters Messer genommen (= operiert) umgangssprachlich
jmdn. in die Mache, Mangel nehmen (= jmdn. bearbeiten, jmdm. hart zusetzen) salopp
ein Stück Land in Kultur, unter den Pflug nehmen
die Grünflächen, Maschinen in (persönliche, gemeinschaftliche) Pflege nehmen
Trotzdem müssen wir Sie in eine kleine Strafe nehmen [MusilMann166]
bildlich
Beispiel:
jmdn., etw. unter die Lupe nehmen (= jmdn., etw. genau betrachten, prüfen)
17.
einen Körperteil bewegen, in eine andere Stellung, Lage bringen
Beispiele:
den Kopf in den Nacken nehmen
die Hand vom Tisch, aus der Manteltasche, an die Mütze, die Hände an die Hosennaht nehmen
er nahm den Fuß von der Treppenstufe, das Auge vom Fernrohr
18.
etw. nach einem Original aufnehmen, festhalten
Beispiele:
Musik, eine Unterhaltung auf Tonband nehmen
ein Motiv auf Farbfilm nehmen
einen Abdruck, Abguss nehmen
Beim Nehmen der Formen von der natürlichen Vorlage [zum Herstellen eines Gipsabgusses] [Urania1959]
den Stand der Wettergläser nehmen (= ablesen) und notieren [BartningErdball97]
19.
mit einem Subst.
dient zur Umschreibung eines Verbalbegriffs; in abgeblasster Bedeutung
Beispiele:
Reißaus nehmen (= davonlaufen, fliehen) umgangssprachlich
(volle) Deckung nehmen (= Schutz suchen) Militär
(zu einem Kleid, Anzug) Maß nehmen (= die Körpermaße feststellen)
sich [Dativ] ein Herz nehmen (= einen mutigen Entschluss fassen)
(von jmdm.) Abschied nehmen (= sich verabschieden)
den, seinen Abschied nehmen (= aus dem Dienst scheiden) gehoben
seinen Rücktritt nehmen (= zurücktreten, aus dem Amt scheiden) gehoben
Abstand von etw. nehmen (= auf etw. verzichten, etw. unterlassen)
von etw. Kenntnis nehmen (= sich mit etw. bekannt machen)
von jmdm., etw. keine Notiz nehmen (= jmdn., etw. nicht beachten)
Einsicht, Einblick in die Akten, Protokolle nehmen (= die Akten, Protokolle einsehen)
auf etw., jmdn. Bezug nehmen (= sich auf etw., jmdn. beziehen)
Anstoß an etw. nehmen (= etw. beanstanden, missbilligen) gehoben
keinen Anstand nehmen (= kein Bedenken haben, nicht zögern) gehoben
an jmdm. Rache nehmen (= sich an jmdm. rächen)
sich [Dativ] an jmdm., etw. ein Beispiel nehmen (= jmdn., etw. als Vorbild, Muster ansehen)
auf jmdn., etw. Einfluss nehmen (= auf jmdn., etw. einwirken)
auf jmdn., etw. Rücksicht nehmen (= jmdn., etw. rücksichtsvoll, schonend behandeln, sich nach jmdm., etw. richten)
mit jmdm. Fühlung nehmen (= mit jmdm. Kontakt aufnehmen)
zu jmdm., etw. (seine) Zuflucht nehmen (= bei jmdm., etw. Hilfe, einen Ausweg suchen)
für jmdn. Partei, jmds. Partei nehmen (= in einem Streitfall rückhaltlos für jmdn. eintreten)
zu einem Problem, für jmdn. Stellung nehmen (= zu einem Problem einen bestimmten Standpunkt einnehmen, für jmdn. eintreten)
tätigen Anteil an etw. nehmen (= sich an etw. beteiligen)
an einem Problem, jmds. Schicksal regen, lebhaften, ehrlichen Anteil nehmen (= großes Interesse daran, Mitgefühl dafür zeigen)
von etw., jmdm. Besitz nehmen (= sich einer Sache, jmds. bemächtigen)
etw., jmd. hat einen großartigen, steilen Aufstieg, eine rasche Aufwärtsentwicklung, beachtliche Entwicklung genommen (= etw., jmd. hat sich rasch, beachtlich entwickelt, ist gut vorangekommen)
etw., jmd. hat einen großen, erfreulichen Aufschwung genommen (= etw., jmd. hat sich rasch, beachtlich entwickelt, ist gut vorangekommen) gehoben
etw. nimmt ein schlimmes, jähes Ende (= etw. endet schlimm, jäh)
etw. will kein Ende nehmen (= etw. hört nicht auf)
etw. nimmt seinen Anfang (= beginnt) gehoben
Aufstellung nehmen (= sich aufstellen) papierdeutsch
mit jmdm. Rücksprache nehmen (= mit jmdm. eine Aussprache, ein erneutes Gespräch führen) papierdeutsch
etw. nimmt von etw. seinen Ausgang (= etw. geht von etw. aus) papierdeutsch
Anlauf (zum Sprung, Wurf) nehmen (= sich durch Laufen den nötigen Schwung geben) Sport
Anlauf zur Arbeit, einen neuen Anlauf zu dem Geständnis nehmen (= dazu ansetzen)
jmdn., etw. aufs Korn nehmen (= jmdn., etw. beobachten, auf jmdn., etw. besondere Aufmerksamkeit richten) umgangssprachlich
etw. in Arbeit nehmen (= an etw. zu arbeiten beginnen)
etw. in Gebrauch, Betrieb, Dienst nehmen (= etw. zu gebrauchen beginnen)
etw. in Benutzung nehmen (= etw. zu gebrauchen beginnen) papierdeutsch
etw., jmdn. in Anspruch nehmen (= etw., jmdn. beanspruchen)
jmdn., etw. in Beschlag nehmen (= jmdn., etw. völlig für sich beanspruchen)
etw., jmdn. in Augenschein nehmen (= etw., jmdn. ansehen, betrachten)
etw. für jmdn., jmdn. für etw. in Aussicht nehmen (= etw. für jmdn., jmdn. für etw. vorsehen)
jmdn. ins Verhör nehmen (= jmdn. verhören)
jmdn. (tüchtig) ins Gebet nehmen (= jmdm. Vorhaltungen machen, mit Fragen zusetzen) umgangssprachlich
etw. in Besitz nehmen (= sich etw. aneignen, zu eigen machen)
etw. in Empfang nehmen (= sich etw. geben, aushändigen lassen)
jmdn. in Empfang nehmen (= jmdn. begrüßen und begleiten) umgangssprachlich
jmdn. in Schutz nehmen (= jmds. Verhalten entschuldigen, jmdn. verteidigen)
sich (vor etw., jmdm.) in Acht nehmen (= sich vorsehen, sich hüten)
etw. in Acht nehmen (= auf etw. achten, mit etw. sorgfältig umgehen)
etw. zu Hilfe nehmen (= etw. zur Unterstützung verwenden)
etw. zum Anlass nehmen (= durch etw. veranlasst werden)
(sich) [Dativ] jmdn. zum Vorbild nehmen (= jmdm. nacheifern)
etw. zu Protokoll nehmen (= etw. notieren, im Protokoll festhalten)
etw. zur Kenntnis nehmen (= etw. vermerken, ins Bewusstsein aufnehmen) papierdeutsch
es wird sicher einmal ein schlechtes Ende mit mir nehmen (= ich werde schlimm enden) [Feuchtw.Tag313]
Platz nehmensich setzen
Beispiele:
er hatte am Tisch, auf dem Sofa, neben der Hausfrau Platz genommen
das Wort nehmen (= das Wort ergreifen, zur Sache sprechen)
Schaden nehmenzu Schaden kommen, beschädigt werden
Beispiele:
der Fahrer, das Auto hatte bei dem Unfall keinen Schaden genommen
wenn sie fürchtete, ich könnte ... Schaden nehmen an meiner Seele [G. Hauptm.4,180]
etw. in Angriff nehmenetw. beginnen
Beispiel:
er nimmt die Arbeit, Aufgabe, dieses Projekt in Angriff
20.
sich nehmen veraltet sich benehmen, verhalten
Beispiel:
Ich weiß mich in dieser Sache nicht zu nehmen [LessingMinnaII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nehmen · benehmen · benommen · Benommenheit · unbenommen · Benehmen · Benimm · unternehmen · Unternehmen · Unternehmer · vernehmen · Vernehmung · vernehmlich · Nahme
nehmen Vb. ‘mit den Händen ergreifen, fassen, wegnehmen, entziehen’, ahd. neman (8. Jh.), mhd. nemen, asächs. niman, neman, mnd. mnl. nēmen, nl. nemen, aengl. niman, engl. (älter) to nim, anord. nema, got. niman (germ. *neman) sind vergleichbar mit griech. némein (νέμειν) ‘aus-, ver-, ordnungsgemäß zuteilen, lenken, leiten, verwalten, sich aneignen, besitzen, bebauen, Weideland zuteilen, (ab)weiden, verzehren’, lett. (mit sekundärer Palatalisierung des Anlauts) n̹emt, awest. nəmah- ‘Darlehen’, air. nem ‘Gift’, lat. numerus ‘Zahl, Anzahl’, lit. núoma, núomas, lett. noma ‘Miete, Pacht’, so daß eine Wurzel ie. *nem- ‘zuteilen, nehmen’ (von der Vorstellung der hingestreckten Hand), auch (von ‘zuteilen’ ausgehend) ‘anordnen, rechnen, zählen’ angesetzt werden kann. benehmen Vb. ‘wegnehmen, entziehen’, ahd. bineman (8. Jh.), mhd. benemen; refl. ‘sich verhalten, sich aufführen’, anfangs ‘sich besprechen, mit jmdm. verständigen’ (18. Jh.). benommen Part.adj. ‘schwindlig, betäubt’ (19. Jh.), eigentl. ‘weggenommen, behindert’; Benommenheit f. ‘das Gefühl, keinen klaren Kopf zu haben, Betäubtheit’ (Mitte 19. Jh.). unbenommen Part.adj. ‘nicht verwehrt, unversagt’, eigentl. ‘unbehindert’, meist in der Fügung unbenommen sein, mhd. unbenomen sīn. Benehmen n. ‘das Verhalten nach Regeln von Sitte und Takt (im Umgang mit Menschen)’ (1. Hälfte 18. Jh.); dazu umgangssprachlich Benimm m. (19. Jh.). unternehmen Vb. ‘beginnen, betreiben, machen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.); vgl. ahd. untarneman ‘unterbrechen, dazwischentreten’ (10. Jh.), mhd. undernemen ‘abschneiden, unterbrechen, verhindern, wegnehmen’, refl. ‘sich gegenseitig fassen, sich jmds. annehmen, etw. übernehmen, antreten’; Unternehmen n. ‘was unternommen wird, Vorhaben, Absicht’ (Anfang 17. Jh.), auch ‘wirtschaftliche Unternehmung, Betrieb’ (18. Jh.), dazu Unternehmer m. ‘wer einen Gewerbe- oder Industriebetrieb besitzt (und leitet)’ (18. Jh.), nach engl. undertaker, frz. entrepreneur; älter allgemein ‘wer etw. in die Wege leitet’ (Ende 17. Jh.). vernehmen Vb. ‘geistig erfassen und aufnehmen, hören, verstehen’, ahd. firneman ‘verstehen, verbrauchen’, auch ‘zur Kenntnis nehmen, erkennen’ (8. Jh.), mhd. vernemen ‘fest-, gefangennehmen, (an)hören, erfahren, erfassen, begreifen’; als Ausdruck der Gerichtssprache ‘jmdn. befragen und anhören, verhören’ (18. Jh.); Vernehmung f. ‘geistige Erfassung’ (15. Jh.), ‘gerichtliches Verhör’ (Ende 17. Jh.); vernehmlich Adj. ‘hörbar, laut, deutlich’ (18. Jh.), älter ‘mit einem der Sinne wahrnehmbar’, auch ‘verständig, klug’ (15. Jh.). Nahme f. ‘das Nehmen, das Gewonnene’, ahd. nāma ‘Beschlagnahme, Ergreifung’ (um 800), mhd. nāme ‘gewaltsames Nehmen, Raub, Beute’, Verbalabstraktum zu nehmen; heute nur in Präfixbildungen wie Abnahme (17. Jh.), Annahme (15. Jh.), Aufnahme (15. Jh.), Einnahme (15. Jh.), Entnahme (18. Jh.), Übernahme, (mhd. übernāme), Zunahme (Mitte 17. Jh.), die von den entsprechenden Präfixverben abgeleitet sind.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
(sich) bedienen · ↗(sich) nehmen · ↗zugreifen · ↗zulangen · ↗zuschlagen  ●  ↗reinhauen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Betriebsart ...) fahren · (sich) einer Sache bedienen · ↗(zu etwas) heranziehen · ↗anwenden · ↗benutzen · ↗benützen · ↗einsetzen · ↗gebrauchen · greifen zu · ↗handhaben · in Gebrauch nehmen · in die Hand nehmen · ↗nutzen · ↗nützen · ↗verwenden · zum Einsatz bringen  ●  ↗adhibieren  geh., veraltet · ↗applizieren  geh. · deployen  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) greifen · ↗(sich) schnappen · ↗ergreifen · ↗fassen · ↗festhalten · in die Hand nehmen · nicht aus der Hand geben · nicht loslassen · ↗packen
Assoziationen
Synonymgruppe
(einfach) mitnehmen · ↗(sich) (ungerechtfertigterweise) aneignen · ↗(sich) einverleiben · (sich) vergreifen an · (ungerechtfertigterweise) in seinen Besitz bringen · an sich bringen · an sich nehmen · ↗einheimsen · ↗erbeuten · ↗erjagen · zugespielt bekommen  ●  ↗(sich) zueignen  juristisch · ↗kapern  fig. · (einen) Fitsch machen  ugs., rheinisch · (sich an etwas) gesund stoßen  ugs. · ↗(sich) (einfach) nehmen  ugs. · (sich) an Land ziehen  ugs. · ↗(sich) grabschen  ugs. · ↗(sich) grapschen  ugs. · ↗(sich) greifen  ugs. · ↗(sich) gönnen  ugs. · ↗(sich) krallen  ugs. · (sich) reinpfeifen  ugs. · ↗(sich) reinziehen  ugs. · ↗(sich) schnappen  ugs. · (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · ↗abgreifen  ugs. · ↗absahnen  ugs. · ↗abstauben (u.a. Sport)  ugs. · ↗einsacken  ugs. · ↗einstreichen  ugs. · ↗ergattern  ugs. · ↗erwischen  ugs. · mitgehen lassen  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Angriff Anspruch Betrieb Hand Kauf Kenntnis Lupe Rücksicht Stellung abnimmt annimmt aufnimmt ausnimmt ein einnimmt entgegennimmt er ernst festnahm hinnehmen ich mitnahm sie teilnehmen vornimmt wahrnimmt wir zunimmt zurücknimmt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nehmen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wusste, genau genommen, nicht mehr, warum sie ihn geheiratet hatte.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 63
Der siebzehnjährige Phil erzählt ihrer aller Geschichte, nimmt sich dafür ein Jahr.
Die Zeit, 08.04.1998, Nr. 17
Auch in der Produktion nach 1945 nimmt gerade die Plastik aus B. einen wichtigen Platz ein.
o. A.: Lexikon der Kunst - B. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 4112
Nun kann man nicht gut sämtliche Zimmer aus diesem Holz nehmen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 17.03.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Mein Mann nahm sich dann die Tochter und ich behielt mir den Sohn.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Grafen Komarowski vor dem Schwurgericht zu Venedig. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 844
Zitationshilfe
„nehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nehmen>, abgerufen am 22.10.2017.

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