nervig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungner-vig
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›nervig‹ als Erstglied: ↗Nervigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

sehnig, kräftig, kraftvoll
Beispiele:
er hat nervige Arme, Hände
ein schlanker, nerviger Mann
Er ergriff ihn [den Maßkrug] ... und hob ihn nervig an die Lippen [H. Mann2,182]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nerv · nervig · nervös · Nervosität · entnerven · enervieren
Nerv m. aus parallel verlaufenden Fasern bestehender, von Bindegewebe umhüllter Strang des Nervensystems, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus lat. nervus ‘Sehne, Flechse, Muskel, Nerv, aus Tiersehnen, Därmen Verfertigtes (Saite, Bogensehne, Fußfessel), Kraft, Spannkraft’, verwandt mit griech. né͞uron (νεῦρον) ‘Sehne, Faser, Bogensehne, Schnur, Saite, Nerv’ (s. ↗Neuro-). Nach Auffassung der antiken Medizin sind Sehnen und Nerven identisch oder wesensverwandt und werden demzufolge mit derselben Bezeichnung benannt. Im 16. Jh. vollzieht die medizinische Fachsprache eine begriffliche Begrenzung des Wortes auf ‘Nerv’, die sich aber in der Allgemeinsprache erst im 19. Jh. durchsetzt. Im Dt. halten sich bis ins 18. Jh. die Bedeutungen ‘Band, Sehne, Muskel’ (wofür in älterer Sprache Ader), bis ins 19. Jh. ‘Bogensehne, Saite’; daneben ist Nerv (seit Anfang 18. Jh.) ‘Leiter von Empfindungen und Bewegungen, Sinnesleiter’ (wohl unter Einfluß von engl. nerve) nach der Lehre des schottischen Arztes R. Wytt (2. Hälfte 18. Jh.) und der sich entwickelnden Psychiatrie, in deren Gefolge Nervenkrankheiten zur Modeerscheinung werden. Übertragen (17. Jh.) ‘innere Kraft, Wesen, Gehalt’; vgl. auch auf die Nerven fallen ‘nervös machen’ (2. Hälfte 17. Jh.). nervig Adj. ‘sehnig, muskulös, kraftvoll’ (18. Jh.), nervicht (Anfang 18. Jh.). nervös Adj. ‘die Nerven betreffend, an schwachen Nerven leidend, reizbar, erregt’ (vgl. nervoese und hypochondrische Krankheiten, 1758), mit dieser Bedeutung unter Einfluß von engl. nervous älteren Gebrauch (1. Hälfte 18. Jh.) im Sinne von ‘nervig, stark, kräftig’, auch ‘kraftvoll, nachdrücklich’ (von Ausdruck und Rede), nach frz. nerveux (afrz. nervos) ‘nervig, kräftig’, zurückdrängend. Zuvor (Mitte 17. Jh.) gilt im Dt. nervos ‘kräftig, kernig’, (von der Rede) ‘nachdrücklich’, dann (Anfang 18. Jh.) ‘mit Nerven versehen, aus Nerven bestehend’, und (vereinzelt Ende 17. Jh.) nervosisch ‘mit Nerven versehen’, beide aus lat. nervōsus ‘sehnig, muskulös, kraftvoll, kernig’. Nervosität f. ‘Nervenschwäche, Empfindlichkeit, Reizbarkeit, krankhafter Zustand der Nerven’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. nervosité, zuvor vereinzelt ‘Kraft, Stärke’ (Ende 18. Jh.), nach mfrz. frz. (älter) nervosité ‘Stärke, (Widerstands)kraft, Sehnigkeit’, dieses entlehnt aus lat. nervōsitās (Genitiv nervōsitātis) ‘Stärke einer Faser, Kraft’. entnerven Vb. ‘entkräften, der Nervenkraft berauben, nervlich erschöpfen’ tritt (Ende 17. Jh.) neben nur wenig älteres, in demselben Sinne gebrauchtes enervieren Vb. (2. Hälfte 17. Jh.), dies nach gleichbed. mfrz. énerver, afrz. soi esnerver ‘sich verweichlichen’ (entlehnt aus lat. ēnervāre ‘die Nerven herausnehmen, der Nerven entledigen, schwächen, entkräften’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(auf die Dauer o.ä. ziemlich) anstrengend · ↗leidig · ↗lästig · nervend · nervig · störend · ↗unliebsam · ↗ärgerlich
Assoziationen
  • (die) Augen verdrehen · (mit den) Augen rollen
Synonymgruppe
belastend · ↗beschwerlich · ↗lästig · ↗mühevoll · ↗mühselig · ↗schwer · ↗verdrießlich  ●  in mühevoller Kleinarbeit  floskelhaft · ↗anstrengend  ugs. · nervig  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angelegenheit Bengel Bruder Deutsche Faust Geräusch Nachbar Parkplatzsuche Popsong Spruch Stau Ton Typ Warten Wartezeit Werbung anstrengend aufregend empfinden erfinden genauso manchmal oft schon ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nervig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Außerdem ist es ziemlich nervig, Szenen in Autos zu drehen.
Die Zeit, 10.08.2009, Nr. 32
Etwas nervig wird es allerdings, wenn ein Wort korrigiert werden muss.
Der Tagesspiegel, 23.12.2000
Sein nerviger Kopf glich dem seines Pferdes, beide waren von trockener Rassigkeit.
Dwinger, Edwin Erich: Die letzten Reiter, Jena: Eugen Diederichs 1935, S. 17
Eigen ist seiner Musik ein poetischer Schwung, eine faßliche Melodik und ein nerviger Rhythmus.
Refardt, Edgar: Huber. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1957], S. 37743
So schwebte um diesen nervigen, gebräunten Freiluftmenschen etwas wie ein weihevolles Geheimnis.
Musil, Robert: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1983 [1906], S. 1
Zitationshilfe
„nervig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nervig>, abgerufen am 22.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Nervenzusammenbruch
Nervenzucken
Nervenzerrüttung
nervenzerrüttend
Nervenzentrum
Nervigkeit
Nervinum
nervlich
nervös
Nervosität