neutral

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungneu-tral · neut-ral
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›neutral‹ als Erstglied: ↗neutralisieren  ·  mit ›neutral‹ als Grundform: ↗-neutral · ↗Neutrale
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
an einer (kriegerischen) Auseinandersetzung nicht beteiligt, keiner der streitenden Parteien angehörend, keine der streitenden Parteien unterstützend
a)
nicht am Krieg beteiligt
Beispiele:
ein Land bleibt neutral
die Schweiz war während des 2. Weltkrieges neutral
ein neutraler Staat, ein neutrales Land
das neutrale Ausland
eine neutrale Zone (= Gebiet innerhalb eines Kriegsgebietes, in dem keine Kampfhandlungen stattfinden)
das Treffen fand an einem neutralen Ort statt
b)
ständige Neutralität wahrend
Beispiel:
das neutrale Österreich
c)
eine Politik der positiven, aktiven Neutralität betreibend
Beispiele:
die Gruppe der neutralen Staaten
die neutralen Teilnehmer der Abrüstungskonferenz
d)
unparteiisch, unbeteiligt, sich der Stellungnahme enthaltend
Beispiele:
sich in einem Streit neutral verhalten
eine neutrale Haltung, Position einnehmen
ein neutraler Beobachter, Vermittler
ein Gespräch in neutralen (= keine widerstreitenden Interessen berührende) Bahnen, auf ein neutrales Thema lenken
Wir stehen nicht auf dem Standpunkt ..., daß die Gewerkschaften politisch neutral zu bleiben haben [Thälm.Reden1,225]
2.
Beispiele:
eine neutrale (= in der Zusammenstellung mit anderen Farben nicht zur Disharmonie führende) Farbe
grau, beige sind neutrale Farben
ein Kleid, eine Jacke, Tapete in neutralem Farbton
3.
Beispiel:
ein neutraler (= nicht mit dem Zeichen des Besitzers bedruckter) Briefbogen, Briefumschlag
4.
Chemie weder sauer noch basisch (reagierend)
Beispiel:
eine Lösung, die neutral reagiert
5.
Physik elektrisch neutralnicht elektrisch geladen
Beispiel:
Ein jedes elektrisch neutrale chemische Atom besteht aus einer gewissen Anzahl von Protonen, die fest miteinander zusammenhängen [PlanckWeltbild16]
6.
Sprachwissenschaft
Beispiel:
das neutrale Geschlecht (= das sächliche Geschlecht)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

neutral · Neutralität · neutralisieren · Neutralisation
neutral Adj. ‘unbeteiligt, unparteiisch, als Staat sich nicht an Kriegen oder an militärischen Bündnissen beteiligend’. Mlat. neutralis, Fortsetzung von (nur als grammatischer Terminus bezeugtem) spätlat. neutrālis (s. unten) wird (Mitte 16. Jh.) in die Sprache der Politik entlehnt, später (Ende 18. Jh.) in der Bedeutung ‘weder sauer noch basisch reagierend’ in die der Naturwissenschaften; heute auch ‘zu allem passend’. Als Fachwort der Grammatik wird neutral ‘sächlichen Geschlechts’ im 19. Jh. geläufig, nach spätlat. neutrālis ‘sächlich’, zu lat. neuter (s. ↗Neutrum); verdeutscht durch keingeschlechtig (17. Jh.). Neutralität f. ‘Nichteinmischung, Nichtbeteiligung an Kriegen, militärischen Bündnissen, unparteiisches Verhalten’, entlehnt (Mitte 15. Jh.) aus mlat. neutralitas (Genitiv neutralitatis) ‘Zustand des Nichtgebundenseins an eine von mehreren Seiten oder Parteien’; in seiner Verbreitung durch frz. neutralité (14. Jh.) gefördert. neutralisieren Vb. ‘neutral, unwirksam machen’ (Ende 18. Jh.), in der Chemie ‘saure Reaktion durch Basen und basische Reaktion durch Säuren aufheben’ (um 1800); vgl. frz. neutraliser. Dazu Neutralisation f. (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
neutral · parteifrei · ↗parteilos · ↗unparteiisch · ↗wertfrei
Assoziationen
  • Partei · politische Partei  ●  politische Kraft  ugs.
  • parteifreie Regierung · parteilose Regierung
  • nicht parteigebunden · von (politischen) Parteien unabhängig · über den (politischen) Parteien stehend  ●  ↗überparteilich  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atom Beobachter Boden Fahrverhalten Gewichtung Gutachter Haltung Instanz Kleinstaat Sachverständiger Schiedsgericht Schiffahrt Schlichter Status Teilchen Terrain Vermittler Zone beurteilen blockfrei einstufen gewichten nichtpaktgebunden objektiv parteipolitisch unabhängig unparteiisch verhalten weltanschaulich Österreich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›neutral‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Analysten erhöhten daher ihr Rating von "Neutral" auf "Übergewichten".
Die Welt, 25.02.2002
Jemand hat ein neutrales Interesse daran, sie als einsame Funktion in seine Berechnungen einzufügen.
Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 194
Jedenfalls ist eine Rede über Grundsätzliches an einem neutraleren Ort gut aufgehoben.
Der Tagesspiegel, 28.01.2000
Daraus erklärt sich auch seine Wirkung in einzelnen neutralen Ländern.
Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 299
Sollte man nicht vor das deutsche Wort den neutralen Artikel setzen?
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1939. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1939], S. 166
Zitationshilfe
„neutral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/neutral>, abgerufen am 22.10.2019.

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