Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

nicken

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈnɪkn̩]
Worttrennung ni-cken
Wortbildung  mit ›nicken‹ als Erstglied: Nicker1 · Nickkrampf · Nickmoment
 ·  mit ›nicken‹ als Letztglied: abnicken · einnicken2 · zunicken
eWDG

Bedeutung

den Kopf senken und wieder heben
a)
den Kopf senken und wieder heben zum Zeichen der Bejahung, Zustimmung
Beispiele:
»ja, gewiss«, sagte er und nickte
er antwortete nicht, nickte nur stumm, kurz, einmal, mehrmals
mit dem Kopfe nicken
beifällig, zustimmend, entschieden, freudig, nachdenklich, anerkennend, zufrieden, verständnisvoll nicken
sie begleitete ihre Antwort mit eifrigem Nicken (des Kopfes)
Gabriele, in ihrer lässigen Art … nickte Zustimmung [ Feuchtw.Füchse353]
b)
den Kopf senken und wieder heben zum Zeichen des Grußes
Beispiele:
grüßend nicken
er grüßte mit kurzem Nicken
»Gute Nacht«, sagte sie … und nickte lächelnd [ RennKrieg244]
bildlich
Beispiele:
Blumen, Blüten nicken (= bewegen sich auf und nieder) im Wind
die Federn auf ihrem Hut nickten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nicken1 · nicken2 · einnicken
nicken1 Vb. ‘(den Kopf) auf und ab bewegen, niederbeugen’ (zum Zeichen des Grußes oder der Bestätigung), ahd. (h)nicken (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. nicken, nl. nikken. Das nur im Kontinentalwestgerm. bezeugte schwache Verb (dän. nikke, schwed. nicka sind aus dem Mnd. entlehnt) ist ein Kausativum mit Intensivgemination zu dem unter neigen (s. d.) dargestellten Verb, also eigentlich ‘niedersinken machen, zur Verneigung bringen’ (zum Zeichen der Unterwerfung). In früher Zeit in breiter (vielfach übertragener) Verwendung, ausgehend von (transitiv) ‘jmdn. niederbeugen, -drücken’, (intransitiv) ‘sich niederbeugen, niedersinken’, z. B. ahd. mhd. ‘(nieder)beugen, niederdrücken, abweichen’ sowie ‘(durch Körper- bzw. Kopfbewegung) sich (hin)neigen, zustimmen, zuerkennen’; vgl. auch ahd. bi(h)nicken ‘erdrücken, übertölpeln, überwältigen, verbergen’, mhd. benicken ‘(sich) beugen, niederdrücken’, ahd. gi(h)nicken ‘jmdn. etw. antun, hart bedrücken, überwältigen’, mhd. genicken ‘(sich) neigen, sinken, demütigen’, ahd. fir(h)nicken ‘vernichten, zerstören, vereiteln’, mhd. vernicken ‘herabbeugen, unterdrücken, demütigen’, ahd. int(h)nicken ‘sich niederlassen, niederkauern, senken’, ahd. nidar(h)nicken ‘zusammenziehen, niederdrücken, übertölpen’. Im Frühnhd. schwächt sich diese Bedeutungsvielfalt ab, im Nhd. nur noch meist intransitiv (mit dem Kopf, mit den Augen) nicken, seltener transitiv (den Kopf, Dank, Zustimmung) nicken. Vom heutigen Standpunkt aus ist hierherzustellen seit dem Ahd. bezeugtes nicken2 Vb. ‘leicht und kurz schlafen’, das, obwohl auf anderer Grundlage beruhend, im Nhd. mit nicken1 (s. d.) lautlich und, im Sinne von ‘im Sitzen (ein)schlafen, wobei der Kopf nach vorn sinkt’, auch semantisch zusammengefallen ist. Vgl. ahd. intnucken (10./11. Jh.), mhd. entnucken, entnücken, entnicken ‘einschlafen, entschlummern’, auch nhd. (obd.) entnucken ‘(sitzend) einschlafen’; hierzu auch schweiz. Nuck ‘Schläfchen, kurzer Schlummer’, dafür hd. Nickerchen, ein Nickerchen machen. Auszugehen ist von mhd. nücken bzw. (md.) nucken ‘den Kopf bewegen, (vom Pferd) stutzen, mit sinkendem Kopf einschlafen’, mnd. nucken ‘drohend oder trotzig den Kopf bewegen’. Umlauthemmendes -kk- ist noch wirksam in den Mundarten (bair. schweiz. nucken), sonst nücken, das sich entrundet leicht an nicken1 anschließt. Heute vornehmlich einnicken Vb. ‘in einen leichten Schlaf, Schlummer fallen, im Sitzen einschlafen’ (18. Jh.); bildlich ‘friedlich und sanft sterben’ (20. Jh.). Die Herkunft dieses Verbs ist im Hinblick auf den zugrundeliegenden abweichenden Stammvokal -u- unklar. Zu ie. *neug-, einer Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *neu- ‘einen Ruck machen, nicken, winken’, wozu lat. nuere ‘nicken, sich neigen’? Oder mit Nacken, Nocken (s. d.) zu ie. *kneg-, *kneug-, einer Bildung zu der nur erweitert darstellbaren Wurzel ie. *ken- ‘zusammendrücken, knicken’? Oder lediglich eine intensivierende Lautvariante zu nicken1 (s. oben)?

Typische Verbindungen zu ›nicken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nicken‹.

Verwendungsbeispiele für ›nicken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frau, an die sie die Frage richtete, nickte gleichgültig. [Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6828]
Er nickte, obwohl es ihm sehr schwer fiel, seinen Kopf zu bewegen. [Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 702]
Man begann, ihn mit einem Lächeln zu grüßen, er nickte gefällig. [Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 20]
Der Dichter, der das Flüstern wohl verstanden hatte, nickte lächelnd und goß auch dem französischen Arzt Tee in die Schale. [Krüss, James: Mein Urgroßvater und ich, Hamburg: Oetinger 1959, S. 223]
Aber sie schaute mit groß geöffneten Augen auf ihn, in denen etwas wie trauriger Ernst stand, und nickte bedeutungsvoll. [Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 625]
Zitationshilfe
„nicken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nicken#1>.

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nicken

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ni-cken
Wortbildung  mit ›nicken‹ als Erstglied: Nicker2  ·  mit ›nicken‹ als Letztglied: einnicken1
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich (im Sitzen) kurz und leicht schlafen
Beispiele:
nach dem Essen ein bisschen nicken
er hatte nur ein wenig genickt
er nickte in seinem Lehnstuhl
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nicken1 · nicken2 · einnicken
nicken1 Vb. ‘(den Kopf) auf und ab bewegen, niederbeugen’ (zum Zeichen des Grußes oder der Bestätigung), ahd. (h)nicken (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. nicken, nl. nikken. Das nur im Kontinentalwestgerm. bezeugte schwache Verb (dän. nikke, schwed. nicka sind aus dem Mnd. entlehnt) ist ein Kausativum mit Intensivgemination zu dem unter neigen (s. d.) dargestellten Verb, also eigentlich ‘niedersinken machen, zur Verneigung bringen’ (zum Zeichen der Unterwerfung). In früher Zeit in breiter (vielfach übertragener) Verwendung, ausgehend von (transitiv) ‘jmdn. niederbeugen, -drücken’, (intransitiv) ‘sich niederbeugen, niedersinken’, z. B. ahd. mhd. ‘(nieder)beugen, niederdrücken, abweichen’ sowie ‘(durch Körper- bzw. Kopfbewegung) sich (hin)neigen, zustimmen, zuerkennen’; vgl. auch ahd. bi(h)nicken ‘erdrücken, übertölpeln, überwältigen, verbergen’, mhd. benicken ‘(sich) beugen, niederdrücken’, ahd. gi(h)nicken ‘jmdn. etw. antun, hart bedrücken, überwältigen’, mhd. genicken ‘(sich) neigen, sinken, demütigen’, ahd. fir(h)nicken ‘vernichten, zerstören, vereiteln’, mhd. vernicken ‘herabbeugen, unterdrücken, demütigen’, ahd. int(h)nicken ‘sich niederlassen, niederkauern, senken’, ahd. nidar(h)nicken ‘zusammenziehen, niederdrücken, übertölpen’. Im Frühnhd. schwächt sich diese Bedeutungsvielfalt ab, im Nhd. nur noch meist intransitiv (mit dem Kopf, mit den Augen) nicken, seltener transitiv (den Kopf, Dank, Zustimmung) nicken. Vom heutigen Standpunkt aus ist hierherzustellen seit dem Ahd. bezeugtes nicken2 Vb. ‘leicht und kurz schlafen’, das, obwohl auf anderer Grundlage beruhend, im Nhd. mit nicken1 (s. d.) lautlich und, im Sinne von ‘im Sitzen (ein)schlafen, wobei der Kopf nach vorn sinkt’, auch semantisch zusammengefallen ist. Vgl. ahd. intnucken (10./11. Jh.), mhd. entnucken, entnücken, entnicken ‘einschlafen, entschlummern’, auch nhd. (obd.) entnucken ‘(sitzend) einschlafen’; hierzu auch schweiz. Nuck ‘Schläfchen, kurzer Schlummer’, dafür hd. Nickerchen, ein Nickerchen machen. Auszugehen ist von mhd. nücken bzw. (md.) nucken ‘den Kopf bewegen, (vom Pferd) stutzen, mit sinkendem Kopf einschlafen’, mnd. nucken ‘drohend oder trotzig den Kopf bewegen’. Umlauthemmendes -kk- ist noch wirksam in den Mundarten (bair. schweiz. nucken), sonst nücken, das sich entrundet leicht an nicken1 anschließt. Heute vornehmlich einnicken Vb. ‘in einen leichten Schlaf, Schlummer fallen, im Sitzen einschlafen’ (18. Jh.); bildlich ‘friedlich und sanft sterben’ (20. Jh.). Die Herkunft dieses Verbs ist im Hinblick auf den zugrundeliegenden abweichenden Stammvokal -u- unklar. Zu ie. *neug-, einer Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *neu- ‘einen Ruck machen, nicken, winken’, wozu lat. nuere ‘nicken, sich neigen’? Oder mit Nacken, Nocken (s. d.) zu ie. *kneg-, *kneug-, einer Bildung zu der nur erweitert darstellbaren Wurzel ie. *ken- ‘zusammendrücken, knicken’? Oder lediglich eine intensivierende Lautvariante zu nicken1 (s. oben)?

Typische Verbindungen zu ›nicken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nicken‹.

Verwendungsbeispiele für ›nicken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich nickte ins Zimmer zurück, und wir gingen zum Ausgang. [Widmer, Urs: Im Kongo, Zürich: Diogenes 1996, S. 106]
Er nickte, obwohl es ihm sehr schwer fiel, seinen Kopf zu bewegen. [Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 702]
Seine Schwester nickte dabei – und wie das so ist, gab ein Wort das andere. [Die Zeit, 28.02.1997, Nr. 10]
Wer den Kopf schon verloren hat, braucht nicht mehr zu nicken. [Der Spiegel, 01.04.1985]
Man begann, ihn mit einem Lächeln zu grüßen, er nickte gefällig. [Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 20]
Zitationshilfe
„nicken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nicken#2>.

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