nieder

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungnie-der
Wortbildung mit ›nieder‹ als Erstglied: ↗Niederdeutsch · ↗Niederdruck · ↗Niederflurwagen · ↗Niederfrequenz · ↗Niedergang2 · ↗Niederholz · ↗Niederkunft · ↗Niederlage1 · ↗Niederschachtofen · ↗Niederspannung · ↗Niederwald · ↗Niederwasser · ↗Niederwild · ↗niederdeutsch · ↗niederfrequent · ↗niedermolekular · ↗niederwärts
 ·  mit ›nieder‹ als Letztglied: ↗danieder  ·  mit ›nieder‹ als Grundform: ↗nieder-
eWDG, 1974

Bedeutung

hinab, hinunter, herab, herunter, zu Boden
a)
Militär
Beispiele:
auf – nieder! (= Befehl, aufzustehen und sich wieder hinzulegen)
»Eins, zwei, drei« ... »Auf ... nieder!« ... »Auf ... nieder [ZuchardtSpießrutenlauf7]
b)
übertragen nieder!Kampfruf; Aufforderung, etw. auszutilgen, jmdn. zu besiegen, jmds. Macht zu brechen
Beispiele:
nieder mit dem Krieg!
nieder mit ihm!
die Waffen nieder!
Nieder die Reichen! [HasencleverAntigoneI 3]
c)
auf und nieder
siehe auch auf² (4 b)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch ↗Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. ↗tragen, ↗Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort ↗hochdeutsch. nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von ↗hier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abwärts · ↗herab · ↗herunter · ↗hinab · ↗hinunter · nach unten · nieder · runter
Assoziationen
Synonymgruppe
minder... · ↗nieder... · ↗unter...

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Beweggrund Charge Dienstgrad Drehzahl Geistlichkeit Gerichtsbarkeit Gottheit Instinkt Kaste Kategorie Klerus Lebewesen Minne Organismus Rang Schicht Schichte Tatra Trieb Weihe Wirbeltier brennen knien legen metzeln prasseln schlagen stechen walzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nieder‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch waren die Künstler nicht lange dem niederen Status des Handwerkers entwachsen.
Der Tagesspiegel, 14.04.2004
Aber diesem Sieg folgte keine Entspannung; vielmehr griff die oppositionelle Bewegung nun rasch auf den niederen Adel über.
Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1465
Übrigens ist das niedere Volk für derartige freisinnige Ideen noch keineswegs empfänglich.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.02.1906
Indessen, auch schon der niedere Adel lebte viel einfacher als die hohen Herren.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 95
Auch ein Mann von niederem Rang konnte sich also gegen Unrecht auflehnen und sein Recht erkämpfen.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 5209
Zitationshilfe
„nieder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nieder#1>, abgerufen am 20.11.2019.

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nieder

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungnie-der
Wortbildung mit ›nieder‹ als Erstglied: ↗Niederjagd · ↗niederläufig · ↗niederohmig · ↗niedertourig · ↗niedrig
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
in einer (gesellschaftlichen) Rangordnung auf unterer Stufe stehend
entsprechend der Bedeutung von niedrig (3)
Beispiele:
ein niederer Offiziersrang
eine niedere Instanz
eine niedere Laufbahn
Religiondie niederen (vier) Weihen
Zoologiedie niederen Tiere (= die Wirbellosen)
Biologie, Chemie niedere Eiweiße, Fettsäuren
veraltet niederen Standes, niederer Herkunft sein
veraltetaus niedersten Kreisen stammen
abwertenddas niedere Volk
historischder niedere Adel
2.
entsprechend der Bedeutung von niedrig (4)
Beispiele:
niedere Gelüste, Instinkte
seine von niederer Eitelkeit eingegebenen Irrtümer [MusilMann712]
Gnädige Frau, Sie denken sehr nieder von uns [M. WalserÜberlebensgroß13]
3.
Grammatik: häufig attributiv
entsprechend der Bedeutung von niedrig (1)
a)
von geringer Höhe
Beispiele:
in einem niederen Raum, einer niederen Hütte
die Niedere Tatra
die Niederen Tauern
Jägersprachedie niedere Jagd (= Jagd auf Niederwild)
Hätte er nun schwarze Haare ... und eine niedere Stirn gehabt [MusilMann290]
in der Ecke ein Flügel, bequeme Sessel, nieder, riesig [DürrenmattPanne218]
b)
sich in geringer Höhe befindend
Beispiel:
jetzt zog eine niedere regenschwere Wolke über die Stadt [FlakeSchritt112]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch ↗Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. ↗tragen, ↗Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort ↗hochdeutsch. nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von ↗hier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abwärts · ↗herab · ↗herunter · ↗hinab · ↗hinunter · nach unten · nieder · runter
Assoziationen
Synonymgruppe
minder... · ↗nieder... · ↗unter...

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Beweggrund Charge Dienstgrad Drehzahl Geistlichkeit Gerichtsbarkeit Gottheit Instinkt Kaste Kategorie Klerus Lebewesen Minne Organismus Rang Schicht Schichte Tatra Trieb Weihe Wirbeltier brennen knien legen metzeln prasseln schlagen stechen walzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nieder‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch waren die Künstler nicht lange dem niederen Status des Handwerkers entwachsen.
Der Tagesspiegel, 14.04.2004
Aber diesem Sieg folgte keine Entspannung; vielmehr griff die oppositionelle Bewegung nun rasch auf den niederen Adel über.
Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1465
Übrigens ist das niedere Volk für derartige freisinnige Ideen noch keineswegs empfänglich.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.02.1906
Indessen, auch schon der niedere Adel lebte viel einfacher als die hohen Herren.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 95
Auch ein Mann von niederem Rang konnte sich also gegen Unrecht auflehnen und sein Recht erkämpfen.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 5209
Zitationshilfe
„nieder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nieder#2>, abgerufen am 20.11.2019.

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