Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

nieder

Grammatik Adverb
Aussprache  [ˈniːdɐ]
Worttrennung nie-der
Wortbildung  mit ›nieder‹ als Erstglied: Niederdruck · Niederflurbahn · Niederflurwagen · Niederfrequenz · Niedergang2 · Niederkunft · Niederlage1 · Niederschachtofen · Niederwald · Niederwasser · Niederwild · niederdeutsch · niederfrequent · niedermolekular · niederwärts
 ·  mit ›nieder‹ als Letztglied: danieder  ·  mit ›nieder‹ als Grundform: nieder-
eWDG

Bedeutung

hinab, hinunter, herab, herunter, zu Boden
a)
Militär
Beispiele:
auf – nieder! (= Befehl, aufzustehen und sich wieder hinzulegen)
»Eins, zwei, drei« … »Auf … nieder!« … »Auf … nieder [ ZuchardtSpießrutenlauf7]
b)
übertragen nieder!Kampfruf; Aufforderung, etw. auszutilgen, jmdn. zu besiegen, jmds. Macht zu brechen
Beispiele:
nieder mit dem Krieg!
nieder mit ihm!
die Waffen nieder!
Nieder die Reichen! [ HasencleverAntigoneI 3]
c)
auf und nieder
siehe auch auf² (4 b)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. – nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. tragen, Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort hochdeutsch. – nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von hier (s. d.).

Typische Verbindungen zu ›nieder‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nieder‹.

Verwendungsbeispiele für ›nieder‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Übrigens ist das niedere Volk für derartige freisinnige Ideen noch keineswegs empfänglich. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.02.1906]
Aber diesem Sieg folgte keine Entspannung; vielmehr griff die oppositionelle Bewegung nun rasch auf den niederen Adel über. [Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1465]
Doch sie setzte auch einen zweiten Job mit niederer Priorität auf. [C’t, 1992, Nr. 10]
Weil sie das als ihr wahres Feld ansehen, kommt bei Erfolgen niederer Ordnung keine Freude auf. [Die Zeit, 21.04.2005, Nr. 17]
In den nächsten Jahrzehnten soll saubere Industrie das „Niedere Tal“ kurieren. [Die Zeit, 26.06.1987, Nr. 27]
Zitationshilfe
„nieder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nieder#1>.

Weitere Informationen …

nieder

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [ˈniːdɐ]
Worttrennung nie-der
Wortbildung  mit ›nieder‹ als Erstglied: Niederalemannisch · Niederalemannische · Niederholz · Niederjagd · Niedermoor · Niederspannung · Niederung · niederläufig · niederohmig · niedertourig · niedrig
eWDG

Bedeutungen

1.
in einer (gesellschaftlichen) Rangordnung auf unterer Stufe stehend
entsprechend der Bedeutung von niedrig (3)
Beispiele:
ein niederer Offiziersrang
eine niedere Instanz
eine niedere Laufbahn
Religiondie niederen (vier) Weihen
Zoologiedie niederen Tiere (= die Wirbellosen)
Biologie, Chemie niedere Eiweiße, Fettsäuren
veraltet niederen Standes, niederer Herkunft sein
veraltetaus niedersten Kreisen stammen
abwertenddas niedere Volk
historischder niedere Adel
2.
entsprechend der Bedeutung von niedrig (4)
Beispiele:
niedere Gelüste, Instinkte
seine von niederer Eitelkeit eingegebenen Irrtümer [ MusilMann712]
Gnädige Frau, Sie denken sehr nieder von uns [ M. WalserÜberlebensgroß13]
3.
entsprechend der Bedeutung von niedrig (1)
Grammatik: häufig attributiv
a)
von geringer Höhe
Beispiele:
in einem niederen Raum, einer niederen Hütte
die Niedere Tatra
die Niederen Tauern
Jägersprachedie niedere Jagd (= Jagd auf Niederwild)
Hätte er nun schwarze Haare … und eine niedere Stirn gehabt [ MusilMann290]
in der Ecke ein Flügel, bequeme Sessel, nieder, riesig [ DürrenmattPanne218]
b)
sich in geringer Höhe befindend
Beispiel:
jetzt zog eine niedere regenschwere Wolke über die Stadt [ FlakeSchritt112]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. – nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. tragen, Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort hochdeutsch. – nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von hier (s. d.).

Typische Verbindungen zu ›nieder‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nieder‹.

Verwendungsbeispiele für ›nieder‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Übrigens ist das niedere Volk für derartige freisinnige Ideen noch keineswegs empfänglich. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.02.1906]
Aber diesem Sieg folgte keine Entspannung; vielmehr griff die oppositionelle Bewegung nun rasch auf den niederen Adel über. [Lutz, Heinrich: Der politische und religiöse Aufbruch Europas im 16. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1465]
Doch sie setzte auch einen zweiten Job mit niederer Priorität auf. [C’t, 1992, Nr. 10]
Weil sie das als ihr wahres Feld ansehen, kommt bei Erfolgen niederer Ordnung keine Freude auf. [Die Zeit, 21.04.2005, Nr. 17]
In den nächsten Jahrzehnten soll saubere Industrie das „Niedere Tal“ kurieren. [Die Zeit, 26.06.1987, Nr. 27]
Zitationshilfe
„nieder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nieder#2>.

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