niederträchtig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungnie-der-träch-tig
WortzerlegungNiedertracht-ig
Wortbildung mit ›niederträchtig‹ als Erstglied: ↗Niederträchtigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von Niedertracht (1 u. 2)
Beispiele:
ein niederträchtiger Kerl, Schurke
das ist niederträchtig (von ihm)
niederträchtig zu jmdm. sein
niederträchtig handeln
sich niederträchtig verhalten
ein niederträchtiges Benehmen
niederträchtige Lügen, Verleumdungen
seine Sätze und Artikel aber waren ... von infamer Bosheit, spitzfindig und niederträchtig [BredelVäter137]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch ↗Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. ↗tragen, ↗Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort ↗hochdeutsch. nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von ↗hier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erbärmlich · niederträchtig · ↗schandbar · ↗schnöde · ↗schändlich · ↗verachtenswert · ↗verächtlich  ●  eine Schande  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
arglistig · ↗boshaft · ↗bösartig · ↗böse · ↗fies · ↗garstig · ↗gehässig · ↗gemein · ↗hinterfotzig · ↗hundsgemein · niederträchtig · ↗perfid · ↗perfide · ↗ruchlos · ↗schuftig · ↗schurkisch · ↗schäbig · ↗schädlich · ↗tückisch · ↗verabscheuenswert · ↗verabscheuungswürdig · ↗verwerflich  ●  hundig  österr. · ↗verrucht  veraltend · ↗infam  geh. · ↗mies  ugs. · ↗schofel  ugs. · ↗übel  ugs. · über Leichen gehend  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
biestig · ↗charakterlos · ↗durchtrieben · ↗gemein · ↗heimtückisch · ↗hinterhältig · niederträchtig · ↗schurkisch · ↗tückisch  ●  ↗falsch  ugs. · ↗hinterfotzig  derb · ↗hundsgemein  ugs. · ↗link  ugs. · ↗schofel  ugs. · ↗schofelig  ugs., rheinisch
Assoziationen
Synonymgruppe
arglistig · ↗boshaft · ↗bösartig · ↗böswillig · ↗infam · mit finsteren Absichten · niederträchtig · ↗übelgesinnt · übelwollend  ●  ↗maliziös  bildungssprachlich · ↗dolos  fachspr., juristisch · üblen Sinnes  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
heimtückisch · ↗hinterhältig · ↗hinterlistig · hintertrieben · ↗intrigant · niederträchtig · ↗perfid · ↗perfide · ↗trickreich · ↗verräterisch · ↗verschlagen  ●  ↗hinterfotzig  derb · ↗link  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschlag Beleidigung Erfindung Feind Gemeinheit Handlung Kampagne Kerl Lüge Massenmord Motiv Schurke Tat Trick Verbrechen Verbrecher Verleumdung Verschwörung Weib Weise besonders böse derart dumm feig gemein grausam infam skrupellos widerlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›niederträchtig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war niederträchtig, seiner Frau zuzutrauen, es getan zu haben.
Hildebrandt, Dieter: Der Anbieter, Berlin: Verl. Volk und Welt 1994, S. 111
Aber sie sind auch niederträchtig, so unsagbar niederträchtig wie die ganze Schrift.
Die Zeit, 26.07.1956, Nr. 30
Jetzt werden wir ihn füttern, schreibt er wieder so niederträchtig, dann kriegt er nichts.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Dies macht die von der Führung gegen das eigene Volk getroffene Entscheidung um so bedenklicher und niederträchtiger.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1994]
Er kam sich selbst gemein und niederträchtig vor wie nie zuvor.
Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 66
Zitationshilfe
„niederträchtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/niederträchtig>, abgerufen am 11.12.2019.

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