nisten

GrammatikVerb · nistete, hat genistet
Aussprache
Worttrennungnis-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›nisten‹ als Erstglied: ↗Nisthöhle · ↗Nistkasten · ↗Nistplatz · ↗Niststätte
 ·  mit ›nisten‹ als Letztglied: ↗einnisten · ↗festnisten
eWDG, 1974

Bedeutung

ein Nest bauen und bewohnen
Beispiele:
im Weidengebüsch nisten Feldschwalben
Tauben nisten gern in der Nähe des Wassers
eine nistende Meise, Spinne
nistende Vögel
bildlich
Beispiel:
scherzhaft sich in den Sessel nisten (= es sich im Sessel bequem machen)
gehoben, übertragen
Beispiele:
eine unbestimmte Furcht, eine tiefe Traurigkeit nistete in ihrem Herzen
Der Hunger nistet nicht mehr in der Stadt [StrittmatterTinko353]
sich in etw. nistensich einnisten, festsetzen
Beispiel:
etwas ewig Beunruhigendes ... das sich unabwendbar ins friedliche Dasein der Leute nistete [O. M. GrafUnruhe44]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nest · Genist(e) · nisten · Nesthäkchen
Nest n. ‘Wohn- und Brutstätte (besonders der Vögel, Insekten), Bau, Höhle, Schlupfwinkel’, auch ‘Heim, Bett, abgelegenes Dorf’, ahd. nest (8. Jh.), mhd. nest, nist ‘Nest, Lager für Vögel oder Säugetiere’, mnd. mnl. nl. aengl. engl. nest (westgerm. *nista-, *nesta-) führen mit aind. nīḍám ‘Ruheplatz, Lager, Vogelnest’ sowie möglicherweise mit (volksetymologisch umgestalteten) lit. lìzdas, aslaw. gnězdo, russ. gnezdó (гнездо) ‘Nest’ auf neutrales ie. *nizdom ‘das Niedersetzen, Niedersitzen’ bzw. ‘Ort des Niedersitzens’, während aind. nīḍáḥ ‘Ruheplatz, Lager, Vogelnest’, lat. nīdus ‘Nest’, mir. net maskulines ie. *nizdos voraussetzen. Auszugehen ist (wie bei ähnlich gebildetem ↗Ast, s. d.) von einem Kompositum ie. *nizdo-, das sich aus in ↗nieder (s. d.) enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ und der Schwundstufe der Wurzel ie. *sed- (s. ↗sitzen) zusammensetzt. Erwogen wird auch eine Anknüpfung des ersten Kompositionsgliedes an ie. *eni ‘in’ (s. ↗in) bzw. ablautendes *ni- und Deutung als ‘Ort des Einsitzens’. Dazu das Kollektivum Genist(e) n. ‘das aus Halmen, Stroh u. dgl. zusammengefügte Nest’, mhd. geniste. nisten Vb. ‘ein Nest bauen, ein Nest bewohnen’, ahd. (um 1000), mhd. nisten, mnd. nesten. Nesthäkchen n. ‘zuletzt ausgebrütetes, im Nest hockendes Vögelchen, jüngstes Kind einer Ehe’ (18. Jh.) für älteres Nestheckel, Nestheckchen, Nesthöckchen, Nesthöckelchen (17. Jh.), zu ↗hocken (s. d.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baumhöhle Dohle Eisvogel Falte Fischreiher Fledermaus Gebälk Graureiher Kormoran Kranich Krähe Mauernische Mauersegler Pleitegeier Reiher Ritze Schwalbe Schwamm Schwarzstorch Seeadler Seevogel Specht Storch Taube Turmfalke Vogel Vogelart Wanderfalke brüten einnisten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nisten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn das nicht der Fall ist, verdoppelt es sich sofort und nistet sich an anderen Stellen ein.
konkret, 1984
In kleineren Gruppen fühlen sich die Tiere offenbar unsicher und wagen es daher nicht, zu nisten.
Süddeutsche Zeitung, 29.12.1994
Nun aber nistet quälende Unzufriedenheit in allen Winkeln seines Wesens.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 230
In den eisgrauen Augen, die stets so unangenehm forschend und eigensinnig gewirkt hatten, nistete eine müde, abweisende Gleichgültigkeit.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 803
Es waren aber Tauben, die auf einem Dach genistet hatten.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 16.11.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16597
Zitationshilfe
„nisten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nisten>, abgerufen am 19.02.2019.

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