nolens volens

Grammatik Mehrwortausdruck · meist adverbiell
Aussprache  [ˈnoːləns ˈvoːləns]
Herkunft nōlens vōlenslat ‘nicht wollend wollend’ < nōllelat ‘nicht wollen’ + vellelat ‘wollen’
Duden GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

bildungssprachlich ob man will oder nichtDWDS;
wohl oder übel, notgedrungen
Beispiele:
Nordkoreaner sind nolens volens ein Leben ohne Internet gewohnt. Selbst in den Ministerien hat nur ein exklusiver Kreis Zugang zum World Wide Web. [Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2017]
Den Verlust unseres nicht ganz unbedeutenden Vermögens innerhalb von zwei Stunden musste ich nolens volens verkraften. Was ich [als Vertriebener] […] bis zum heutigen Tage immer noch nicht restlos verkraftet habe, ist der Verlust meiner unvergessenen östlichen Heimat. [Münchner Merkur, 18.06.2019]
Georgien wurde nolens volens Mitglied in der GUS (= Gemeinschaft Unabhängiger Staaten), und russische Friedenstruppen in Südossetien und Abchasien wurden praktisch zum Schutzschild für die separatistischen Führungen in beiden Provinzen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006]
Die Bundeskulturstiftung, mag sie auch föderalismusfreundlich im anhaltischen Halle ihre Schreibtische einrichten, wird nolens volens zu einer berlinlastigen Einrichtung werden. Im Hintergrund erörtern Strategen […] bereits die Idee, die neue Stiftung eines Tages mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu verschmelzen. [Der Tagesspiegel, 03.02.2002]
Ungeschminkt lässt [Autor Richard] Lourie Stalin über seine Kindheit, seine Zeit als junger Revolutionär und Terrorist, seinen Aufstieg zur Alleinherrschaft über die Partei und den Sowjetstaat erzählen und liefert den Leser damit schonungslos der messerscharfen, paranoiden Logik des Diktators aus. […] nach der Lektüre muss man, nolens volens, zugeben, dass man Stalin jetzt besser versteht. [Die Zeit, 14.10.1999, Nr. 42]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
gezwungenermaßen · ↗notgedrungen · ob jemand will oder nicht · ↗unfreiwillig · wider Willen · ↗widerwillig · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwangsweise  ●  (auch) gegen ihren Willen  weibl. · (auch) gegen seinen Willen  männl. · ↗schweren Herzens  fig. · (eine / diese) Kröte schlucken (müssen)  ugs., fig. · (eine / diese) bittere Pille schlucken (müssen)  ugs., fig. · der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe (geflügeltes Wort)  geh. · in den sauren Apfel beißen (müssen und)  ugs., fig. · nolens volens  geh., lat. · ↗zähneknirschend  ugs., fig.
Assoziationen
  • trotzig · ↗unfreiwillig · ↗ungern · ↗widerwillig  ●  ↗schweren Herzens  ugs.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · (sich) fügen (in) · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · (sich) d(a)reinfinden  geh., veraltet · (sich) dreinschicken (in)  geh., veraltend · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • Akt der Verzweiflung · ↗Verzweiflungstat · aus der Not geboren (sein) · verzweifelter Versuch
  • (etwas) zu tun haben · (sich) genötigt sehen · (sich) gezwungen sehen · (sich) veranlasst sehen · genötigt sein · gezwungen sein · ↗müssen · nicht anders können, als... · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (zu) · tun müssen  ●  (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh. · (sich) bemüßigt sehen (zu)  geh.
  • (es gibt) keine andere Möglichkeit · (es gibt) keinen anderen Ausweg · (sich) nicht vermeiden lassen · als einzige Möglichkeit (bleiben) · ↗alternativlos (sein) · das einzige sein, was geht · es gibt keine Alternative (zu) · es muss sein · keine andere Möglichkeit sehen · keinen (anderen) Ausweg finden · nicht anders können (und) · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (um) · nichts anderes tun können (als) · unvermeidbar sein  ●  (an etwas) führt kein Weg vorbei  fig. · (an etwas) geht kein Weg vorbei.  fig. · (etwas) geht nicht anders  Hauptform · In der Not frisst der Teufel Fliegen.  Sprichwort · die einzige Möglichkeit sein  Hauptform · es sich nicht (immer) aussuchen können  Spruch · Es muss (einfach).  ugs., Spruch · Wat mutt, dat mutt.  ugs., Sprichwort, norddeutsch · anders geht's (nun mal) nicht  ugs. · nicht d(a)rum herumkommen  ugs.
  • (seinen) Widerstand aufgeben · ↗(sich) abfinden · keine (weiteren) Einwände erheben  ●  (zu allem) Ja und Amen sagen  ugs.
  • notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwingend  ●  nolens volens  geh., lat.
  • Beugemann · ↗Bückling · ↗Ergebenheitsbekundung · ↗Kniefall · ↗Kotau · ↗Kratzfuß · ↗Selbsterniedrigung · ↗Unterwerfung  ●  ↗Unterwerfungsgeste  Hauptform · ↗Proskynese  geh., veraltet, historisch
  • durch Anwendung von Gewalt · ↗gewaltsam · unter Anwendung von Gewalt · ↗zwangsweise  ●  (durch / unter) Anwendung unmittelbaren Zwangs  fachspr., juristisch · (durch / unter) Anwendung von unmittelbarem Zwang  fachspr., juristisch · durch unmittelbaren Zwang  fachspr., juristisch
Synonymgruppe
notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwingend  ●  nolens volens  geh., lat.
Assoziationen
Zitationshilfe
„nolens volens“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nolens%20volens>, abgerufen am 11.04.2021.

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