nominal

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [nomiˈnaːl]
Worttrennung no-mi-nal
Wortbildung  mit ›nominal‹ als Erstglied: Nominalbetrag · Nominaleinkommen · Nominalform · Nominalgruppe · Nominalist · Nominalkompositum · Nominallohn · Nominalphrase · Nominalpräfix · Nominalstil · Nominalwert · Nominalzins · nominalisieren
Herkunft aus nōminālislat ‘den Namen betreffend’, zu nōmenlat ‘Name, Benennung’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Sprachwissenschaft] das Nomen betreffend
    1. ● [spezieller] mit dem Nomen gebildet
  2. 2. [Wirtschaft] dem Nennwert nach, nicht preisbereinigt
  3. 3. dem Namen nach (aber nicht tatsächlich)
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Sprachwissenschaft das Nomen betreffend
Beispiele:
die nominale Deklination
Wir betrachten, welchen Ausdruck nominale Kategorien wie Kasus, Numerus, Genus und verbale Kategorien wie Person, Tempus/Aspekt/Modus und Diathese in den Sprachen der Welt haben und welche typologischen Generalisierungen sich in diesem Rahmen aufstellen lassen. [Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät, 18.04.2020, aufgerufen am 01.09.2020]ZDL
Ariane Reimann kommt in ihrer Dissertation von 1997 (Universität Bamberg) zu dem Urteil, dass sich der Infinitiv der Rheinischen Verlaufsform »in einem Zwischenstadium zwischen nominalen und verbalem Infinitiv befindet«, und da er dort vermutlich am Sich‑Entwickeln ist, wollen wir ihn nicht länger stören. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.2014]ZDL
Der Streit, ob die Urworte, von denen die Sprache ihren Ausgang nahm, verbale oder nominale Natur besaßen, ob sie Dingbezeichnungen oder Tätigkeitsbezeichnungen gewesen seien, hat die Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie lange Zeit lebhaft bewegt. [Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1994 [1923], S. 233]ZDL
spezieller mit dem Nomen gebildet
Beispiele:
Wir Deutschen werden gerne dafür verspottet, dass wir so lange Wörter benutzen. Beliebtes Bandwurmbeispiel (!) ist der Donaudampfschifffahrtskapitän; unbegrenzt fortsetzbar als Donaudampfschifffahrtskapitänspatentserteilungsbehörde usw. Vor allem unsere Behördensprache kommt ohne nominale Wortungetüme scheinbar nicht aus. [Thüringer Allgemeine, 19.10.2019]ZDL
Auch die Satzklammer, die verbale mehr als die nominale – in Sätzen wie Er kam, nachdem, vorbei – macht Deutsch nicht leichter, verleiht seiner Syntax jedoch Flexibilität und Beziehungsvielfalt. [Frankfurter Rundschau, 26.03.2002]ZDL
Es geht klar daraus hervor, daß die nominalen Umschreibungen notwendige Sprachgebilde unserer stark differenzierenden Gegenwartssprache sind[.] [ Dt. Literaturzeitg.1966]
An der Stelle, wo […] [manche] Sprachen Präpositionen oder Postpositionen zum Ausdruck räumlicher Verhältnisse zu verwenden pflegen, begegnen demgemäß in den Sprachen der Naturvölker fast durchweg nominale Ausdrücke, die entweder selbst Namen von Körperteilen sind oder deutlich auf solche zurückgehen. [Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1994 [1923], S. 159]ZDL
2.
Wirtschaft dem Nennwert (1) nach, nicht preisbereinigtZDL
Gegenwort zu real (3)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: das nominale Bruttoinlandsprodukt, Bruttosozialprodukt, Umsatzplus, Umsatzminus; der nominale Steuersatz, Umsatzzuwachs; eine nominale Nullrunde, Lohnerhöhung
als Adverbialbestimmung: nominal zulegen, umsetzen, betragen, zunehmen, sinken
in Koordination: nominal und real, effektiv
Beispiele:
[…] für die Umsätze der Unternehmen ist die nominale Rate entscheidend, also inklusive der Inflation, denn diese ist ja auch in den Firmengewinnen enthalten. [Die Welt, 08.08.2020]
Doch diese Rechnung geht nur nominal auf, nicht aber real, also bei Berücksichtigung der Kaufkraft. [Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2021]
Im ersten Halbjahr brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereinigt um Preiserhöhungen (real) um 39,7 Prozent ein, nominal verbuchte die Branche ein Minus von 38,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. [Süddeutsche Zeitung, 20.08.2020]
Auch die Finanzmärkte geben sich mehr als gelassen. Ihre Inflationserwartung, die sich aus der Renditedifferenz zwischen nominalen und inflationsindexierten Bundesanleihen ergibt, betrug für die nächsten zehn Jahre Anfang dieses Jahres noch ein Prozent pro Jahr. [Die Welt, 12.05.2020]
allgemeiner Auf Druck der CSU werden nun bis 2030 weniger Windräder als geplant an Land aufgestellt. Um das auszugleichen, sollen mehr Solarfelder errichtet werden. Das Problem daran ist, dass ein Windpark mit der nominal gleichen Leistung wie ein Sonnenkraftwerk im Betrieb dreimal so viel Strom erzeugt. [Landshuter Zeitung, 10.10.2019]
Bei dem Ausbruche des Konkurses habe die Firma noch 400.000 Mk. bei der Konkursmasse anzumelden gehabt und außerdem eine halbe Million nominal Leipziger Bankaktien besessen, die ziemlich hoch in den Büchern gestanden hätten, durch den Konkurs aber werthlos geworden seien. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 04.03.1903]
3.
dem Namen nach (aber nicht tatsächlich)ZDL
Beispiele:
Anderseits gehen sie davon aus, dass die nominalen Besitzer dieser Firmen nur ihren Namen geben für Putins Eigentum und dieser den aufwendigen Lebensstil seiner Familienmitglieder damit finanziert. [Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2021]
Es ist das erste Mal, dass sich beide Teams auf Augenhöhe, sprich: in der gleichen Liga, duellieren. […] Die Gastgeber werden dem nominalen Favoriten sicher einen heißen Tanz bereiten, denn bekanntlich ist die Nigl‑Truppe ein eingeschworener Haufen, der an einem guten Tag gegen jeden Gegner bestehen kann. [Mittelbayerische, 09.10.2019]
Donald Trumps Bücher sind Bestseller in dem mit strenger Hand geführten Gottesstaat [Iran]. Denn dort klaffen das nominale Leben, das von der Regierung und ihrer Auslegung des Islam mit autoritärer Hand geregelt und kontrolliert wird, und die alltägliche Realität weit auseinander. [Rhein-Zeitung, 31.05.2019]
Die Parteizeitung »Rodong Sinmun« pries das Wahlsystem als »das überlegenste der Welt«. Tatsächlich ist die Parlamentswahl in Nordkorea eine Farce. Zwar gibt es nominal mehrere Parteien, doch praktisch existiert ein Einparteiensystem. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 11.03.2019]
Die Deutschen Christen waren im wesentlichen Nationalsozialisten, die für ein nur nominal christliches Glaubensbekenntnis eintraten, das in Wirklichkeit ein Abklatsch der NS‑Ideologie war: Kampf gegen Marxismus, Kampf gegen Juden, gegen Freimaurer, Kampf für die Reinheit der Rasse usw. [Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur. Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 227]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nomen · nominieren · nominal · nominell · Nomination · Nominativ · Nomenklatur
Nomen n. (Plur. Nomina) deklinierbares Wort (Substantiv, Adjektiv, Pronomen), als grammatischer Terminus Übernahme (16. Jh.) von lat. nōmen ‘Name, Benennung’. nominieren Vb. ‘(be)nennen, bezeichnen, namhaft machen, für ein Amt namentlich vorschlagen, ernennen’ (16. Jh.), aus gleichbed. lat. nōmināre. nominal Adj. ‘zum Namen gehörig, das Nomen betreffend’, entlehnt (18. Jh., wohl unter Einfluß von frz. nominal, doch im 17. Jh. bereits in lat. Form in dt. Texten) aus gleichbed. lat. nōminālis. nominell Adj. ‘dem Namen nach, angeblich’ (Anfang 19. Jh.), französierend (s. reell) mit Suffixtausch älteres gleichbed. nominal verdrängend, das jedoch in Zusammensetzungen der grammatischen Terminologie wie Nominalsatz, Nominalstil eingegangen ist. Nomination f. ‘Benennung eines Bewerbers für ein Bischofsamt, Ernennung eines bischöflichen Beamten’, entlehnt aus lat. nōminātio (Genitiv nōminātiōnis) ‘(Be)nennung, Vorschlag’. Nominativ m. erster Fall der deutschen Deklination, in der römischen Grammatik spätlat. (cāsus) nōminātīvus, das in die frühen dt. Grammatiken übernommen wird. Nominativ mit Abfall der lat. Endung seit Stieler (1691), in dt. Übersetzung Nennendung, Nenner, Täther (17. Jh.), Nennfall (Gottsched). Lat. nōminātīvus Adj. ‘zur Nennung gehörig’, zu lat. nōmināre (s. oben). Nomenklatur f. ‘Namenverzeichnis, Gesamtheit der Fachausdrücke eines Wissensgebiets, Fachwortschatz’, entlehnt (17. Jh) aus lat. nōmenclātūra ‘Namenverzeichnis’, einer Bildung zu lat. nōmenclāre ‘mit Namen nennen’, lat. nōmen (s. oben) und lat. calāre ‘(aus)rufen’.

Typische Verbindungen zu ›nominal‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nominal‹.

Zitationshilfe
„nominal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nominal>, abgerufen am 26.01.2022.

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