notdürftig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung not-dürf-tig
Wortbildung  mit ›notdürftig‹ als Erstglied: ↗Notdürftigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

nicht befriedigend, nur knapp ausreichend
Beispiele:
der Verletzte wurde notdürftig verbunden
der Raum war notdürftig erhellt
das Kind war nur notdürftig bekleidet
die Maschine konnte nur notdürftig (= oberflächlich) repariert werden
eine notdürftige Unterkunft
über deren Lehnen man Schürzen und Tücher zum notdürftigen Schutze gegen das Licht hängte [ G. Hauptm.4,7]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Not · nötig · nötigen · Nötigung · Notbehelf · Notdurft · notdürftig · Notdürftigkeit · notgedrungen · Notlüge · Notnagel · Notpfennig · Notstand · Notwehr · notwendig · Notwendigkeit · Notzucht · notzüchtigen
Not f. ‘Armut, Elend, Mangel, schwierige Lage, Bedrängnis, Mühe, Schwierigkeit, Zwang’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. nōt, asächs. nōd, mnl. noot, nl. nood, afries. nēd, aengl. níed, nēd, engl. need (Plur. needs ‘Bedürfnisse’), anord. nauð, nauðr, schwed. nöd, got. nauþs (germ. *naudi- f.) führt als Abstraktbildung mit ti-Suffix wie apreuß. nautin (Akkusativ) ‘Not’, vielleicht im Anschluß an Verben wie lit. nõvyti ‘bedrücken, vernichten, quälen’, aslaw. unyti ‘verzagen, nachlässig werden’, russ. nyt’ (ныть) ‘anhaltend dumpf schmerzen’, mit aslaw. nǫžda, nužda ‘Zwang, Gewalt, Notwendigkeit’, russ. (älter) nudá (нуда) ‘Zwang, Nötigung, Not’, russ. nuždá (нужда) ‘Not Armut, Elend’ auf eine Wurzel ie. *nāu-, *nəu-, *nū- ‘Tod, Leiche’, verbal ‘bis zur Erschöpfung abquälen, ermattet zusammensinken’. nötig Adj. ‘dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig’, ahd. nōtag, nōtīg ‘in Not, bedrängt’ (9. Jh.), mhd. nōtec, nōtic, nœtic ‘Not habend, bedrängt, dürftig, notwendig, dringend, eilig’. nötigen Vb. ‘jmdn. auffordern, dringend bitten, etw. zu tun’, in der Rechtssprache ‘jmdn. mit Gewalt oder Drohung dazu bringen, etw. zu tun, zu dulden oder zu unterlassen’, ahd. nōtagōn (um 1000), mhd. nōtegen, nōtigen, auch ‘notzüchtigen’, neben gleichbed. frühnhd. nöten, ahd. nōten ‘Gewalt, Zwang antun, drängen’ (8. Jh.); vgl. asächs. nōdian, aengl. nīedan, anord. neyða, got. nauþjan ‘zwingen’. Nötigung f. ‘das Genötigtwerden, Zwang’, ahd. nōtigunga (um 1000), frühnhd. notigung (15. Jh.). Notbehelf m. ‘notdürftiger Behelf, unzureichendes Ersatzmittel’ (Anfang 18. Jh.). Notdurft f. ‘Ausscheidung aus Darm und Blase’, älter ‘zum Leben Nötiges’, heute nur noch in der Wendung seine Notdurft verrichten ‘Darm und Blase entleeren’ (17. Jh.), vgl. mhd. sīne nōtdurft tuon. Ahd. nōtthurft (8. Jh.), mhd. nōtdurft ‘Notwendigkeit, Not, (natürliches) Bedürfnis, Bedarf an notwendigen Dingen (zum Lebensunterhalt)’, asächs. nōdthurft ‘Notwendigkeit, Bedarf an notwendigen Dingen, zwingendes Bedürfnis’, mnl. nootdorft, nl. nooddruft, afries. nēdthreft, got. naudiþaúrfts, zusammengesetzt mit dem schwundstufigen ti-Abstraktum ahd. thurft, mhd. durft, got. þaúrfts ‘Bedürfnis’ (germ. *þurfti-, s. ↗dürftig); notdürftig Adj. ‘nicht befriedigend, behelfsmäßig, nur knapp ausreichend’, mhd. nōtdürftic ‘nötig, notwendig, bedürftig’; Notdürftigkeit f. mhd. nōtdürfticheit ‘Notwendigkeit, Bedürfnis, Erfordernis’, eigentlich ‘was man notwendig braucht’. notgedrungen Adj. ‘aus dringender Notwendigkeit gezwungen, weil es nicht anders geht’ (18. Jh.), eigentlich Part. Prät. von veraltetem notdringen ‘mit Not drängen, nötigen, zwingen’. Notlüge f. ‘durch Not erzwungene Lüge mit dem Ziel, Schaden zu verhindern oder einer Verlegenheit zu entgehen’ (Ende 16. Jh.). Notnagel m. ‘Ersatz, Aushilfe, Lückenbüßer’ (Anfang 18. Jh.). Notpfennig m. ‘für Zeiten der Not aufgespartes Geld’ (17. Jh.). Notstand m. ‘Zustand der Not, der Bedrängnis, gefahrdrohender Zustand’ (17. Jh.). Notwehr f. ‘von einem akuten Notfall erzwungene Verteidigung’ (gegen körperlichen Angriff), mhd. nōtwer. notwendig Adj. ‘nötig, unbedingt erforderlich’, eigentlich ‘geeignet, die Not zu wenden’ (1. Hälfte 16. Jh.), und (nur in älterer Sprache) ‘notgedrungen, sehr dringend, unaufschiebbar’, eigentlich ‘durch Not hervorgebracht’ (ebenfalls 1. Hälfte 16. Jh.); daraus ‘in der Natur der Sache liegend, unvermeidbar’ (18. Jh.), vgl. notwendige Konsequenz; dazu Notwendigkeit f. (16. Jh.). Notzucht f. ‘Vergewaltigung’ (16. Jh.), Rückbildung aus mhd. (rhein.) nōtzühten, das eigentlich wie ahd. nōtzogōn (10. Jh.), mhd. nōtzogen ‘mit Zwang (Not) eine Frau fortziehen, eine Frau rauben’ bedeutet; notzüchtigen Vb. ‘eine Frau vergewaltigen’, mhd. nōtzühtigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
knapp · ↗konzis · ↗kurz · notdürftig
Synonymgruppe
aushilfsweise · ↗behelfsmäßig · ↗behelfsweise · ↗ersatzweise · ↗hilfsweise · improvisiert · nicht vollwertig · notdürftig · ↗probeweise · ↗provisorisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›notdürftig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

AusbesserungBeispielsätze anzeigen BehausungBeispielsätze anzeigen ReparaturBeispielsätze anzeigen ausgebessertBeispielsätze anzeigen befriedetBeispielsätze anzeigen bekleidetBeispielsätze anzeigen bemäntelnBeispielsätze anzeigen errichtetBeispielsätze anzeigen flickenBeispielsätze anzeigen geflicktBeispielsätze anzeigen getarntBeispielsätze anzeigen gezimmertBeispielsätze anzeigen hergerichtetBeispielsätze anzeigen kaschierenBeispielsätze anzeigen kaschiertBeispielsätze anzeigen kittenBeispielsätze anzeigen reparierenBeispielsätze anzeigen repariertBeispielsätze anzeigen verdeckenBeispielsätze anzeigen verhüllenBeispielsätze anzeigen verhülltBeispielsätze anzeigen wiederhergestelltBeispielsätze anzeigen zusammenflickenBeispielsätze anzeigen zusammengeflicktBeispielsätze anzeigen zusammengehaltenBeispielsätze anzeigen zusammengenageltBeispielsätze anzeigen zusammengeschustertBeispielsätze anzeigen zusammengezimmertBeispielsätze anzeigen überdeckenBeispielsätze anzeigen übertünchenBeispielsätze anzeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›notdürftig‹.

Verwendungsbeispiele für ›notdürftig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Vater reparierte es notdürftig, in drei Tagen sollten Handwerker anrücken, um es zu erneuern.
Bild, 20.07.2000
Viele hielten ihr notdürftig zusammengesuchtes Hab und Gut trotz des Sturms fest.
Die Welt, 28.12.1999
Wenn man einen »Leck« hat, kann man sich notdürftig kurieren!
Altenberg, Peter: Pròdromos. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1906], S. 834
Bis zu der wieder notdürftig zusammengenagelten Haustür sog Veit immer wieder gierig diesen unwirklichen Duft in sich hinein.
Röhrig, Tilman: In dreihundert Jahren vielleicht, Würzburg: Arena 1984 [1983], S. 81
Die Wassersportler haben längst festgemacht unter nur noch notdürftig bergenden Zweigen.
Lenz, Siegfried: Deutschstunde, Hamburg: Hoffmann u. Campe 1997 [1968], S. 387
Zitationshilfe
„notdürftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/notd%C3%BCrftig>, abgerufen am 30.11.2020.

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