notgedrungen

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungnot-ge-drun-gen (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

weil es nicht anders geht
Beispiele:
notgedrungen habe ich ihr die Tasche zum Geschenk machen müssen
er gehorchte notgedrungen
Der Zeuge mußte notgedrungen / der Tötung beiwohnen [P. WeissErmittlung11]
aus dringender Notwendigkeit gezwungen
Beispiele:
er hat sich notgedrungen zur Sparsamkeit erzogen
wo mir eine Mark dreißig lebenswichtig waren, / ja, notgedrungen, ich sie zählte [BennDestillationen23]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Not · nötig · nötigen · Nötigung · Notbehelf · Notdurft · notdürftig · Notdürftigkeit · notgedrungen · Notlüge · Notnagel · Notpfennig · Notstand · Notwehr · notwendig · Notwendigkeit · Notzucht · notzüchtigen
Not f. ‘Armut, Elend, Mangel, schwierige Lage, Bedrängnis, Mühe, Schwierigkeit, Zwang’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. nōt, asächs. nōd, mnl. noot, nl. nood, afries. nēd, aengl. níed, nēd, engl. need (Plur. needs ‘Bedürfnisse’), anord. nauð, nauðr, schwed. nöd, got. nauþs (germ. *naudi- f.) führt als Abstraktbildung mit ti-Suffix wie apreuß. nautin (Akkusativ) ‘Not’, vielleicht im Anschluß an Verben wie lit. nõvyti ‘bedrücken, vernichten, quälen’, aslaw. unyti ‘verzagen, nachlässig werden’, russ. nyt’ (ныть) ‘anhaltend dumpf schmerzen’, mit aslaw. nǫžda, nužda ‘Zwang, Gewalt, Notwendigkeit’, russ. (älter) nudá (нуда) ‘Zwang, Nötigung, Not’, russ. nuždá (нужда) ‘Not Armut, Elend’ auf eine Wurzel ie. *nāu-, *nəu-, *nū- ‘Tod, Leiche’, verbal ‘bis zur Erschöpfung abquälen, ermattet zusammensinken’. nötig Adj. ‘dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig’, ahd. nōtag, nōtīg ‘in Not, bedrängt’ (9. Jh.), mhd. nōtec, nōtic, nœtic ‘Not habend, bedrängt, dürftig, notwendig, dringend, eilig’. nötigen Vb. ‘jmdn. auffordern, dringend bitten, etw. zu tun’, in der Rechtssprache ‘jmdn. mit Gewalt oder Drohung dazu bringen, etw. zu tun, zu dulden oder zu unterlassen’, ahd. nōtagōn (um 1000), mhd. nōtegen, nōtigen, auch ‘notzüchtigen’, neben gleichbed. frühnhd. nöten, ahd. nōten ‘Gewalt, Zwang antun, drängen’ (8. Jh.); vgl. asächs. nōdian, aengl. nīedan, anord. neyða, got. nauþjan ‘zwingen’. Nötigung f. ‘das Genötigtwerden, Zwang’, ahd. nōtigunga (um 1000), frühnhd. notigung (15. Jh.). Notbehelf m. ‘notdürftiger Behelf, unzureichendes Ersatzmittel’ (Anfang 18. Jh.). Notdurft f. ‘Ausscheidung aus Darm und Blase’, älter ‘zum Leben Nötiges’, heute nur noch in der Wendung seine Notdurft verrichten ‘Darm und Blase entleeren’ (17. Jh.), vgl. mhd. sīne nōtdurft tuon. Ahd. nōtthurft (8. Jh.), mhd. nōtdurft ‘Notwendigkeit, Not, (natürliches) Bedürfnis, Bedarf an notwendigen Dingen (zum Lebensunterhalt)’, asächs. nōdthurft ‘Notwendigkeit, Bedarf an notwendigen Dingen, zwingendes Bedürfnis’, mnl. nootdorft, nl. nooddruft, afries. nēdthreft, got. naudiþaúrfts, zusammengesetzt mit dem schwundstufigen ti-Abstraktum ahd. thurft, mhd. durft, got. þaúrfts ‘Bedürfnis’ (germ. *þurfti-, s. ↗dürftig); notdürftig Adj. ‘nicht befriedigend, behelfsmäßig, nur knapp ausreichend’, mhd. nōtdürftic ‘nötig, notwendig, bedürftig’; Notdürftigkeit f. mhd. nōtdürfticheit ‘Notwendigkeit, Bedürfnis, Erfordernis’, eigentlich ‘was man notwendig braucht’. notgedrungen Adj. ‘aus dringender Notwendigkeit gezwungen, weil es nicht anders geht’ (18. Jh.), eigentlich Part. Prät. von veraltetem notdringen ‘mit Not drängen, nötigen, zwingen’. Notlüge f. ‘durch Not erzwungene Lüge mit dem Ziel, Schaden zu verhindern oder einer Verlegenheit zu entgehen’ (Ende 16. Jh.). Notnagel m. ‘Ersatz, Aushilfe, Lückenbüßer’ (Anfang 18. Jh.). Notpfennig m. ‘für Zeiten der Not aufgespartes Geld’ (17. Jh.). Notstand m. ‘Zustand der Not, der Bedrängnis, gefahrdrohender Zustand’ (17. Jh.). Notwehr f. ‘von einem akuten Notfall erzwungene Verteidigung’ (gegen körperlichen Angriff), mhd. nōtwer. notwendig Adj. ‘nötig, unbedingt erforderlich’, eigentlich ‘geeignet, die Not zu wenden’ (1. Hälfte 16. Jh.), und (nur in älterer Sprache) ‘notgedrungen, sehr dringend, unaufschiebbar’, eigentlich ‘durch Not hervorgebracht’ (ebenfalls 1. Hälfte 16. Jh.); daraus ‘in der Natur der Sache liegend, unvermeidbar’ (18. Jh.), vgl. notwendige Konsequenz; dazu Notwendigkeit f. (16. Jh.). Notzucht f. ‘Vergewaltigung’ (16. Jh.), Rückbildung aus mhd. (rhein.) nōtzühten, das eigentlich wie ahd. nōtzogōn (10. Jh.), mhd. nōtzogen ‘mit Zwang (Not) eine Frau fortziehen, eine Frau rauben’ bedeutet; notzüchtigen Vb. ‘eine Frau vergewaltigen’, mhd. nōtzühtigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(auch) gegen ihren Willen · (auch) gegen seinen Willen · ↗gezwungenermaßen · notgedrungen · ob jemand will oder nicht · ↗unfreiwillig · wider Willen · ↗widerwillig · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwangsweise  ●  schweren Herzens  fig. · (eine / diese) Kröte schlucken (müssen)  ugs., fig. · (eine / diese) bittere Pille schlucken (müssen)  ugs., fig. · der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe (geflügeltes Wort)  geh. · in den sauren Apfel beißen (müssen und)  ugs., fig. · ↗nolens volens  geh., lat. · ↗zähneknirschend  ugs., fig.
Assoziationen
  • trotzig · ↗unfreiwillig · ↗ungern · ↗widerwillig  ●  schweren Herzens  ugs.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · ↗(sich) fügen · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · ↗(sich) dareinfinden  geh., veraltet · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • Akt der Verzweiflung · ↗Verzweiflungstat · aus der Not geboren (sein) · verzweifelter Versuch
  • (etwas) zu tun haben · (sich) bemüßigt fühlen (zu) · (sich) bemüßigt sehen (zu) · (sich) genötigt sehen · (sich) gezwungen sehen · (sich) veranlasst sehen · genötigt sein · gezwungen sein · ↗müssen · nicht anders können, als... · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (zu) · tun müssen
  • (es gibt) keine andere Möglichkeit · (es gibt) keinen anderen Ausweg · (sich) nicht vermeiden lassen · als einzige Möglichkeit (bleiben) · ↗alternativlos (sein) · alternativlos sein · das einzige sein, was geht · die einzige Möglichkeit sein · es gibt keine Alternative (zu) · es gibt keine andere Möglichkeit · es muss sein · keine andere Möglichkeit sehen · keinen (anderen) Ausweg finden · nicht anders können (und) · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (um) · nichts anderes tun können (als) · unvermeidbar sein  ●  (an etwas) führt kein Weg vorbei  fig. · (an etwas) geht kein Weg vorbei.  fig. · (etwas) geht nicht anders  Hauptform · In der Not frisst der Teufel Fliegen.  Sprichwort · es sich nicht (immer) aussuchen können  Spruch · Es muss (einfach).  ugs., Spruch · Wat mutt, dat mutt.  ugs., Sprichwort, norddeutsch · anders geht's (nun mal) nicht  ugs. · nicht d(a)rum herumkommen  ugs.
  • (seinen) Widerstand aufgeben · ↗(sich) abfinden · keine (weiteren) Einwände erheben  ●  (zu allem) Ja und Amen sagen  ugs.
  • notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwingend  ●  ↗nolens volens  geh., lat.
  • Beugemann · ↗Bückling · ↗Ergebenheitsbekundung · ↗Kniefall · ↗Kotau · ↗Kratzfuß · ↗Selbsterniedrigung · ↗Unterwerfung  ●  ↗Unterwerfungsgeste  Hauptform · ↗Proskynese  geh., veraltet, historisch
Synonymgruppe
notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · ↗zwingend  ●  ↗nolens volens  geh., lat.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Verzicht abfinden akzeptieren also anpassen arrangieren ausweichen begeben begnügen beschränken beugen diesmal eher einhergehen einlassen einwilligen entschließen freiwillig mitmachen mitziehen nachziehen teils tolerieren umsehen umsteigen umstellen verzichten zurückgreifen zustimmen zuwenden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›notgedrungen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein großes Haus muß nicht notgedrungen auch ein Haus der weiten Wege sein, aber hier scheint das zuzutreffen.
Der Tagesspiegel, 13.06.1998
Der größte Teil der konservativen Autoren glaubte sich notgedrungen arrangieren zu müssen.
Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 7737
Und eilig hatte es notgedrungen nun auch die junge Frau.
Die Zeit, 21.10.1966, Nr. 43
Auch mit dem geistlichen Vorbehalt fand er sich notgedrungen ab.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1937, S. 232
Da zog ich mich notgedrungen von der körperlichen Arbeit zurück.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 4422
Zitationshilfe
„notgedrungen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/notgedrungen>, abgerufen am 21.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Notgeburt
Notfrist
Notfrequenz
Notflagge
Notfeuer
notgeil
Notgeld
Notgemeinschaft
Notgesetz
Notgespräch