nur

GrammatikAdverb
Aussprache
Wortbildung mit ›nur‹ als Erstglied: ↗Nurhausfrau
eWDG, 1974

Bedeutungen

I.
1.
bezieht sich auf Satzglieder und auf Gliedsätze
schließt andere(s) aus   nicht mehr als, nichts anderes als, nichts weiter als, niemand anders als, niemand weiter als
Beispiele:
das hat nur zehn Euro gekostet
nur einer hat gefehlt
ich habe nur (noch) fünf Euro
er ist nur ein wenig größer als du
ich war nur einmal dort
ich war nur eine Woche verreist
ich habe heute nur fünf Stunden geschlafen
alle waren eingeladen, nur ich, nur wir beide nicht
nur du, du nur kommst dafür in Frage
das war doch nur Spaß
wir sind auch nur Menschen
ich bin nur Laie auf diesem Gebiet
ich habe es nur ihm erzählt
ich tue nur meine Pflicht
ich habe nur Gutes von ihm gehört
du kannst alles haben, nur das lass mir
sie denken nur an ihr Vergnügen
die Tür war nur angelehnt
das habe ich nur zum Schein getan
ich bin nur müde
ich will das nur schnell fertigmachen
ich wollte dir nur sagen, dass ...
hier kann niemand helfen noch auch nur raten
»warst du im Ausland?« »Nein, ich war nur in Thüringen«
nur wenn du artig bist, darfst du mitkommen
du darfst nur mitkommen, wenn du artig bist
nicht nur, dass er frech war, er hat sogar gelogen
das ist nicht nur für die Fachleute von Interesse
Das dürfen wir doch gar nicht ... Wir sind ja nur Kinder [KästnerLottchen42]
Er sprang auf. Nur heim, heim, irgendwo zu Hause sein [St. ZweigNovellen2,77]
Nur wer die Sehnsucht kennt, / Weiß, was ich leide [GoetheLehrjahre7,279]
Sie wollen den Scheck nicht annehmen? ... Ist es nur, weil Sie meinen, daß Sie ihn dann heiraten müssen? [BrechtGuter Mensch7]
landschaftlich, (besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch nur mehr
Beispiel:
[ein Bootssteg] von dem nur mehr ein paar Pfähle aus dem Wasser starrten [RinserLobel8]
nicht nur ... sondern auch
Beispiele:
sie ist nicht nur schön, sondern auch klug
er sammelt nicht nur Briefmarken, sondern auch Münzen
2.
konjunktional
schränkt die Aussage des vorhergehenden Hauptsatzes ein   aber
Beispiele:
er ist sehr tüchtig, nur fehlt ihm die Erfahrung, ihm fehlt nur die Erfahrung
sie ist intelligent, nur müsste sie etwas fleißiger sein
sei nachsichtig, nur nicht zu sehr!
Alles wie damals. Nur ich bin es nicht mehr, der damals vor dir kniete [FrischDon JuanIII]
nur dass
Beispiel:
unser Urlaub war sehr schön, nur dass es manchmal zu heiß war
3.
a)
stets betont
salopp aber nur!und ob!
Beispiele:
»kommst du (nicht) mit?« »Aber nur
»Solche sind doch gar nicht mit im Lager.« »Aber nur [R. BartschGeliebt239]
b)
stets unbetont
umgangssprachlich nur soohne besonderen Grund, ohne besondere Absicht
Beispiele:
»warum habt ihr euch gezankt?« »Nur so«
ich habe das nur so gesagt
ich meine (ja) nur so
da habe er sich eben ein paar Photos geknipst, nur so für sich [M. WalserHalbzeit526]
II.
partikelhaft
dient meist der Verstärkung und oft der Satzbelebung; ohne eigentliche Bedeutung
a)
in Aufforderungssätzen
umgangssprachlich
Beispiele:
so hilf mir doch nur!
so höre doch nur!
pass nur ja auf!
komm mir nur nicht mit solchen Ausreden!
warte nur, du wirst dich noch wundern!
wirkt ermunternd, beruhigend
Beispiele:
sieh nur nach, du wirst es schon finden
lass mich nur machen!
lass nur, das ist nicht so schlimm!
Warte hier nur ruhig mit mir, bis es läutet [KafkaAmerika305]
an der Spitze von Aufforderungssätzen
Beispiele:
nur Geduld, Mut!
nur nicht die Nerven verlieren!
nur keine Angst!
nur mit der Ruhe!
nur ruhig Blut!
nur ruhig, das werde ich schon machen
nur keine Umstände!
nur zu!
salopp nur her damit!
b)
in Fragesätzen
umgangssprachlich drückt innere Anteilnahme, Beunruhigung, Verwunderung, Unwillen aus
Beispiele:
was hast du nur?
was kann er nur meinen?
wer hat dir nur diesen Unsinn erzählt?
was wollte ich dich nur fragen?
c)
in Sätzen, die einen Wunsch, ein Zugeständnis ausdrücken
Beispiele:
wenn er nur käme!
wenn es dir nur Spaß macht!
wenn er mich nur nicht verrät!
ich wünschte nur, dass das bald geregelt wird
ich will dir nur gestehen, dass ich es gewesen bin
d)
in verschiedenen Gliedsätzen
Beispiele:
ich helfe ihm, sooft ich nur (= immer) kann
nimm dir davon, soviel du nur willst
sie hat alles, was man sich nur denken kann
e)
mit Bezug auf ein Satzglied
α)
stets unbetont
nur (all)zu‹ + Adj.
Beispiele:
ich weiß es nur zu gut
es hat sich nur zu schnell bewahrheitet, dass ...
das ist nur allzu wahr
Solche Vorhaben sind mir nur allzu gut bekannt [KaschnitzHaus25]
β)
salopp nur so‹ + Vb.sehr
Beispiele:
sie schlug die Tür zu, dass es nur so knallte
da krieg ich von der Mutter eine Ohrfeige, daß es nur so klatscht [RinserinErkundungen53]
Die ganzen Jungens schmeißen nur so mit Geschenken um sich [BrechtDreigroschenoperI 2]
γ)
nur (noch)‹ + Komp.
Beispiele:
dadurch wird er nur noch übermütiger
das macht ihn nur stolzer
das kann deine Lage nur (noch) verschlimmern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nur Adv. im Satz in der Regel die Funktion einer Partikel wahrnehmend, die sich entweder auf ein bestimmtes Satzglied (auch auf einen Gliedsatz) bezieht und die Ausschließlichkeit des Genannten, die Beschränkung auf dieses angibt (‘nichts weiter, niemand weiter als, nicht mehr als, bloß’) oder, weitgehend sinnentleert, als modales Element einer Aufforderung, Frage bzw. einem Wunsch Intensität verleiht; außerdem schließt nur in konjunktionaler Verwendung (koordinierend und in der seit dem 15. Jh. gebräuchlichen Verbindung nur daß subordinierend) eine den Inhalt des vorausgehenden Satzes einschränkende Aussage an. Historisch entwickelt sich das Wort selbst durch Verkürzung und lautliche Abschwächung aus einem (anfangs vorwiegend an verneinte Hauptsätze angefügten) einschränkenden Bedingungssatz: Ahd. ni wāri, niwāri, mhd. newære, niwære, auch eʒ enwære (danne) ‘wenn es nicht wäre, es wäre denn, außer’, eigentlich ‘es wäre nicht’, bestehend aus der Negationspartikel ahd. ni, mhd. ne (s. ↗nein, ↗nicht, ↗nie) und der 3. Pers. Prät. Konj. von ahd. mhd. sīn (s. ↗sein; vgl. ferner entsprechend gebildetes ahd. ni sī, mhd. eʒ ensī, woraus nach Wegfall der Verneinung nhd. es sei denn), ergibt im späteren Mhd. und im Frühnhd. anfangsbetonte und schließlich einsilbige Formen, vgl. niwer, nüwer, nuwer, newer, neuer(t), niur(t), neur(t), nuor, nuer; zu Beginn des 14. Jh. tritt erstmals spätmhd. (md.) nūr auf, das sich im Nhd. durchsetzt. Westgerm. Parallelen, die ebenfalls kürzende Umgestaltung erfahren, sind mnl. newaer, newāre, dann nemaer, nemāre, maer, māre, mar, mer (nl. maar), afries. ne wēre, dann nēre und wēre, wēra, wara, aengl. ne wǣre, dann nǣre; asächs. ne wāri (that) wird dagegen durch mnd. men, man ‘ausgenommen, nur’, nd. man ‘nur’ abgelöst, das auf gleichbed. asächs. newan, mnd. wan, wen (vgl. ahd. niwan, wan, mhd. niuwan, niwan, wan) beruht (lediglich vereinzelt mnd. nūr, nurt, nort). Im Nhd. ist partikelhaftes nur auch Bestandteil der mehrteiligen nebenordnenden Konjunktion nicht nur …, sondern auch … (16. Jh.), die Aneinanderreihung und gleichzeitig steigernde Hervorhebung ermöglicht.

Thesaurus

Synonymgruppe
aber · ↗bloß · ↗dennoch · ↗doch · ↗indes · ↗indessen · ↗jedoch · trotz und allem · ↗trotzdem · zwar (...) doch  ●  ↗allein  geh., veraltend · ↗dabei  ugs. · nur  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
allein · ↗alleinig · aus dem einzigen Grund (dass) · ↗ausschließlich · ↗bloß · ↗einzig · einzig und allein · ↗lediglich · nichts als · nichts weiter als · ↗schier · schlicht und einfach · schlicht und ergreifend · und sei es nur  ●  nur  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(ganz) im Gegenteil · ↗aber · ↗alldieweil · ↗andererseits · ↗dagegen · ↗demgegenüber · ↗dennoch · ↗dieweil · ↗hingegen · ↗hinwieder · ↗hinwiederum · im Gegensatz dazu · im Kontrast dazu · im Unterschied dazu · ↗jedoch · konträr dazu · nur · ↗wogegen · ↗wohingegen · ↗während · ↗währenddessen  ●  ↗handkehrum  schweiz. · ↗dahingegen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
denkbar knapp · gerade eben · gerade mal · gerade noch · ↗kaum · keine (+ Zahl) · ↗knapp · nicht mal · nicht mehr als · sehr knapp  ●  ↗hauchdünn  fig. · nur (vor Zahl)  Hauptform · grad mal  ugs. · grade mal  ugs. · so gerade eben (noch)  ugs.
Assoziationen
  • (nur) mit Schwierigkeiten · (nur) mit größter Anstrengung · mit Hängen und Würgen · mit Müh und Not · mit Mühe und Not · mit knapper Not · mit letzter Kraft · mit viel Mühe · nach langem Bemühen · nach mehrfachen Anläufen · schlecht und recht · unter Aufbietung aller Kräfte · unter Aufbietung der letzten Reserven · unter Schwierigkeiten · unter größten Anstrengungen  ●  mehr schlecht als recht  ugs. · mit Ach und Krach  ugs. · so gerade eben  ugs.
  • annähernd · ↗bald · ↗beinahe · etwas weniger (als) · ↗knapp · nicht ganz  ●  ↗fast  Hauptform · (wohl) an die (vor Zahlwörtern)  ugs. · ein bisschen weniger (als)  ugs. · ↗nahezu  geh. · so ziemlich  ugs.
  • knapp überleben · noch einmal mit dem Leben davonkommen · reanimiert werden · von den Toten auferstehen  ●  dem Tod ein Schnippchen schlagen  fig. · dem Tod von der Schippe springen  fig. · wieder auferstehen (von den Toten)  biblisch · beinahe draufgehen bei  derb, variabel
  • (das ist) gerade nochmal gutgegangen · das war (denkbar) knapp · es hätte nicht viel gefehlt, und (...)  ●  um Haaresbreite  fig. · um ein Haar  fig.
Synonymgruppe
keine Hemmungen haben (zu) · nicht zögern (zu) · sich keinen Zwang antun (und ...)  ●  (etwas) ruhig tun (können)  ugs. · ↗einfach (bei Aufforderungen)  ugs. · nur (nach Aufforderungsform)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
allerdings · denn doch · nur · ↗schon
Synonymgruppe
bloß · nichts (weiter) als · ↗rein  ●  nur  Hauptform · ↗einfach  ugs.
Synonymgruppe
ganze (vor Zahl) · gerade mal (vor Zahl) · nicht mehr als · nur

Typische Verbindungen
computergeneriert

bedingt bestehen bleiben brauchen denken drei finden fünf geben gehen gelten gering halb handeln kennen knapp kommen kurz langsam lassen leicht liegen möglich schwer sehen selten spielen vier wissen zwei

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nur‹.

Zitationshilfe
„nur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/nur>, abgerufen am 25.03.2019.

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