obdachlos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungob-dach-los
WortzerlegungObdach-los
Wortbildung mit ›obdachlos‹ als Erstglied: ↗Obdachlosigkeit  ·  mit ›obdachlos‹ als Grundform: ↗Obdachlose
eWDG, 1974

Bedeutung

ohne Obdach
Beispiele:
ein obdachloser Mensch
er war obdachlos, irrte obdachlos durch die Stadt, stand obdachlos auf der Straße, meldete sich als obdachlos
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes ↗über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch ↗auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit ↗Acht (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. ↗Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit ↗Hut f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
nicht sesshaft · obdachlos · ohne festen Wohnsitz · ↗wohnsitzlos · ↗wohnungslos  ●  ohne Dach über dem Kopf  ugs. · ↗unbehaust  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alkoholiker Bettler Drogenabhängige Erdbebenopfer Hunderttausend Junkie Landesmuseum Metaphysiker Penner Punk Straßenkind Tausend Trinker Verkäufer Waisenkind Zehntausend Zeitungsverkäufer arbeitslos bedürftig drogensüchtig ehemals geworden hungernd nichtseßhaft transzendental umherirren vereinsamt verwahrlost verwaist Überlebende

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›obdachlos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Geld verdient sie damit nicht; sie sei sogar gerade obdachlos.
Die Zeit, 29.11.2012, Nr. 48
Er rief auch andere der plötzlich obdachlos gewordenen Bewohner auf, sich zu melden.
Der Tagesspiegel, 05.08.1998
Wir verließen das Haus nun ohne weiteres Widerstreben und standen im wahren Sinne des Wortes obdachlos auf der Straße.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Das Logierhaus »Zur schwankenden Weltkugel«. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1917], S. 10470
Die Anhänger wurden »obdachlos« und wandten sich, soweit sie nicht gemeinschaftslos blieben, in ihrem größeren Teil zur Kirche zurück oder siedelten ins freireligiöse Lager über.
Hutten, K.: Deutschgläubige Bewegungen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 21523
Hier ist er schließlich derartig in Not geraten, daß er tagelang, im buchstäblichen Sinne des Wortes, Hunger litt und obdachlos war.
Friedländer, Hugo: Ein Kunstprozeß vor dem Breslauer Schöffengericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 24451
Zitationshilfe
„obdachlos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/obdachlos>, abgerufen am 23.10.2019.

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