Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

objektiv

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ob-jek-tiv
Wortzerlegung Objekt -iv
Wortbildung  mit ›objektiv‹ als Erstglied: Objektivismus · Objektivist  ·  mit ›objektiv‹ als Letztglied: transobjektiv  ·  mit ›objektiv‹ als Grundform: Objektiv · Objektivität
eWDG

Bedeutung

in gegensätzlicher Bedeutung zu subjektiv
a)
unabhängig vom Subjekt und seinem Bewusstsein
Beispiele:
objektive Schwierigkeiten, Bedingungen, Tatsachen, Werte
die objektive Realität (= das außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein Existierende, die materielle Welt)
die objektive Existenz der Naturgesetze
objektive Gesetzmäßigkeiten
Dies sind offenbar die objektiv einzig möglichen Wege der Geschichte [ LuxemburgBriefe49]
b)
sachlich
entsprechend der Bedeutung von Objektivität
Beispiele:
eine objektive Betrachtung, Beurteilung
sein Urteil war nicht objektiv
man muss die Dinge nüchtern und objektiv sehen, betrachten
objektiv urteilen
etw. objektiv abwägen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Objekt · objektiv · Objektiv · Objektivität · Objektivismus
Objekt n. ‘Gegenstand oder Ziel des Denkens und Handelns, Sache von besonderem Interesse, Vertragsgegenstand’, spätmhd. object (14. Jh.), Entlehnung von spätlat. obiectum ‘Vorwurf, Beschuldigung, Hindernis, Einwand’ (im Mlat. der Scholastik auch ‘sich den Sinnen darbietender Gegenstand, Ziel’), lat. obiecta Plur. ‘Vorwürfe, Beschuldigungen’, Substantivierung des neutralen Part. Perf. von lat. obicere (obiectum) ‘entgegenwerfen, -stellen, vorsetzen, darbieten, vorwerfen’ (vgl. lat. ob ‘entgegen, vor, über etw. hin, wegen, für’ und iacere ‘werfen’). Im Dt. versucht man, Objekt (eigentlich ‘das Entgegengestellte, Vorgeworfene’, noch bis ins 18. Jh. auch mit lat. Flexionsendungen) zunächst mit Gegenwurf zu übersetzen (so schon im 14. Jh.), seit dem Ende des 17. Jhs. tritt Gegenstand (s. d.) teilweise an seine Stelle. Die neuere Philosophie (seit Kant) versteht unter Objekt ‘jede Erscheinung der außerhalb des erkennenden Subjekts und unabhängig von dessen Bewußtsein existierenden Wirklichkeit’. Als grammatischer Terminus steht es für ‘Ziel, auf das sich die Aussage eines Satzes richtet, Satzergänzung’ (Ende 17. Jh.). objektiv Adj. ‘unabhängig vom Subjekt und seinem Bewußtsein existierend, tatsächlich vorhanden, der Wirklichkeit gerecht werdend, sachlich, vorurteilsfrei’ (2. Hälfte 18. Jh., im 18./19. Jh. auch objektivisch, um 1800 verdeutscht mit gegenständlich), wohl ein nlat. objectīvus voraussetzend, doch vgl. in anderem Sinne schon mlat. objectivus ‘der Vorstellung angehörend, zum geistigen Bild von einer Sache gehörig’ (bei Scholastikern), mfrz. objectivement Adv. (15. Jh.), frz. objectif, engl. objective (beide 17. Jh.). Objektiv n. ‘dem Gegenstand zugewandte Linse oder Linsengruppe eines optischen Gerätes’ (1. Hälfte 19. Jh.), verkürzt aus Objektivglas (18. Jh., Gegenbildung zu Okularglas, s. Okular), vgl. gleichbed. frz. objectif m. neben verre objectif (17. Jh.). Objektivität f. ‘die Gegebenheiten der objektiven Realität berücksichtigende Betrachtungsweise, Wirklichkeitstreue, Sachlichkeit’, früher auch ‘Gegenständlichkeit, reale Existenz’ (Ende 18. Jh.), latinisierende Ableitung von objektiv (s. oben). Objektivismus m. seit Anfang des 20. Jhs. gebräuchlicher philosophischer Terminus, in der Erkenntnistheorie und Ethik für das Anerkennen allgemeingültiger Wahrheiten bzw. für das Streben nach objektiven Normen des sittlichen Handelns, Lehre, die Erfahrungswerte des objektiv Gegebenen betrachtet.

Thesaurus

Synonymgruppe
detachiert · objektiv · sachlich · vorurteilsfrei
Synonymgruppe
ergebnisoffen · objektiv · ohne Berührungsängste · unbefangen · unparteiisch · vorurteilsfrei · werturteilsfrei  ●  ohne Scheuklappen  fig. · unvoreingenommen  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›objektiv‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›objektiv‹.

Verwendungsbeispiele für ›objektiv‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber selbst wenn nur die Macht gesucht war, führt diese dann doch die Verantwortung objektiv mit sich. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 182]
Der bei offenem Objektiv weich verlaufende Schatten wird bei geschlossenem Objektiv hart absetzend. [Croy, Otto: Fotomontage, Düsseldorf: Knapp 1952 [1937], S. 67]
Diese Redeweise setzt nicht mehr eine von unserer wissenschaftlichen Tätigkeit unberührte objektive Welt voraus. [Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1976, S. 386]
Es ist also in der Tat ein Bankrott der objektiven Erkenntnis. [Husserl, Edmund: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie, Hamburg: Meiner 1996 [1936], S. 90]
Ich kann Ihnen nur Recht geben für den objektiven Artikel. [C't, 2001, Nr. 22]
Zitationshilfe
„objektiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/objektiv>.

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