obliegen

GrammatikVerb · obliegt, oblag, hat/ist obgelegen
GrammatikVerb · liegt ob, lag ob, hat/ist obgelegen
Aussprache
Worttrennungob-lie-gen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
gehoben etw. obliegt jmdm., liegt jmdm. ob (= jmd. hat eine (dienstliche) Aufgabe, Pflicht)
Beispiele:
die Genehmigung obliegt einer Kommission
diesem Betrieb obliegt die Produktion elektronischer Geräte
es liegt ihm ob, es obliegt ihm, die tägliche Post zu sortieren
bis jetzt hatte es ihr obgelegen, diese Frage zu entscheiden
es war ihm obgelegen, das allgemeine Beileid auszusprechen
es scheint ihm obzuliegen, für die ganze Familie zu sorgen
die obliegenden Pflichten
Nun liegt uns ob, die pragmatische Form zu gestalten [RathenauKommende Dinge50]
Euch liegt ob, / Die Insel auf das schleunigste zu räumen [SchillerStuartIV 2]
2.
veraltend jmd. liegt einer Sache ob, obliegt einer Sache (= jmd. beschäftigt sich anhaltend mit einer Sache, widmet sich einer Sache)
Beispiele:
er lag seinem Studium mit Hingabe ob, oblag seinem Studium mit Hingabe
sie hatten dem Gesang obgelegen
nachdem sie […] Herbst und Winter hindurch der Beschaffung und Bereitung ihrer Aussteuer obgelegen hatte [E. StraußSpiegel199]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes ↗über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch ↗auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit ↗Acht (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. ↗Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit ↗Hut f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Fall für (...) (sein) · obliegen · verantwortlich sein · zuständig sein
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Verpflichtung haben (etwas zu tun) · (es) für seine Pflicht halten (etwas zu tun) · ↗(etwas tun) müssen · ↗(etwas tun) sollen · (jemandem) obliegen (etwas zu tun) · (jemandes) Pflicht sein (etwas zu tun) · dafür zuständig sein (etwas zu tun) · es ist an dir (zu) · verpflichtet sein (etwas zu tun)  ●  ↗(etwas tun) dürfen  ugs., ironisch · ↗(etwas tun) können  ugs., ironisch · (jemandem) zugedacht sein  geh. · (jemandes) (verdammte) Pflicht und Schuldigkeit sein  ugs. · (sich) gehalten sehen (zu)  geh. · an jemandem sein, etwas zu tun  geh. · gehalten sein (etwas zu tun)  geh.
Assoziationen
  • (etwas) zu tun haben · (sich) bemüßigt fühlen (zu) · (sich) bemüßigt sehen (zu) · (sich) genötigt sehen · (sich) gezwungen sehen · (sich) veranlasst sehen · genötigt sein · gezwungen sein · ↗müssen · nicht anders können, als... · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (zu) · tun müssen
  • (jemand) sollte (besser) · gut beraten sein  ●  am besten (+ Imperativ)  ugs. · es empfiehlt sich  geh.
Synonymgruppe
(für etwas) verantwortlich (sein) · (jemandem) obliegen · (jemandes) Aufgabe sein · (jemandes) Zuständigkeit unterliegen · für etwas bezahlt werden · in jemandes Verantwortung liegen · in jemandes Zuständigkeit fallen · in jemandes Zuständigkeitsbereich fallen · zu jemandes Aufgaben gehören · ↗zuständig (sein)  ●  in jemandes Ressort fallen  veraltend, fig. · betraut (mit)  geh. · zu jemandes Obliegenheiten gehören  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anleitung Aufgabe Aufsicht Ausführung Betreuung Beweislast Dienstaufsicht Durchführung Ernennung Fachaufsicht Federführung Festsetzung Fürsorge Gesetzgeber Instandhaltung Kontrolle Koordination Koordinierung Landesgesetzgeber Leitung Oberaufsicht Pflicht Rechtsaufsicht Verantwortung Vermieter Verwaltung Vollzug allein ausschließlich Überwachung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›obliegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihm obliegt es, die weiteren Geschicke der MG zu bestimmen.
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2003
Da eine solche Absicht nicht zu erkennen ist, obliegt es jetzt der Regierung, die Initiative zu ergreifen.
Die Zeit, 04.04.1986, Nr. 15
Nachdem Klein 1819 von den Pflichten als Lehrer entbunden worden war, oblag er nur noch seinem km.
Virneisel, Wilhelm: Klein. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 27643
Ihnen obliegt es, ihre sinnlos betrunkenen Herren und Herrinnen ins Bett zu tragen.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 42
Es obliegt dem Historiker, diesen Umschwung dokumentarisch zu schildern, nicht uns.
Bühler, Karl: Die Krise der Psychologie, Jena: G. Fischer 1929 [1927], S. 380
Zitationshilfe
„obliegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/obliegen>, abgerufen am 11.11.2019.

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