Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

obsiegen

Grammatik Verb · siegt ob, siegte ob, hat obgesiegt/obsiegt
Grammatik Verb · obsiegt, obsiegte
Aussprache 
Worttrennung ob-sie-gen
Grundformsiegen
eWDG

Bedeutung

gehoben, veraltend siegreich sein, siegen
Beispiele:
sein starker Wille siegte schließlich über ihre Trägheit ob, obsiegte schließlich über ihre Trägheit
der obsiegende Teil
im Falle des Obsiegens
Als die Bauern nach 25 Jahren im Streit mit dem Gutsherrn obsiegten [ Natur u. Heimat1960]
Er hatte mit dem Bösen gerungen und obgesiegt [ WelkHeiden50]
es wird der Neid / Stets den obsiegend Glücklichen verfolgen [ SchillerStuartI 8]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit Acht2 (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit Hut2 f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein Rennen) für sich entscheiden · (einen Preis / eine Auszeichnung...) einheimsen · Sieger sein · den Sieg erlangen · erster werden · triumphieren  ●  gewinnen  Hauptform · mit dem Pokal nach Hause fahren (können)  mediensprachlich, auch figurativ · siegen  Hauptform · (einen Pokal / Preis) holen  ugs. · So sehen Sieger aus!  ugs., Spruch · das Rennen machen  ugs., fig. · den Sieg erringen  geh. · obsiegen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›obsiegen‹ (berechnet)

Antrag Argument Befürworter Egoismus Einsicht Einzelantrag Emotion Fassung Kommissionsantrag Kommissionsmehrheit Kommissionsminderheit Mehrheit Mehrheitsantrag Mehrheitsfassung Minderheit Minderheitsantrag Sammler Streichungsantrag Variante Vernunft anschliessend endgültig knapp letztendlich letztlich schliesslich schließlich sodann teils zuerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›obsiegen‹.

Verwendungsbeispiele für ›obsiegen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn am Ende obsiegen die, die ihre Köpfe hingehalten haben. [Der Spiegel, 14.02.1983]
Und wer wird am Ende obsiegen in diesem Tanz zweier genialer Köpfe? [Die Zeit, 11.07.2012, Nr. 27]
Nach meinem Dafürhalten hat er sehr gute Chancen zu obsiegen. [Die Zeit, 15.12.2008, Nr. 50]
Aber hat nicht das Medium schon längst obsiegt über die Politik? [Die Zeit, 14.10.1994, Nr. 42]
Wer da jeweils obsiegt, wenn es hart auf hart geht, ist klar. [Die Zeit, 11.03.1994, Nr. 11]
Zitationshilfe
„obsiegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/obsiegen>.

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