obsiegen

GrammatikVerb · siegt ob, siegte ob, hat obgesiegt/obsiegt
GrammatikVerb · obsiegt, obsiegte, hat obgesiegt/obsiegt
Aussprache
Worttrennungob-sie-gen
Grundformsiegen
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben, veraltend siegreich sein, siegen
Beispiele:
sein starker Wille siegte schließlich über ihre Trägheit ob, obsiegte schließlich über ihre Trägheit
der obsiegende Teil
im Falle des Obsiegens
Als die Bauern nach 25 Jahren im Streit mit dem Gutsherrn obsiegten [Natur u. Heimat1960]
Er hatte mit dem Bösen gerungen und obgesiegt [WelkHeiden50]
es wird der Neid / Stets den obsiegend Glücklichen verfolgen [SchillerStuartI 8]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes ↗über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch ↗auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit ↗Acht (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. ↗Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit ↗Hut f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein Rennen) für sich entscheiden · ↗(einen Preis / eine Auszeichnung...) einheimsen · den Sieg erlangen · erster werden · ↗triumphieren  ●  ↗gewinnen  Hauptform · mit dem Pokal nach Hause fahren (können)  mediensprachlich, auch figurativ · siegen  Hauptform · ↗(einen Pokal / Preis) holen  ugs. · So sehen Sieger aus!  ugs., Spruch · das Rennen machen  ugs. · den Sieg erringen  geh. · obsiegen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstimmung Argument Einsicht Ende Gerechtigkeit Gericht Gute Instanz Klage Kläger Landgericht Liebe Oberlandesgericht Rechtsstreit Sammler Schluß Vernunft Verstand Verwaltungsgericht Wahlgang Wettstreit Wille Zweifel hingegen juristisch letztendlich letztlich schließlich stets unterliegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›obsiegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das lahme Kreuz obsiegte, was dann kam, war so schlimm nicht.
Der Tagesspiegel, 13.10.2000
Denn am Ende obsiegen die, die ihre Köpfe hingehalten haben.
Der Spiegel, 14.02.1983
Wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt, so sind die Kosten gegeneinander aufzuheben oder verhältnismäßig zu teilen.
o. A.: Zivilprozeßordnung (ZPO). In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts, München: Beck 1997
Wenn die Parteien teils obsiegen, teils unterliegen, werden die Kosten gegeneinander aufgehoben oder verhältnismäßig geteilt.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 478
Auch in Spanien und Portugal obsiegte die gleiche Politik der Entschlossenheit und Unnachgiebigkeit.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 17535
Zitationshilfe
„obsiegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/obsiegen>, abgerufen am 09.12.2019.

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