oder

GrammatikKonjunktion
Aussprache
eWDG, 1974

Bedeutung

dient zur Verknüpfung von Alternativen, die eine Wahl zwischen ihnen zulassen
Beispiele:
wünschen Sie Kaffee oder Tee?
wir fahren heute oder morgen, kommen um neun oder zehn Uhr, wollen heute Abend schreiben oder fernsehen
du kannst dich so oder so entscheiden
rechts oder links?
ja oder nein?
der eine oder der andere, dieser oder jener hat uns geholfen
ich oder du musst auf das Kind aufpassen
sie sieht gern Spielfilme oder auch Krimis
das Zimmer hat nur ein Fenster oder vielmehr eine Glastür
die Alternativen schließen einander aus
Beispiele:
ich glaube, ihr Vater ist Arzt oder Lehrer
er hat Mathematik oder Chemie studiert
entweder ... odernachdrücklich
Beispiele:
die Jacke soll entweder blau oder grau sein
entweder ändert er sein Arbeitstempo/entweder er ändert sein Arbeitstempo, oder (= andernfalls) er bekommt eine andere Aufgabe
jetzt heißt es entweder oder! (= jetzt musst du dich entscheiden!)
hör jetzt endlich auf – oder (= sonst) wehe dir!
er hat doch recht, oder nicht?
umgangssprachlich als Frage; weist auf einen möglichen Einwand des Gesprächspartners
Beispiele:
du kommst doch mit uns, oder?
vom Waffenstillstand zum Frieden ist ein weiter Weg. Auch bei Kindern. Oder? [KästnerLottchen20]
Beispiele:
über kurz oder lang, früher oder später (= in nicht sehr ferner Zukunft)
mehr oder weniger, mehr oder minder (= in bestimmtem, gewissem Maße)
wohl oder übel (= ob ich will oder nicht)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

oder Konj. zur Verknüpfung einander ausschließender (nachdrücklich entweder … oder) bzw. zur Wahl stehender Alternativen; weist ferner auf eine mögliche Konsequenz hin (‘sonst, andernfalls’) und leitet Fragesätze ein, die einen zu erwartenden Einwand vorwegnehmen (umgangssprachlich oft verkürzt, z. B. Er kommt doch. Oder (meinst du nicht)?). Ahd. oder (10. Jh.), odar (11. Jh.), mhd. oder ist (wohl in Analogie zu den Formen von ↗aber, ↗weder, s. d.) umgebildet aus ahd. odo (8. Jh.), oda (9. Jh.) ‘oder, und’, mhd. od(e) ‘oder, oder sonst, es sei denn’, das seinerseits wohl (mit einem auf überwiegend unbetonter Verwendung des Wortes im Satz beruhenden Lautwandel) aus ahd. edo, eddo (8. Jh.) hervorgeht (falls nicht bereits eine andere Grundform vorauszusetzen ist, vgl. Lühr in: Münchener Studien z. Sprachwiss. 34 (1976) 83 ff.). Dem ahd. ed(d)o entsprechen anord. eða ‘oder, aber, sonst’, mit Doppelkonsonanz asächs. ettha, ettho, aengl. oþþe, eþþa, got. aíþþau, deren erster Bestandteil selbständig in got. ‘aber, wenn’ erhalten und mit lat. et ‘und’, griech. éti (ἔτι) ‘überdies, ferner, noch’ auf ie. *eti ‘darüber hinaus, ferner, und, auch’ zurückzuführen ist; zum zweiten Teil s. ↗doch. Auf eine parallele Bildung, wahrscheinlich mit dem unter ↗ob Konj. (s. d.) behandelten Wort als erstem Bestandteil, deuten asächs. eftha, eftho, ofthe, mnl. of(te), jof, nl. of, afries. jeftha, jef(t), (j)oftha, of(t) ‘oder’; weniger einleuchtend ist es, diese Formen mit den oben angegebenen unmittelbar zu verbinden und eine Assimilation von fþ zu þþ anzunehmen (vgl. dazu de Vries Nl. 479).

Thesaurus

Synonymgruppe
andernfalls · ↗beziehungsweise · ↗sonst  ●  oder  Hauptform
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
etwa nicht? · ja? · nicht wahr? · oder (etwa) nicht? · stimmt's?  ●  gell?  ugs., süddt. · ↗gelle  ugs., veraltend, süddt. · gelt?  ugs. · he? (regional vereinzelt)  ugs. · nicht?  ugs. · nä?  ugs., norddeutsch · näch?  ugs., ruhrdt. · oder? (norddt., süddt. verstreut)  ugs. · wa?  ugs., berlinerisch, regional, norddeutsch · was?  ugs. · woll? (Sauerland, bergisch)  ugs.
Assoziationen
Zitationshilfe
„oder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/oder>, abgerufen am 15.11.2019.

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