Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ohnmächtig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ohn-mäch-tig
GrundformOhnmacht

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. bewusstlos, ohne Bewusstsein
  2. 2. machtlos
eWDG

Bedeutungen

1.
bewusstlos, ohne Bewusstsein
Beispiele:
ohnmächtig sein, werden
sie war ohnmächtig geworden, zusammengebrochen
umgangssprachlichsie war ohnmächtig hingeschlagen
das ohnmächtige Kind
er blieb bei der Ohnmächtigen
2.
machtlos
Beispiele:
er musste ohnmächtig zusehen, wie das Feuer wütete
ohnmächtiger Hass erfüllte ihn
ohnmächtige Erbitterung, Verzweiflung
in ohnmächtiger Wut, in ohnmächtigem Zorn
Uns Ärzten wirft man vor, daß wir ohnmächtig seien gegen die … Krankheit und den Tod [ FusseneggerAntlitz81]
bei den Fragen … in denen dies sonst sehr ohnmächtige Parlament immerhin ein gewichtiges Wort mitzureden hatte [ MehringDt. Geschichte244]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohnmacht · ohnmächtig
Ohnmacht f. ‘Bewußtlosigkeit, Schwäche, Machtlosigkeit’, mhd. āmaht (13. Jh.), mnd. āmacht ‘Bewußtlosigkeit, Mangel an Kraft’, eine Bildung, die für das Ahd. nur aus dem Adjektiv (s. unten) zu erschließen ist (vgl. aber bedeutungsähnliches ahd. unmaht, 9. Jh., aengl. unmiht, got. unmahts ‘Schwäche, Krankheit’), setzt sich aus dem unter Macht (s. d.) dargestellten Substantiv und einem meist Trennung oder Verneinung ausdrückenden Nominalpräfix kontinentalwestgerm. ā-, aengl. ǣ- ‘fort, weg, zurück, nach’ (s. Ameise, vgl. ferner ahd. āteili, āteilīg, mnd. āteilec ‘unbeteiligt, ausgeschlossen’, ahd. āmād, mhd. āmāt ‘Nachmahd’, ahd. āwiggi, mhd. āwicke, anfrk. āwigki, mnl. mnd. āwech ‘Abweg, unwegsame Gegend’, aengl. ǣwǣde ‘unbekleidet’) zusammen. Dieses westgerm. Präfix ist wohl mit aind. ā́ ‘her, heran, hinzu’ (z. B. in āttah Part.adj. ‘empfangen’), griech. o- (ὀ-) ‘nahe bei, an, zu, mit’ (z. B. in okéllein, ὀκέλλειν ‘ans Land treiben’), urslaw. *ja- (teilweise mit abschwächender bzw. annähernder Funktion, s. Vasmer 3, 475) zur Partikel ie. *ē̌, *ō̌ ‘nahe bei, zusammen mit’ (wahrscheinlich verwandt mit dem Pronominalstamm ie. *e-, s. er, es) zu stellen. Durch Vokalverdunklung vor Nasal (s. ohne) entwickelt sich spätmhd. ōmaht (Mitte 14. Jh.), frühnhd. Om(m)acht (neben bis ins 16. Jh. noch gebräuchlichem Am(m)acht), das mit ohne in Verbindung gebracht und zu Ohnmacht (16. Jh.) umgebildet wird. Diese Lautgestalt begünstigt offensichtlich die (besonders seit dem 18. Jh. sich ausbreitende) allgemeinere Verwendung im Sinne von ‘Macht-, Hilflosigkeit, erzwungenes Unvermögen’. ohnmächtig Adj. ‘ohne Bewußtsein, kraft-, machtlos, nicht fähig zu handeln’, ahd. āmahtīg ‘macht-, kraftlos, schwach’ (um 1000), mhd. āmehtec, frühnhd. am(m)echtig, mnd. mnl. āmachtich, āmechtich ‘kraftlos, schwach, bewußtlos’; Anlehnung an mhd. āne ‘ohne’ führt bereits um 1300 zur Variante mhd. ānmehtic, Trübung des Vokals ergibt spätmhd. ōmehtig, ōnmehtig (14. Jh.), frühnhd. omechtig, onmechtig, ohnmächtig.

Thesaurus

Synonymgruppe
besinnungslos · betäubt · bewusstlos · im Koma · narkotisiert · nicht bei sich · ohne Besinnung · ohne Bewusstsein · ohnmächtig  ●  nicht bei Bewusstsein  Hauptform · komatös  fachspr. · weg  ugs.

Typische Verbindungen zu ›ohnmächtig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ohnmächtig‹.

Verwendungsbeispiele für ›ohnmächtig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ging also bis zum Erbrechen, und einer ist ohnmächtig geworden. [Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 143]
Er fühlte sich ohnmächtig, grenzenlos ohnmächtig gegenüber der unbegreiflichen Macht, die ihn zwang, zu weinen. [Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 123]
Dabei fühlen auch sie sich ohnmächtig, wenn sie neue Ideen durchsetzen wollen. [Die Zeit, 08.04.1998, Nr. 16]
Man denkt, man wird jeden Moment ohnmächtig, und dann kommt man doch oben an. [Die Zeit, 04.07.1997, Nr. 28]
Er fühlte sich ohnmächtig, grenzenlos ohnmächtig gegenüber der unbegreiflichen Macht, die ihn zwang, zu weinen. [Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 123]
Zitationshilfe
„ohnmächtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ohnm%C3%A4chtig>.

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