ohnmächtig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungohn-mäch-tig (computergeneriert)
GrundformOhnmacht
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
bewusstlos, ohne Bewusstsein
Beispiele:
ohnmächtig sein, werden
sie war ohnmächtig geworden, zusammengebrochen
umgangssprachlich sie war ohnmächtig hingeschlagen
das ohnmächtige Kind
er blieb bei der Ohnmächtigen
2.
machtlos
Beispiele:
er musste ohnmächtig zusehen, wie das Feuer wütete
ohnmächtiger Hass erfüllte ihn
ohnmächtige Erbitterung, Verzweiflung
in ohnmächtiger Wut, in ohnmächtigem Zorn
Uns Ärzten wirft man vor, daß wir ohnmächtig seien gegen die ... Krankheit und den Tod [FusseneggerAntlitz81]
bei den Fragen ... in denen dies sonst sehr ohnmächtige Parlament immerhin ein gewichtiges Wort mitzureden hatte [MehringDt. Geschichte244]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohnmacht · ohnmächtig
Ohnmacht f. ‘Bewußtlosigkeit, Schwäche, Machtlosigkeit’, mhd. āmaht (13. Jh.), mnd. āmacht ‘Bewußtlosigkeit, Mangel an Kraft’, eine Bildung, die für das Ahd. nur aus dem Adjektiv (s. unten) zu erschließen ist (vgl. aber bedeutungsähnliches ahd. unmaht, 9. Jh., aengl. unmiht, got. unmahts ‘Schwäche, Krankheit’), setzt sich aus dem unter ↗Macht (s. d.) dargestellten Substantiv und einem meist Trennung oder Verneinung ausdrückenden Nominalpräfix kontinentalwestgerm. ā-, aengl. ǣ- ‘fort, weg, zurück, nach’ (s. ↗Ameise, vgl. ferner ahd. āteili, āteilīg, mnd. āteilec ‘unbeteiligt, ausgeschlossen’, ahd. āmād, mhd. āmāt ‘Nachmahd’, ahd. āwiggi, mhd. āwicke, anfrk. āwigki, mnl. mnd. āwech ‘Abweg, unwegsame Gegend’, aengl. ǣwǣde ‘unbekleidet’) zusammen. Dieses westgerm. Präfix ist wohl mit aind. ā́ ‘her, heran, hinzu’ (z. B. in āttah Part.adj. ‘empfangen’), griech. o- (ὀ-) ‘nahe bei, an, zu, mit’ (z. B. in okéllein, ὀκέλλειν ‘ans Land treiben’), urslaw. *ja- (teilweise mit abschwächender bzw. annähernder Funktion, s. Vasmer 3, 475) zur Partikel ie. *ē̌, *ō̌ ‘nahe bei, zusammen mit’ (wahrscheinlich verwandt mit dem Pronominalstamm ie. *e-, s. ↗er, ↗es) zu stellen. Durch Vokalverdunklung vor Nasal (s. ↗ohne) entwickelt sich spätmhd. ōmaht (Mitte 14. Jh.), frühnhd. Om(m)acht (neben bis ins 16. Jh. noch gebräuchlichem Am(m)acht), das mit ohne in Verbindung gebracht und zu Ohnmacht (16. Jh.) umgebildet wird. Diese Lautgestalt begünstigt offensichtlich die (besonders seit dem 18. Jh. sich ausbreitende) allgemeinere Verwendung im Sinne von ‘Macht-, Hilflosigkeit, erzwungenes Unvermögen’. ohnmächtig Adj. ‘ohne Bewußtsein, kraft-, machtlos, nicht fähig zu handeln’, ahd. āmahtīg ‘macht-, kraftlos, schwach’ (um 1000), mhd. āmehtec, frühnhd. am(m)echtig, mnd. mnl. āmachtich, āmechtich ‘kraftlos, schwach, bewußtlos’; Anlehnung an mhd. āne ‘ohne’ führt bereits um 1300 zur Variante mhd. ānmehtic, Trübung des Vokals ergibt spätmhd. ōmehtig, ōnmehtig (14. Jh.), frühnhd. omechtig, onmechtig, ohnmächtig.

Thesaurus

Synonymgruppe
besinnungslos · betäubt · ↗bewusstlos · im Koma · narkotisiert · nicht bei sich · ohne Besinnung · ohne Bewusstsein · ohnmächtig  ●  nicht bei Bewusstsein  Hauptform · ↗komatös  fachspr. · ↗weg  ugs.
Assoziationen
  • (das) Bewusstsein verlieren · (die) Besinnung verlieren · bewusstlos werden · in Ohnmacht fallen · ohnmächtig werden  ●  ↗(auf einmal) weg sein  ugs. · aus den Latschen kippen  ugs., salopp, fig. · ↗kollabieren  fachspr., medizinisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufbegehren Groll Schauer Supermacht Trauer Verbitterung Verzweiflung Wut Zorn beinahe blutend daliegen gegenüberstehen hilflos hinsinken liegenbleiben machtlos mitansehen niedersinken ratlos sprachlos umfallen umkippen wehrlos zerstritten zusammenbrechen zusammensacken zusammensinken zuschauen zusehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ohnmächtig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und Du kannst Dich überhaupt nicht wehren, Du bist ohnmächtig.
Die Welt, 23.06.2004
Der Einsatz des Sohnes für die schlecht behandelte Mutter ist gleichermaßen erregt wie ohnmächtig.
Der Tagesspiegel, 18.08.2000
Das ging also bis zum Erbrechen, und einer ist ohnmächtig geworden.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 143
Meine Wut nahm noch zu, weil ich fühlte, wie ohnmächtig ich war.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 619
Dort fiel ich während des Essens ohnmächtig zusammen - es war zu viel.
Goldmark, Karl: Erinnerungen aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 29212
Zitationshilfe
„ohnmächtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ohnmächtig>, abgerufen am 21.07.2019.

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