ohrfeigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungohr-fei-gen
GrundformOhrfeige
eWDG, 1974

Bedeutung

jmdm. eine Ohrfeige, Ohrfeigen geben
Beispiele:
jmdn. ohrfeigen wollen
sie hat ihn öffentlich geohrfeigt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohr · Ohrfeige · Dachtel · ohrfeigen · Ohrwurm
Ohr n. Gehörorgan bei Mensch und Wirbeltier und sein äußerer, muschelartig gebogener Teil, ahd. (8. Jh.), asächs. ōra, mhd. ōr(e), mnd. ōr, aengl. ēare, anord. eyra, got. (mit grammatischem Wechsel) ausō ‘Ohr’ und (in der erweiterten Bedeutung ‘Ohr, Öhr, Henkel’) mnl. óre, nl. oor, engl. ear, schwed. öra führen auf germ. *auzan- und mit awest. (Dual) uši, griech. ū́s (οὖς aus *οὖσος), dor. ṓs (ὦς, aus *ō‐ͧs) ‘Ohr’, übertragen ‘Henkel’, lat. auris (aus *ausis) ‘Ohr’, air. āu, ō, lit. ausìs, aslaw. ucho, russ. úcho (ухо) ‘Ohr’ auf ie. *ōus-, *əus-, *us- ‘Ohr’. Zu Ohr gebildet ist ↗Öhr (s. d.). Ohrfeige f. ‘Schlag auf die Wange, Backpfeife’, frühnhd. ōrfīge (Ende 15. Jh.), mnd. ōrvīge (neben geläufigerem ōrslach), nl. (älter) oorvijg (späteres nl. oorveeg in Anlehnung an nl. vegen ‘fegen, kehren, wischen’, veeg ‘Streich, Hieb, Schlag’). Grundwort ist wohl die unter ↗Feige (s. d.) behandelte Fruchtbezeichnung, vergleichbar anderen Ausdrücken für ‘Wangenschlag’ wie nhd. (mundartlich) Dachtel f. (eigentlich ‘Dattel’) und mnl. muulpēre, nl. muilpeer (eigentlich ‘Maulbirne’); dazu ohrfeigen Vb. (Anfang 19. Jh.). Ohrwurm m. Insekt mit fadenförmigen Fühlern und Zangen am hinteren Körperende, mhd. ōrwurm (14. Jh.); nach (irriger) Volksmeinung soll das Insekt die Ohren der Menschen aufsuchen, darin leben und das Ohrinnere schädigen. Demselben Motiv folgen auch Synonyme wie Ohrenkriecher, -schlüpfer, -schliefer, -knieper, -zwicker u. ä. Anfangs bezeichnet Ohrwurm (und seine Entsprechungen) sowohl den ‘Ohrenschmerz’ als auch dessen vermeintlichen Erreger, vorgestellt teils als ein imaginärer Krankheitsdämon, teils als das oben beschriebene Insekt. Letzteres ergibt (getrocknet und gestoßen) ein volksmedizinisches Heilmittel gegen Ohrenkrankheiten. Vgl. Pfeifer Tiernamen 629 ff. In übertragener Verwendung Ohrwurm, -würmchen ‘Schmeichler’ (18. Jh.) und ‘sich einschmeichelnde, einprägsame Melodie’ (Mitte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) eine Ohrfeige geben · (jemanden) ohrfeigen  ●  ↗(jemandem) eine (he)runterhauen  ugs. · (jemandem) eine klatschen  ugs. · (jemandem) eine knallen  ugs. · (jemandem) eine langen  ugs. · (jemandem) eine runterhauen  ugs. · (jemandem) eine scheuern  ugs. · (jemandem) eine schmieren  ugs. · ↗(jemandem) rechts und links eine (he)runterhauen  ugs. · (jemandem) rechts und links eine runterhauen  ugs. · (jemandem) rutscht die Hand aus  ugs., fig., Redensart · ↗abwatschen  ugs., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • eine Ohrfeige bekommen  variabel · (es gibt) was hinter die Löffel  ugs., variabel · (etwas) auf die Ohren kriegen  ugs. · (jemandem) rutscht die Hand aus  ugs., fig. · (sich) eine fangen  ugs. · Du kriegst gleich eine!  ugs. · abgewatscht werden  ugs. · ein paar kriegen  ugs. · eine gelangt kriegen  ugs. · eine gescheuert kriegen  ugs. · eine geschmiert kriegen  ugs. · es setzt was  ugs. · was kriegen  ugs.
  • (jemandem) einen Klaps geben · (jemandem) einen Schlag mit der flachen Hand geben

Typische Verbindungen zu ›ohrfeigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ohrfeigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ohrfeigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Warum also ohrfeigt der Mann den Finanzminister in aller Öffentlichkeit?
Der Tagesspiegel, 10.07.2003
Wütend rutschte dem alten Herrn die Hand aus, er ohrfeigte das Kind.
Bild, 16.12.1997
Warum in aller Welt willen sollte er keinen General ohrfeigen?
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 963
Ich würde mich selbst ohrfeigen, wenn ich das tun würde.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 04.04.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Eine geohrfeigt bekam er nicht, und auch nicht den Kasten.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 224
Zitationshilfe
„ohrfeigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ohrfeigen>, abgerufen am 08.04.2020.

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