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ordinär

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung or-di-när
Wortbildung  mit ›ordinär‹ als Erstglied: Ordinärpreis  ·  mit ›ordinär‹ als Letztglied: extraordinär
Herkunft aus ordinairefrz ‘ordnungsgemäß, gewöhnlich, alltäglich’ < ōrdināriuslat ‘in gehöriger Reihe oder Ordnung stehend, ordentlich, regelmäßig’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. unfein und unanständig
  2. 2. alltäglich
eWDG

Bedeutungen

1.
unfein und unanständig
Beispiele:
so ein ordinärer Mensch, Ausdruck, so ein ordinäres Wort
er führt eine ordinäre Sprache
ein ordinäres Lachen
salopp, abwertendeine ordinäre Kneipe
abwertender sprach im ordinärsten Jargon
er ist mir viel zu ordinär
sie sieht recht ordinär aus, wirkt ordinär
sein Benehmen war sehr ordinär
er benahm sich ordinär
Solche Verse wurden uns als ordinär verboten [ RennKindheit55]
2.
alltäglich
Beispiele:
das ist eine ganz ordinäre Fichte
er […] mußte noch gegen den auf ordinäre Petersilie, Schnittlauch, Radieschen, Kohlrabi und Kopfsalat versessenen Unverstand meiner Mutter kämpfen [ M. WalserHalbzeit571]
Alle meinen, wir hätten nur so ordinäre Berge [ FedererBerge483]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ordinär · extraordinär
ordinär Adj. ‘ordentlich, gebräuchlich’ (Ende 17. Jh.), ‘landläufig, alltäglich’ (Anfang 18. Jh.), ‘gemein, gewöhnlich, unanständig’ (Ende 18. Jh.), Übernahme von frz. ordinaire ‘ordnungsgemäß, gewöhnlich, alltäglich’. Im Dt. bis ins 19. Jh. in frz. Schreibung. Voraus geht (16. bis 18. Jh.) ordinari ‘ordnungsgemäß, regelmäßig, gewöhnlich’, vgl. ordinari Diät, dem ordinari Gebrauch nach (16. Jh.), die ordinari Straf des Todes (17. Jh.), Ordinari Post ‘gewöhnliche Post’ (im Gegensatz zur Eil- oder Extrapost, bis ins 19. Jh.), das wie mfrz. frz. ordinaire aus lat. ōrdinārius ‘in gehöriger Reihe oder Ordnung stehend, ordentlich, regelmäßig’ entlehnt ist; zu lat. ōrdo (Genitiv ōrdinis) ‘Reihe(nfolge), Glied, Stand, Ordnung’. Entsprechend extraordinär Adj. ‘außerordentlich, außergewöhnlich’, entlehnt (extraordinari, 16. Jh., extraordinaire, um 1700) aus gleichbed. lat. extrāōrdinārius bzw. frz. extraordinaire; s. extra.

Thesaurus

Assoziationen
Synonymgruppe
anstößig · geschmacklos · ordinär · unanständig · vulgär  ●  bathisch  geh. · obszön  geh. · unter der Gürtellinie  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
billig · ordinär  ●  nuttig  derb · wie eine Nutte  derb
Assoziationen
  • anstößig · eindeutig-zweideutig · nicht salonfähig · obszön · unanständig · zotig  ●  schmutzig  fig. · dreckig  ugs., fig. · nicht stubenrein  ugs., scherzhaft, fig. · priapeisch  geh., veraltet · schweinisch  ugs. · versaut  derb
  • aufreizend gekleidet · freizügig angezogen (sein) · nicht mit Reizen geizen  ●  (tiefe) Einblicke gewähren  variabel
  • (übertrieben) stark geschminkt · grell geschminkt  ●  (gestylt) wie ein Pfingstochse  ugs. · (in voller) Kriegsbemalung  ugs., scherzhaft-ironisch
Synonymgruppe
08/15 · Allerwelts... · Alltags... · Durchschnitt · Mittelmaß · Null Acht Fünfzehn · Standard · allgemein · alltäglich · banal · billig · durchschnittlich · einfach · gemein · gewöhnlich · gibt's im Überfluss · mittelmäßig · nichts Besonderes · normal · nullachtfünfzehn · ordinär · profan · schlicht · schnöde · seriell · überall vorhanden  ●  Dutzendware  abwertend, fig. · Hausmannskost  fig. · handelsüblich  fig. · von der Stange  fig. · Plain Vanilla  fachspr., Jargon · mittelprächtig  ugs. · stinknormal  ugs.
Assoziationen
  • Billig... · anspruchslos · auf Wühltischniveau · einfachster Machart · für den Massengeschmack · niveaulos · ohne Anspruch · ohne Niveau · ohne geistigen Nährwert  ●  Massenware  fig.
  • banal · oberflächlich · trivial
  • (ganz) anständig · annehmbar · ausreichend · brauchbar · guter Durchschnitt · hinreichend · reicht (aus)  ●  (da) gibt's nichts zu meckern  ugs. · (da) kann man nicht meckern  ugs. · (da) kann man nichts sagen  ugs. · (ganz) akzeptabel  ugs. · (ist) auch schön!  ugs., ironisierend · ganz gut  ugs. · ganz ordentlich  ugs. · geht in Ordnung  ugs. · gut und schön (aber)  ugs. · jetzt nicht (der absolute Hit o.ä.)  ugs. · kann angehen  ugs. · kann sich sehen lassen  ugs. · keine Offenbarung (aber ...)  ugs. · könnte schlimmer sein  ugs., ironisch · leidlich gelungen  geh. · nicht schlecht  ugs. · nicht übel  ugs. · passt schon  ugs., süddt. · schon in Ordnung  ugs. · schon okay  ugs. · schön und gut (aber)  ugs.
  • eingeübte Muster  ●  Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
  • (ganz) nett (so weit) · gefällig (Film, Inszenierung) · glatt · mittelmäßig · ohne Ecken und Kanten · ohne Höhen und Tiefen · ohne weitergehenden Anspruch  ●  so weit okay  ugs.

Typische Verbindungen zu ›ordinär‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ordinär‹.

Verwendungsbeispiele für ›ordinär‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und auch dieser Begriff, gewöhnlich nämlich, hat im Deutschen oft den Sinn von ordinär. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 27158]
In feinstem Englisch, aber mit schlechten Zähnen spart der Poet nicht mit ordinären Details. [Die Zeit, 01.02.1993, Nr. 05]
Ich akzeptiere das überhaupt nicht, ich finde es furchtbar, grauenvoll, ordinär. [Die Zeit, 21.01.1980, Nr. 03]
Sie sind häßlich, ihre Texte sind ordinär, ihre Show ist ein Chaos. [Süddeutsche Zeitung, 28.05.1999]
Verständlicherweise kann eine forschungsgeschichtlich derart bedeutsame Wolle nicht in die ordinäre maschinelle Produktion gehen. [Süddeutsche Zeitung, 13.12.1997]
Zitationshilfe
„ordinär“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ordin%C3%A4r>.

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