orgiastisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungor-gi-as-tisch
HerkunftGriechisch
eWDG, 1974

Bedeutung

wie bei einer Orgie, ausgelassen, zügellos
Beispiele:
orgiastische Schwärmereien
eine orgiastische Verzückung
etw. orgiastisch genießen
jmd. ist orgiastisch (= schwärmerisch) verwirrt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Orgie · orgiastisch
Orgie f. ‘Ausschweifung, wüstes Gelage’. Lat. orgia Plur., griech. órgia (ὄργια) Plur. ‘geheime religiöse Gebräuche, Geheimkult’, speziell die ‘Geheimfeiern des Bacchusdienstes mit ekstatischer Ausgelassenheit’, wird im 17. Jh. in seiner griech.-lat. Form in die dt. Wissenschaftssprache aufgenommen. Ende des 18. Jhs. entwickelt eingedeutschtes Orgien (mit dem Sing. Orgie) auch die oben genannte übertragene Bedeutung und steht für dem jeweiligen Moralkodex zuwiderlaufende hemmungslose oder ausgelassene Handlungen bzw. Ausschweifungen einer Gemeinschaft. Griech. órgia ist wohl eine Bildung zu griech. érgon (ἔργον) ‘Werk, Tat’ (auch ‘bedenkliche, frevelhafte Tat’). Oder zu griech. orgḗ (ὀργή) ‘Sinnesart, heftige Gemütsbewegung, Leidenschaft’ (s. ↗Orgasmus)? orgiastisch Adj. ‘zügellos, hemmungslos’ (19. Jh.), griech. orgiastikós (ὀργιαστικός) ‘die Feier der Orgien betreffend, begeisternd, leidenschaftlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(es gibt) kein Halten mehr · ↗ausgelassen · bacchisch · ↗hemmungslos · mit Überschwang · orgiastisch · ↗stürmisch · ↗ungestüm · ↗ungezähmt · ↗ungezügelt · ↗wild · ↗zügellos · ↗übermütig · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig. · als ob es kein Morgen gäb(e)  ugs., Redensart · außer Rand und Band  ugs. · total aus dem Häuschen  ugs. · vom Teufel geritten  ugs. · völlig aus dem Häuschen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausschweifend · ↗exzessiv · ↗hemmungslos · orgiastisch · ↗wild · ↗zuchtlos · ↗zügellos
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbruch Ausschweifung Begeisterung Charakter Ekstase Element Erregung Exzeß Feier Fest Freude Geschrei Höhepunkt Kult Lust Moment Rausch Schrei Stöhnen Szene Tanz Taumel Treiben Verzückung Zuckung ekstatisch geradezu wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›orgiastisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Orgiastisches Vergnügen wie beim geilen Manager kam also keineswegs bei jeder Nummer auf.
Süddeutsche Zeitung, 24.10.1997
Sein Tanz beginnt orgiastisch, soll aber auch ein weithin vertragendes Werkzeug sein.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 426
Menschlein tummeln sich, nackt oder in uniformähnlichen Overalls, zuweilen scheint ihr Treiben orgiastisch, dann wieder von unendlicher Langeweile getragen.
Die Welt, 25.02.2005
Und endlich die wenig wichtigen orgiastischen Reste in der Volksreligiosität änderten an der prinzipiellen Ausrottung dieser irrationalen Mächte nichts.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 140
Er hätte gern den Rest der Melodien, den Bodensatz orgiastischer Begeisterung, der in seinem Kopf war, abgeschüttelt, zertreten.
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 52
Zitationshilfe
„orgiastisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/orgiastisch>, abgerufen am 13.12.2019.

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