Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

pöbeln

Grammatik Verb · pöbelt, pöbelte, hat gepöbelt
Worttrennung pö-beln
formal verwandt mitPöbel
Wortbildung  mit ›pöbeln‹ als Letztglied: anpöbeln · herumpöbeln
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich jmd. pöbeltsich in unangemessener Weise schimpfend oder grob beleidigend äußern
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: lautstark pöbeln
in Koordination: pöbeln und beleidigen, beschimpfen, brüllen, drohen, grölen; pöbeln und prügeln, randalieren
mit Aktivsubjekt: Betrunkene, Fans, Jugendliche pöbeln
Beispiele:
Aber auch grantig konnte sie sein, pöbeln und keifen, wenn ihr einer dumm kam. [Die Zeit, 26.02.2009, Nr. 10]
Zuerst pfeifen und pöbeln sie nur, dann werfen sie mit Eiern, Obst, Farbbeuteln und Steinen, sie prügeln auf Besucher ein. [Die Welt, 22.12.1999]
Der nebenan pöbelt: Die haun ihre eijen Iwans in die Pfanne mit ihrer Orjel – is den scheißejal. [Knef, Hildegard, Der geschenkte Gaul, Wien: Molden 1970, S. 84]
2.
jmd. pöbelt gegen jmdn., etw.jmdn. mit groben Äußerungen beleidigen (und dadurch zu provozieren versuchen); sich gegen etw. grob schimpfend und abwertend äußern
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: gegen den Trainer pöbeln
Beispiele:
Verbiestert, intolerant, ressentimentgeladen pöbelten selbsternannte Geschmackshüter gegen die »Verschandelung« der Straße. [Der Tagesspiegel, 16.11.2001]
Beim Ausgang der St.‑Galler Fan‑Zone rempeln und pöbeln sie gegen gegnerische Fans. [Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2000]
»Wer gegen mich offen rassistisch pöbelt, wird angezeigt«, sagte Özdemir. [Die Zeit, 07.11.2015 (online)]
Er ficht für das »Menschenrecht auf Radikalität« und pöbelt […] gegen die Demokratie mit ihrem ewigen Mittelmaß der Konsensbeschlüsse. [Die Zeit, 08.08.2013, Nr. 33]
Engländer pöbeln gegen Hamburgs Beatles‑Platz St. Pauli – Ist es ein Trauma oder purer Neid? [Bild, 19.01.2006]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pöbel · pop(e)lig · pöbelhaft · pöbeln · anpöbeln
Pöbel m. ‘rohe Volksmasse’. Mhd. bovel, povel (seit 1200), popil (13. Jh.), povil, bofel (1. Hälfte 14. Jh.) ‘Volk, Volksmenge, Leute’, frühnhd. (bis ins 15. Jh. ohne verächtlichen Nebensinn) bovel, povel, pofel, poffel, (mit Umlaut seit 15. Jh.) pöfel, pöffel, pövel, bei Luther Pübel, Pubel, Pobel, schließlich Pöbel ‘Volksmenge, einfaches, gemeines Volk’ ist entlehnt aus afrz. pueple, pople ‘Volk, Bevölkerung, Leute, Menge’ (frz. peuple), das auf lat. populus ‘Volk’ beruht. Direkt aus lat. populus stammt mnd. pōpel ‘niederes Volk’; dazu pop(e)lig Adj. ‘armselig, dürftig, knauserig’ (Mitte 19. Jh.). pöbelhaft Adj. ‘gemein, roh, unfein’ (Mitte 18. Jh.). pöbeln Vb. ‘sich wie der Pöbel verhalten’ (Ende 19. Jh.), auch ‘durch flegelhaftes Benehmen, beleidigende Äußerungen provozieren, randalieren’ (20. Jh.). anpöbeln Vb. ‘mit derben Worten belästigen’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) bekritteln · (etwas) bemäkeln · (seinem) Ärger (über / auf etwas) Luft machen · (sich) beklagen (über) · (sich) beschweren · (sich) unzufrieden äußern · beckmessern · herumkritisieren (an) · immer (et)was auszusetzen haben · immer (et)was zu meckern haben · murren · mäkeln · räsonieren  ●  reklamieren  schweiz. · (seinen) Frust loswerden (wollen)  ugs. · (seinen) Frust rauslassen  ugs. · (sich) auskotzen (über)  derb · Frust ablassen  ugs. · abkotzen  derb, fig. · granteln  ugs., österr., bayr. · maulen  ugs. · meckern  ugs. · mosern  ugs. · motzen  ugs. · nölen  ugs. · nörgeln  ugs., Hauptform · pöbeln  ugs. · quengeln  ugs. · raunzen  ugs., österr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›pöbeln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›pöbeln‹.

Zitationshilfe
„pöbeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/p%C3%B6beln>.

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