parasitär

GrammatikAdjektiv · Komparativ: parasitärer · Superlativ: am parasitärsten, Steigerung selten
Worttrennungpa-ra-si-tär
GrundformParasit
eWDG, 1974 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Biologie durch direkte oder indirekte Ausnutzung eines anderen Organismus ohne eine Gegenleistung an diesen lebend
entsprechend der Bedeutung von Parasit (1)Quelle: WDG, 1974
Beispiele:
Diese parasitäre Pflanzenart [die Würgfeige] raubt dem befallenen Baum immer mehr Licht, Wasser und Nahrung, bis er abstirbt. [Süddeutsche Zeitung, 21.01.2002]
Das Mittel enthält den Wirkstoff Pyrimethamin, hilft gegen die parasitäre (= durch Parasiten verursachte) Krankheit Toxoplasmose und wird in der Aids-Behandlung eingesetzt. [Süddeutsche Zeitung, 07.08.2017]
Ein parasitärer Pilz verursacht in Südwestdeutschland ein massives Eschensterben und vernichtet ganze Bestände. [Die Zeit, 07.11.2016 (online)]
Die parasitären Fadenwürmer Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis kannte man in Österreich bis vor kurzem hauptsächlich als unangenehme Reise-Mitbringsel. [Der Standard, 13.06.2016]
Bei der Roten Vogelmilbe handelt es ich um eine parasitäre Milbenart, welche sich vom Blut ihres Wirtstieres ernährt. [Haustier Verzeichnis, 21.04.2010, aufgerufen am 15.09.2017]
Kollokationen:
als Adjektivattribut: parasitäre Wespen, Einzeller, Pilze, Würmer, Fliegen
als Adverbialbestimmung: parasitär leben
2.
abwertend auf Kosten anderer lebend
entsprechend der Bedeutung von Parasit (2)Quelle: WDG, 1974
Beispiele:
der Angeklagte führte einen parasitären LebenswandelQuelle: WDG, 1974
Die mit falschen Statistiken und irreführenden Behauptungen gespickte Ansprache des Präsidenten trug ganz die Handschrift seines Chefstrategen Steve Bannon, der gerne das groteske Bild einer Ausbeutung Amerikas durch ein weltweites Kartell parasitärer Staaten malt. [Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2017]
Man lernt in diesem Buch so nachdrücklich wie selten, wie zivilisationsstiftend das so oft als parasitär diffamierte Handelsgewerbe war und ist. [Die Welt, 15.10.2016]
Diejenigen, die das größte Interesse am Copyright haben, sind die Nicht-Schaffenden, die allein von ihrem parasitären Verhältnis zu den Kreativen leben. [mynethome.de, 11.03.2004, aufgerufen am 15.09.2016]
Allenfalls kamen noch Schmarotzerinnen hinzu, die weder arbeiteten, noch sich fortpflanzten und als »Angehörige« ein parasitäres Dasein im Schoße der Familie führten. [Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 49288. Zitiert nach: Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise, Jena: Diederichs 1909.]
Den von Marx und später von Lenin nachgewiesenen immer parasitäreren Charakter des Kapitalismus veranschaulichte er an dem entsetzlichen Dilemma der Verschuldung der unterentwickelten Länder, die heute mehr als 600 Milliarden Dollar betrage und ein weiteres Mittel der Ausbeutung sei. [Berliner Zeitung, 12.04.1983] ungewöhnl.
Kollokationen:
als Adjektivattribut: eine parasitäre Lebensweise
als Adverbialbestimmung: sich parasitär verhalten
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. als parasitär bezeichnen

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Parasit · parasitär · parasitisch
Parasit m. ‘Schmarotzer, wer von der Arbeit oder auf Kosten anderer lebt’, dann (in der Biologie) tierisches oder pflanzliches Lebewesen, das in oder auf anderen Organismen lebt. Lat. parasītus, griech. parásītos (παράσιτος) ‘Tischgenosse, Gast, Schmarotzer’, eigentlich ‘wer seine Speise bei einem anderen hat’, vgl. griech. sī́tos (σῖτος) ‘Weizen, Getreide, Speise, Nahrung’ und s. ↗para-; griech. parásītos bezeichnet in der Komödie einen Possenreißer, der für ein Essen die Gäste auf Kosten der eigenen Person unterhält und erheitert. Das Substantiv begegnet, an das antike Vorbild gebunden, in griech. und lat. Form seit dem 16. Jh. in dt. Texten; eingedeutschtes Parasit (Plur. Parasiten) tritt im 18. Jh. auf, fachsprachliche Anwendung mit der heute im Vordergrund stehenden Bedeutung ‘Schmarotzerpflanze, -tier’ im 19. Jh. parasitär Adj. ‘schmarotzerhaft, durch Parasiten hervorgebracht’ (20. Jh.), nach frz. parasitaire; älter parasitisch Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
parasitär · ↗schmarotzerhaft

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bürokratie Dasein Einzeller Element Elite Erkrankung Erreger Erscheinung Existenz Infektion Kapazität Kapitalismus Kaste Lebensform Lebensstil Lebensweise Pilz Publizität Rasse Schicht Verhalten Wespe Wurm Zwilling bakteriell faulend infektiös sekundär symbiotisch viral

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›parasitär‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fast schon gab sie dem ewigen Werben der parasitären Freier nach.
Die Welt, 19.07.2001
Was die neuen »Werte« wirklich wert sind, wird sich zeigen, wenn parasitäres Wirtschaften sie nicht länger gewährleisten kann.
konkret, 1988
Diese vagabundierende Lebensweise, die jegliche Bindung an ein Revier ausschließt, machte sie offenbar für ein parasitäres Dasein besonders anfällig.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 128
Ein anderer Teil der Gesellschaft lebt wiederum - ökonomisch - völlig parasitär.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewußtsein, Neuwied u. a.: Leuchterhand 1970 [1923], S. 125
Für diese Art der parasitären Ausbeutung ist die totalitäre Diktatur auf die Mitwirkung "bürgerlicher" Gelehrter angewiesen, die bereit sind, ihre Arbeit fortzusetzen.
Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 227
Zitationshilfe
„parasitär“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/parasitär>, abgerufen am 06.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Parasit
Parasigmatismus
Parasem
Parasche
Parasange
Parasitenbefall
Parasitendasein
Parasitenleben
Parasitentum
parasitieren