Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

parlamentarisch

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache 
Worttrennung par-la-men-ta-risch
Wortbildung  mit ›parlamentarisch‹ als Erstglied: Parlamentarier  ·  mit ›parlamentarisch‹ als Letztglied: antiparlamentarisch · außerparlamentarisch · interparlamentarisch · unparlamentarisch
Herkunft aus gleichbedeutend parliamentaryengl
eWDG

Bedeutung

das Parlament betreffend
Beispiel:
eine parlamentarisch Arbeit, Tätigkeit
vom Parlament gebildet
Beispiele:
eine parlamentarische Kommission
ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss
in einem Parlament
Beispiele:
die parlamentarische Mehrheit, Opposition
eine parlamentarische Fragestunde
durch ein an der Regierungsbildung beteiligtes Parlament gekennzeichnet
Beispiele:
die parlamentarische Staatsform (= Parlamentarismus), Monarchie, Republik
die parlamentarische Demokratie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Parlament · Parlamentarier · parlamentarisch · unparlamentarisch · Parlamentarismus
Parlament n. ‘aus Wahlen hervorgegangene gesetzgebende Körperschaft eines demokratischen Staates, Abgeordnetenhaus’, mhd. parlament, parlemunt ‘Besprechung, Verhandlung, Versammlung’ (2. Hälfte 13. Jh.), wohl unter Einfluß von mlat. parlamentum ‘(feierliche) Besprechung, Unterredung’ entlehnt aus afrz. parlement ‘Unterredung, (Gerichts)verhandlung, Gerichtshof, Adelsversammlung’, einer Substantivbildung zu afrz. parler, paroler ‘sprechen, reden’ (frz. parler, s. parlieren). Im älteren Nhd. ist Parlament ‘Versammlung des Rates einer Stadt, Vertretung eines Landes, rechtsprechende Behörde oder gesetzgebende Körperschaft’, auch ‘höchster Gerichtshof’. Das ursprünglich der Verwaltungssprache angehörende Wort bekommt seine politische Bedeutung als ‘höchstes gewähltes Staatsorgan, Volksvertretung’ von engl. parliament (aus afrz. parlement), das semantisch auch auf frz. parlement zurückgewirkt hat. Auf deutsche Verhältnisse bezogen, wird Parlament in diesem Sinne erst durch das Frankfurter Parlament (1848) geläufig. – Parlamentarier m. ‘Mitglied eines Parlaments, Abgeordneter’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. engl. parliamentarian, das ursprünglich denjenigen bezeichnet, der im englischen Bürgerkrieg (17. Jh.) auf der Seite des Parlaments stand, und in dieser Verwendung schon Ende des 18. Jhs. als Parlamentarier ins Dt. gelangt. parlamentarisch Adj. ‘das Parlament betreffend, vom Parlament gebildet oder ausgehend, in ihm üblich’ (Ende 18. Jh.), nach gleichbed. engl. parliamentary, anfangs auf englische, dann auch auf französische, im Zusammenhang mit der Frankfurter Nationalversammlung auch auf deutsche Verhältnisse angewandt (Mitte 19. Jh.); dazu unparlamentarisch Adj. (selten Ende 18. Jh., häufiger Mitte 19. Jh.), engl. unparliamentary. Parlamentarismus m. ‘Staatsform, bei der das Parlament durch sein Gesetzgebungsrecht, durch die Mitwirkung an der Regierungsbildung und durch Kontrolle der Regierung Einfluß auf die Leitung des Staates besitzt’ (Mitte 19. Jh.), latinisierende Bildung, zunächst mit Bezug auf die damals als vorbildlich angesehene englische Verfassung; vgl. (hiernach oder nach frz. parlementarisme, 1852) jüngeres engl. parliamentarism (1870).

Typische Verbindungen zu ›parlamentarisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›parlamentarisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›parlamentarisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Zweck dieses Ausschusses ist, in der Zeit zwischen den Wahlen eine parlamentarische Kontrolle über die Regierung auszuüben. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 926]
Nur den politisch unbegabten Monarchen schaltet das parlamentarische System aus – zum Heil der Macht des Landes! [Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken Verl. 1921 [1918], S. 150]
Erst dieser Status verschafft ihnen wichtige Rechte für die parlamentarische Arbeit. [o. A. [Rdh.]: Fraktionsstatus. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1988]]
Dann sprach man beim Abbröckeln der sozial‑liberalen Mehrheit in Bonn nach 1972 von parlamentarischem Patt. [o. A. [es]: Patt. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1975]]
Vor kurzem noch waren sie vom parlamentarischen Aus bedroht, und plötzlich wird ihnen die Beteiligung an der Macht offeriert. [Die Zeit, 01.10.1998, Nr. 41]
Zitationshilfe
„parlamentarisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/parlamentarisch>.

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