parteiisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung par-tei-isch
Wortzerlegung Partei-isch
Wortbildung  mit ›parteiisch‹ als Letztglied: ↗unparteiisch
eWDG, 1974

Bedeutung

einseitig für jmdn. oder eine Gruppe eingestellt, voreingenommen, befangen
Beispiel:
ein parteiischer Schiedsrichter, Kritiker
Jura in einem Rechtsstreit zugunsten der einen und zuungunsten der anderen Partei urteilend
Beispiele:
ein parteiischer Richter
einen Richter, den Zeugen als parteiisch ablehnen, verdächtigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Partei · Parte1 · Parteigänger · Parteigenosse · parteiisch · unparteiisch · parteilich · Parteilichkeit · Parteiung
Partei f. ‘Gruppe Gleichgesinnter, Vereinigung von Personen mit der gleichen politischen Überzeugung, um bestimmte Ziele durchzusetzen’, auch ‘Partner eines Vertrags, einer der beiden Gegner im Rechtsstreit’, mhd. partīe ‘Abteilung, Personengruppe, Gruppierung’, mnd. partī(g)e ‘Personenverband, Parteiung, einseitige Parteinahme, Prozeßpartei’, entlehnt aus afrz. partie ‘Teil, Gebiet, Anteil, Verteilung, Trennung, Rechtshandel, Heiratsmöglichkeit, Seite, Richtung, Gegner’, dem substantivierten Femininum des Part. Perf. von afrz. mfrz. partir ‘teilen, verteilen, trennen, sich entfernen, aufbrechen’ (frz. partir ‘abreisen, aufbrechen, losgehen’), dem lat. partīre (partītum), auch partīrī ‘teilen, trennen, zuteilen’ zugrunde liegt; dieses ist gebildet zu lat. pars (Genitiv partis) ‘Teil, Anteil, Seite’. Partei ‘Personengruppe mit gemeinsamen Interessen’, das in einigen Verwendungen noch längere Zeit im Wechsel mit später entlehntem ↗Partie (s. d.) gebraucht wird, bezeichnet seit dem 15. Jh. auch jede der in Verhandlungen oder einem Rechtsgeschäft sich gegenüberstehenden Seiten (‘Vertragspartner, Prozeßgegner’) sowie (zuerst niederrhein.) eine Gruppe mit gemeinsamem Wohnsitz (‘Haushaltung, Familie, Mietspartei’, obsächs. Parte1 f. ); vom 16. Jh. an steht es für ‘sich von anderen sondernde politische oder konfessionelle Gesinnungsgemeinschaft’ und vereinzelt schon für ‘Heiratsmöglichkeit, zu heiratende Person’ (besonders unter dem Gesichtspunkt der Vermögensverhältnisse, hierfür seit dem 17. Jh. auch Partie, das sich schließlich durchsetzt); in der Militärsprache des 17. Jhs. ist es außerdem ‘Streifzüge unternehmende kleine Schar’. In mehreren seiner Bedeutungen, namentlich im Sinne von ‘politische Organisation’, zeigt Partei semantischen Einfluß des (ebenfalls zu afrz. mfrz. partir gehörenden) Maskulinums mfrz. frz. parti ‘Anteil, Lage, Beruf, Stand, zu heiratende Person, Entschluß, Interessengruppe, Organisation’, frz. auch ‘Trupp von Soldaten, Streifkorps’ (afrz. parti ‘Teil, Anteil, Menge, Lage’). Parteigänger m. ‘Anhänger einer politischen Richtung, einer Persönlichkeit’ (Anfang 19. Jh., meist abschätzig), zuvor ‘Führer oder Angehöriger einer Streifzüge unternehmenden Schar’ (17. Jh.). Parteigenosse m. ‘Mitglied einer politischen Partei’ (Anfang 19. Jh.), in der Sozialdemokratie seit den 70er Jahren des 19. Jhs. allmählich durch die kürzere Form ↗Genosse (s. d.) verdrängt. parteiisch Adj. ‘einseitig für eine Partei, eine bestimmte Interessengruppe, einen von zwei Gegnern eingestellt, voreingenommen, befangen’ (16. Jh.), auch ‘einer Gruppe, Partei angehörend, zu ihr stehend’ (15. Jh.); entsprechend unparteiisch Adj. (15. Jh.). parteilich Adj. ‘eine Partei betreffend, vertretend, Partei ergreifend’ (20. Jh.), ‘parteiisch’ (15. Jh.). Parteilichkeit f. ‘theoretisches und praktisches Eintreten für die Interessen einer Partei’ (20. Jh.), ‘einseitige Stellungnahme oder Beurteilung’, auch ‘Uneinigkeit’ (um 1500). Parteiung f. ‘Zersplitterung in einander bekämpfende Parteien, Spaltung, Zwietracht’ (Ende 15. Jh.); vgl. mhd. partīen ‘(sich) in Parteien spalten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
einseitig · nicht objektiv · parteiisch · ↗persönlich · ↗subjektiv · ↗unausgewogen · ↗unsachlich
Assoziationen
Synonymgruppe
befangen · ↗einseitig · nicht neutral · nicht objektiv · parteiisch · ↗tendenziös · ↗unilateral · ↗vorbelastet · ↗voreingenommen · vorurteilsvoll
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›parteiisch‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›parteiisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›parteiisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Natürlich ist es immer schwierig, in solchen Situationen nicht parteiisch zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 27.04.2000
Und dieser Kampf ist nicht nur politisch, er ist auch parteiisch.
Die Zeit, 15.10.1998, Nr. 43
Nicht nur städtisch, auch auf dem Land sind wir parteiisch entzweit.
Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 451
Tätigkeit, dazu parteiische Haltung ist von vornherein in ihm darin, tritt mithin als wahrer Schluß am Ende wieder hervor.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 283
Durch parteiische Anwendung wird hier Reichsrecht gebrochen - ein unheilverkündender Präzedenzfall.
Mann, Golo: Das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1586
Zitationshilfe
„parteiisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/parteiisch>, abgerufen am 06.06.2020.

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