passieren

GrammatikVerb · passierte, hat passiert
Aussprache
Worttrennungpas-sie-ren (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›passieren‹ als Erstglied: ↗Passiermaschine · ↗Passierschein · ↗Passiersieb · ↗passabel · ↗passierbar
 ·  mit ›passieren‹ als Letztglied: ↗abpassieren · ↗durchpassieren · ↗einpassieren · ↗hindurchpassieren · ↗repassieren
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
eine bestimmte Wegstrecke, ein bestimmtes Gebiet durchqueren, durchfahren
Beispiele:
einen Weg, Fahrdamm, eine Kreuzung passieren
das Schiff passiert die Brücke
der Eilzug hat eben die Bahnstation passiert
das Auto konnte ungehindert den Kontrollpunkt passieren
etw. überqueren
Beispiele:
Flüsse, Grenzen passieren
der Pförtner ließ ihn (ungehindert) passieren (= vorbei-, hindurchgehen)
diese Ware passiert zollfrei (= geht zollfrei über die Grenze)
etw. Revue passieren lassenetw. in Gedanken an sich vorüberziehen lassen
Beispiel:
wenn ich nun mein eigenes Leben noch einmal in allen Einzelheiten Revue passieren lasse [HartungWunderkinder120]
2.
etw. durch ein Sieb drücken, pressen
Beispiele:
gekochte Kartoffeln, Erbsen passieren
passierte Tomaten
eine Suppe passieren (= durchseihen)
Gemüse- und Obstsorten ... als Frischsaft oder in passierter Form [Gesundheit1961]
3.
veraltend etw. passiertetw. ist gerade noch erträglich, leidlich
Beispiel:
Er [der Salon] konnte passieren (mehr freilich war ihm nicht zuzugestehen) [FontaneII 1,115]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

passieren · Passant · Passage · Passagier
passieren Vb. ‘vorübergehen, durch-, überqueren’, dann ‘angehen, erträglich sein’ (16. Jh., heute unüblich), ‘geschehen, sich ereignen’ (17. Jh.) und ‘durch ein Sieb pressen, durchseihen’ (2. Hälfte 19. Jh.), wahrscheinlich über mnl. passēren ‘durchqueren, vorbeigehen’ entlehnt (niederrhein. passeren ‘reisen’ 1477, hd. seit Anfang 16. Jh.) aus afrz. frz. passer ‘sich von einem Orte an einen anderen bewegen, durchqueren, überschreiten, vorüber-, vergehen, durchseihen’, frz. auch ‘annehmbar, erträglich sein’ (woraus zuvor schon ↗passen, s. d.). Das frz. Verb setzt vlat. *passāre ‘(durch)schreiten, (durch)gehen’ fort, eine Ableitung von lat. passus ‘Schritt’ (s. ↗Paß). Die Bedeutung ‘sich ereignen’ schließt sich an reflexiv verwendetes gleichbed. mfrz. frz. se passer an. Ein vereinzelter Frühbeleg spätmhd. als diser marckt passärt ‘vorübergeht, zu Ende ist’ (Oswald v. Wolkenstein) beruht wohl auf Übernahme von ital. passare (gleicher Herkunft und Semantik wie frz. passer). Passant m. ‘Vorübergehender, Fußgänger’, älter auch ‘Durchreisender’ (Anfang 18. Jh.), nach gleichbed. afrz. frz. passant oder ital. passante, dem substantivierten Part. Präs. von afrz. frz. passer bzw. ital. passare (s. oben). Passage f. ‘Durchgang, Durchfahrt, Überfahrt, Abschnitt eines Textes’ (16. Jh., anfangs Passassy, Passaige, Passasch, Pasagie u. ä.), nach gleichbed. mfrz. frz. passage m.; voraus geht mhd. passāsche ‘Weg, Furt’ (13. Jh.), Übernahme von entsprechendem afrz. passage, abgeleitet von afrz. passer (s. oben; vgl. latinisiertes mlat. passagium ‘Durchgang, Weg, Wegegeld, Fährgeld’). Die terminologische Verwendung von Passage (älter auch Passagie) im Sinne von ‘virtuose Tonfolge in einem Musikstück’ (Ende 17. Jh.) erklärt sich aus gleichbed. ital. passaggio, das ebenfalls auf afrz. passage zurückgeht. Passagier m. ‘Reisender, Fahrgast’ (16. Jh., zunächst für den Schiffsreisenden), nach gleichbed. mfrz. frz. passager (afrz. passagier ‘Fährmann, Schiffer’, zu afrz. passage, s. oben), in der Bedeutung ‘Durchreisender, Fremder’ auch nach aus dem Frz. stammendem ital. passegg(i)ero (älter passeggiere, passaggiere).

Thesaurus

Synonymgruppe
durchgehen · ↗durchseihen (durch ein Sieb) · passieren · ↗seihen · ↗sieben
Synonymgruppe
(sich) abspielen · ↗(sich) ereignen · ↗(sich) zutragen · ↗ergehen · ↗geschehen · kommen zu (es) · nicht ausbleiben · passieren · ↗vorfallen  ●  ↗erfolgen  förmlich · (sich) begeben (es)  geh. · ↗(sich) tun  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
passieren · ↗vorbeigehen (an) · ↗vorübergehen
Synonymgruppe
passieren · ↗überschreiten · ↗übertreten
Synonymgruppe
(jemandem) zustoßen · am eigenen Leib erfahren · auf sich wirken lassen · ↗ausstehen · ↗durchhalten · ↗durchlaufen · ↗durchleben · ↗durchmachen · ↗einstecken · ↗erfahren · ↗erleben · ↗erleiden · ↗ertragen · ↗hinnehmen · in Kauf nehmen · ↗miterleben · passieren · ↗verleben · ↗überstehen  ●  einen Streifen mitmachen  ugs. · ↗mitmachen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) erleben · (jemandem) passieren · ↗(jemandem) unterkommen · ↗(jemandem) vorkommen · ↗(jemandem) zustoßen  ●  ↗(jemandem) widerfahren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Fehler machen (unabsichtlich) · (jemandem) passieren · ↗unterlaufen (Fehler o.ä.)  ●  (einen) Bock schießen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bundesrat Ding Fehler Grenze Panne Revue Unfall Unglück da dann egal eigentlich einmal es gar genau gerade hier häufig jetzt mal nie oft selten so sonst viel was wieder wirklich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›passieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu viel ist passiert in diesen zwanzig Jahren stetigen Alterns, schleichend, unbeachtet, diskussionslos.
Die Zeit, 16.12.2013, Nr. 50
Inzwischen sei viel passiert, nur daran habe sich nichts geändert.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 297
Und warum sollte man sich damit aufhalten, es würde ohnehin nichts passieren.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 244
Zehn Jahre nachdem das passiert ist, kommt er in Behandlung.
konkret, 1988
Und alles geht vor sich und passiert an einem Abend, in drei Stunden!
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 172
Zitationshilfe
„passieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/passieren#1>, abgerufen am 19.10.2019.

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passieren

GrammatikVerb · passierte, ist passiert
Aussprache
Worttrennungpas-sie-ren (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
geschehen, sich zutragen, ereignen
Beispiele:
ein Unglück ist passiert
der Unfall passierte vor ihren Augen
was ist passiert?
es ist etw. Schreckliches passiert
dies wäre nicht passiert, wenn ...
wie konnte das nur passieren!
es muss etw. passieren (= unternommen werden)
wenn Sie nicht sofort still sind, passiert etw. (= werde ich handgreiflich)
2.
jmdm. passiert etw.jmdm. widerfährt, geschieht etw.
Beispiele:
mir ist etw. Dummes, Unangenehmes passiert
es passiert Ihnen nichts, wenn Sie alle Anweisungen befolgen!
das kann auch nur ihm passieren! (= er ist immer so ungeschickt!)
das kann jedem mal passieren (= das ist nicht so schlimm)
das ist mir noch nie passiert
pass bloß auf, dass dir nichts passiert! (= zustößt!)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

passieren · Passant · Passage · Passagier
passieren Vb. ‘vorübergehen, durch-, überqueren’, dann ‘angehen, erträglich sein’ (16. Jh., heute unüblich), ‘geschehen, sich ereignen’ (17. Jh.) und ‘durch ein Sieb pressen, durchseihen’ (2. Hälfte 19. Jh.), wahrscheinlich über mnl. passēren ‘durchqueren, vorbeigehen’ entlehnt (niederrhein. passeren ‘reisen’ 1477, hd. seit Anfang 16. Jh.) aus afrz. frz. passer ‘sich von einem Orte an einen anderen bewegen, durchqueren, überschreiten, vorüber-, vergehen, durchseihen’, frz. auch ‘annehmbar, erträglich sein’ (woraus zuvor schon ↗passen, s. d.). Das frz. Verb setzt vlat. *passāre ‘(durch)schreiten, (durch)gehen’ fort, eine Ableitung von lat. passus ‘Schritt’ (s. ↗Paß). Die Bedeutung ‘sich ereignen’ schließt sich an reflexiv verwendetes gleichbed. mfrz. frz. se passer an. Ein vereinzelter Frühbeleg spätmhd. als diser marckt passärt ‘vorübergeht, zu Ende ist’ (Oswald v. Wolkenstein) beruht wohl auf Übernahme von ital. passare (gleicher Herkunft und Semantik wie frz. passer). Passant m. ‘Vorübergehender, Fußgänger’, älter auch ‘Durchreisender’ (Anfang 18. Jh.), nach gleichbed. afrz. frz. passant oder ital. passante, dem substantivierten Part. Präs. von afrz. frz. passer bzw. ital. passare (s. oben). Passage f. ‘Durchgang, Durchfahrt, Überfahrt, Abschnitt eines Textes’ (16. Jh., anfangs Passassy, Passaige, Passasch, Pasagie u. ä.), nach gleichbed. mfrz. frz. passage m.; voraus geht mhd. passāsche ‘Weg, Furt’ (13. Jh.), Übernahme von entsprechendem afrz. passage, abgeleitet von afrz. passer (s. oben; vgl. latinisiertes mlat. passagium ‘Durchgang, Weg, Wegegeld, Fährgeld’). Die terminologische Verwendung von Passage (älter auch Passagie) im Sinne von ‘virtuose Tonfolge in einem Musikstück’ (Ende 17. Jh.) erklärt sich aus gleichbed. ital. passaggio, das ebenfalls auf afrz. passage zurückgeht. Passagier m. ‘Reisender, Fahrgast’ (16. Jh., zunächst für den Schiffsreisenden), nach gleichbed. mfrz. frz. passager (afrz. passagier ‘Fährmann, Schiffer’, zu afrz. passage, s. oben), in der Bedeutung ‘Durchreisender, Fremder’ auch nach aus dem Frz. stammendem ital. passegg(i)ero (älter passeggiere, passaggiere).

Thesaurus

Synonymgruppe
durchgehen · ↗durchseihen (durch ein Sieb) · passieren · ↗seihen · ↗sieben
Synonymgruppe
(sich) abspielen · ↗(sich) ereignen · ↗(sich) zutragen · ↗ergehen · ↗geschehen · kommen zu (es) · nicht ausbleiben · passieren · ↗vorfallen  ●  ↗erfolgen  förmlich · (sich) begeben (es)  geh. · ↗(sich) tun  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
passieren · ↗vorbeigehen (an) · ↗vorübergehen
Synonymgruppe
passieren · ↗überschreiten · ↗übertreten
Synonymgruppe
(jemandem) zustoßen · am eigenen Leib erfahren · auf sich wirken lassen · ↗ausstehen · ↗durchhalten · ↗durchlaufen · ↗durchleben · ↗durchmachen · ↗einstecken · ↗erfahren · ↗erleben · ↗erleiden · ↗ertragen · ↗hinnehmen · in Kauf nehmen · ↗miterleben · passieren · ↗verleben · ↗überstehen  ●  einen Streifen mitmachen  ugs. · ↗mitmachen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) erleben · (jemandem) passieren · ↗(jemandem) unterkommen · ↗(jemandem) vorkommen · ↗(jemandem) zustoßen  ●  ↗(jemandem) widerfahren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Fehler machen (unabsichtlich) · (jemandem) passieren · ↗unterlaufen (Fehler o.ä.)  ●  (einen) Bock schießen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bundesrat Ding Fehler Grenze Panne Revue Unfall Unglück da dann egal eigentlich einmal es gar genau gerade hier häufig jetzt mal nie oft selten so sonst viel was wieder wirklich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›passieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu viel ist passiert in diesen zwanzig Jahren stetigen Alterns, schleichend, unbeachtet, diskussionslos.
Die Zeit, 16.12.2013, Nr. 50
Inzwischen sei viel passiert, nur daran habe sich nichts geändert.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 297
Und warum sollte man sich damit aufhalten, es würde ohnehin nichts passieren.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 244
Zehn Jahre nachdem das passiert ist, kommt er in Behandlung.
konkret, 1988
Und alles geht vor sich und passiert an einem Abend, in drei Stunden!
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 172
Zitationshilfe
„passieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/passieren#2>, abgerufen am 19.10.2019.

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