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passiv

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung pas-siv
Wortbildung  mit ›passiv‹ als Erstglied: Passivhandel · Passivhaus · Passivprozess · Passivrauchen · Passivraucher · passivieren
 ·  mit ›passiv‹ als Grundform: Passiva · Passiven · Passivität
Herkunft zu passīvuslat ‘empfindsam, der Empfindung, der Affekte fähig, fähig zu leiden’, vgl. passifafrz frz ‘untätig, hinnehmend, teilnahmslos’

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  1. in gegensätzlicher Bedeutung zu aktiv
    1. a) nicht rührig, nicht zielstrebig, ohne etw. zu unternehmen (gegen etw., jmdn.)
    2. b) ...
    3. c) ...
    4. d) [Wirtschaft] ...
    5. e) [Sprachwissenschaft] ...
    6. f) [Sprachwissenschaft] ...
eWDG

Bedeutung

in gegensätzlicher Bedeutung zu aktiv
a)
nicht rührig, nicht zielstrebig, ohne etw. zu unternehmen (gegen etw., jmdn.)
Beispiele:
eine passive Natur
ein passives Erdulden von Ungerechtigkeit
sich passiv verhalten
passiver Widerstand, passive Resistenzgewaltlose Form des (politischen) Widerstandes, die darin besteht, sich der Mitwirkung an den von einem meist übermächtigen Gegner gestellten Aufgaben zu entziehen
Beispiele:
die passive Resistenz während der faschistischen Okkupation
er legte sich seinen Plan zurecht, der darin bestand, den Feind … durch passiven Widerstand hinzuhalten, zu zermürben [ I. KurzVanadis52]
b)
Beispiel:
das passive Wahlrecht (= das Recht, gewählt zu werden)
c)
Beispiel:
passive Bestechung (= das Annehmen von Geschenken oder Vorteilen bei der Ausübung einer staatlichen oder wirtschaftsleitenden Funktion)
d)
Wirtschaft
Beispiel:
eine passive Handelsbilanz (= Übergewicht der Einfuhr über die Ausfuhr)
e)
Sprachwissenschaft
Beispiel:
die passive Formen des Verbs (= die Formen des Passivs)
f)
Sprachwissenschaft
Beispiel:
der passiv Wortschatz (= Wortschatz, den ein Mensch kennt, aber nicht aktiv gebraucht)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Passiv · passiv · Passivität
Passiv n. ‘Leideform’, eines der Genera verbi. Der grammatische Terminus spätlat. (verbum) passīvum zur Bezeichnung einer Verbform, die das Subjekt als von der Handlung betroffen darstellt, geht in die deutschsprachigen Grammatiken ein, vgl. Passivum (Mitte 17. Jh.), Passiv (Ende 18. Jh.) im oben genannten Sinne. Dazu vgl. Verdeutschungen wie leydiger (um 1400), Leidende Deutung (Schottel 1641), Leidart (Stieler 1691). Zugrunde liegt zu lat. patī (passus sum) ‘(er)dulden, sich gefallen lassen, hinnehmen, (er)leiden’ gebildetes lat. passīvus ‘empfindsam, der Empfindung, der Affekte fähig, fähig zu leiden’, woraus passiv Adj. ‘untätig, hinnehmend, teilnahmslos’ (18. Jh.), wohl unter Einfluß von gleichbed. afrz. frz. passif. Passivität f. ‘Untätigkeit, Teilnahmslosigkeit, Trägheit’ (18. Jh.), frz. passivité, älter passiveté, gebildet zu frz. passif.

Thesaurus

Synonymgruppe
bequem · faul · müßig · passiv · phlegmatisch · tatenlos · träge · untätig  ●  pomadig  ugs.
Assoziationen
  • (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  derb, fig. · (sich) nicht aufraffen können  ugs. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Gänge kommen  ugs. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
Synonymgruppe
brachliegend · inaktiv · passiv · unbeschäftigt · untätig
Synonymgruppe
passiv · untätig
Synonymgruppe
apathisch · lethargisch · passiv · phlegmatisch · schwerfällig · teilnahmslos · träge  ●  indolent  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›passiv‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›passiv‹.

Verwendungsbeispiele für ›passiv‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das aktive Wahlrecht ist auf 21, das passive Wahlrecht auf 25 Jahre festgesetzt. [Biundo, G.: Pfalz. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 26212]
Deutsch konnte ich sprechen, und ich benahm mich durchaus nicht passiv. [Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 4409]
Aber mehr als dies passive Verhalten hat der obsiegende Teil nicht zu erwarten. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 389]
Doch anders als jene wollten sie nicht passiv auf bessere Zeiten warten. [Die Zeit, 11.03.1988, Nr. 11]
Im Kampf für den Frieden darf man niemals eine passive Haltung einnehmen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1965]]
Zitationshilfe
„passiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/passiv>.

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