passiv

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungpas-siv
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›passiv‹ als Erstglied: ↗Passivhandel  ·  mit ›passiv‹ als Grundform: ↗Passiva · ↗Passiven
eWDG, 1974

Bedeutung

Gegenwort zu aktiv
a)
nicht rührig, nicht zielstrebig, ohne etw. zu unternehmen (gegen etw., jmdn.)
Beispiele:
eine passive Natur
ein passives Erdulden von Ungerechtigkeit
sich passiv verhalten
passiver Widerstand, passive Resistenzgewaltlose Form des (politischen) Widerstandes, die darin besteht, sich der Mitwirkung an den von einem meist übermächtigen Gegner gestellten Aufgaben zu entziehen
Beispiele:
die passive Resistenz während der faschistischen Okkupation
er legte sich seinen Plan zurecht, der darin bestand, den Feind ... durch passiven Widerstand hinzuhalten, zu zermürben [I. KurzVanadis52]
b)
Beispiel:
das passive Wahlrecht (= das Recht, gewählt zu werden)
c)
Beispiel:
passive Bestechung (= das Annehmen von Geschenken oder Vorteilen bei der Ausübung einer staatlichen oder wirtschaftsleitenden Funktion)
d)
Wirtschaft
Beispiel:
eine passive Handelsbilanz (= Übergewicht der Einfuhr über die Ausfuhr)
e)
Sprachwissenschaft
Beispiel:
die passive Formen des Verbs (= die Formen des Passivs)
f)
Sprachwissenschaft
Beispiel:
der passiv Wortschatz (= Wortschatz, den ein Mensch kennt, aber nicht aktiv gebraucht)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Passiv · passiv · Passivität
Passiv n. ‘Leideform’, eines der Genera verbi. Der grammatische Terminus spätlat. (verbum) passīvum zur Bezeichnung einer Verbform, die das Subjekt als von der Handlung betroffen darstellt, geht in die deutschsprachigen Grammatiken ein, vgl. Passivum (Mitte 17. Jh.), Passiv (Ende 18. Jh.) im oben genannten Sinne. Dazu vgl. Verdeutschungen wie leydiger (um 1400), Leidende Deutung (Schottel 1641), Leidart (Stieler 1691). Zugrunde liegt zu lat. patī (passus sum) ‘(er)dulden, sich gefallen lassen, hinnehmen, (er)leiden’ gebildetes lat. passīvus ‘empfindsam, der Empfindung, der Affekte fähig, fähig zu leiden’, woraus passiv Adj. ‘untätig, hinnehmend, teilnahmslos’ (18. Jh.), wohl unter Einfluß von gleichbed. afrz. frz. passif. Passivität f. ‘Untätigkeit, Teilnahmslosigkeit, Trägheit’ (18. Jh.), frz. passivité, älter passiveté, gebildet zu frz. passif.

Thesaurus

Synonymgruppe
bequem · ↗faul · ↗müßig · passiv · ↗phlegmatisch · ↗tatenlos · ↗träge · ↗untätig  ●  ↗pomadig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
brachliegend · ↗inaktiv · passiv · ↗unbeschäftigt · ↗untätig
Synonymgruppe
passiv · ↗untätig
Synonymgruppe
apathisch · ↗lethargisch · passiv · ↗phlegmatisch · ↗schwerfällig · ↗teilnahmslos · ↗träge  ●  ↗indolent  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
leidend (Grammatik) · passiv

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abseits Bauelement Bauelemente Bestechung Bewaffnung Euthanasie Fahrzeugsicherheit Handelsbilanz ISDN-Karte Immunisierung Kommunalwahlrecht Konsumente Kühlkörper Lohnveredelung Lärmschutz Lärmschutzmaßnahme Rauchen Resistenz Sicherheit Sicherheitsausstattung Sicherheitssystem Sterbehilfe Wahlalter Wahlrecht Widerstand Wortschatz Zahlungsbilanz aktiv gemanagt verhalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›passiv‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie ist völlig passiv; das Risiko ertappt zu werden praktisch null.
Die Welt, 19.05.2000
Insgesamt haben wir zu passiv gespielt, und wenn wir Chancen hatten, sie nicht genutzt.
Der Tagesspiegel, 23.06.1998
Das aktive Wahlrecht ist auf 21, das passive Wahlrecht auf 25 Jahre festgesetzt.
Biundo, G.: Pfalz. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 26212
Aber mehr als dies passive Verhalten hat der obsiegende Teil nicht zu erwarten.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 389
Deutsch konnte ich sprechen, und ich benahm mich durchaus nicht passiv.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 4409
Zitationshilfe
„passiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/passiv>, abgerufen am 17.02.2019.

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