peinigen

GrammatikVerb · peinigt, peinigte, hat gepeinigt
Aussprache
Worttrennungpei-ni-gen
Wortbildung mit ›peinigen‹ als Erstglied: ↗Peiniger · ↗Peinigung  ·  mit ›peinigen‹ als Letztglied: ↗Selbstpeinigung
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
jmd. peinigt jmdn., etw.jmdm., einem Tier Schmerzen zufügen, jmdn., ein Tier körperlich quälen (Lesart 1)
Beispiele:
Die regierungskritische Zeitung »Nowaja Gaseta« hatte erstmals Anfang April über die beispiellose Gewaltkampagne berichtet, bei der mindestens hundert Männer in diesem Frühjahr in der russischen Teilrepublik von Sicherheitskräften verschleppt und gepeinigt worden sein sollen. [Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2017]
Dass Menschen, die in ihrer Heimat politisch verfolgt und gepeinigt wurden, Anspruch auf humanitäre Hilfe haben, wird hierzulande von der Mehrheit der Bevölkerung für richtig erachtet. [Die Welt, 27.11.2014]
[…] die Gestapo nahm ihn nach seinem Freispruch sofort fest, warf ihn ins Konzentrationslager Neuengamme, wo er in wenigen Monaten […] zu Tode gemartert, gequält und gepeinigt wurde. [Welt am Sonntag, 18.05.1997]
Die Pferde bewegen sich ungeduldig, von Fliegenschwärmen aufgeregt und gepeinigt. [Berliner Zeitung, 06.07.1948]
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: Menschen peinigen
in Koordination: jmdn. peinigen und quälen, schlagen
spezieller jmdn. belästigen, bedrängen, seelisch quälen
Beispiele:
Sie wurde mit Schlafentzug und endlosen Verhören gepeinigt und man drohte ihr an, sie zu erschießen, wenn sie nicht andere Menschen belasten würde, doch sie lachte ihren Peinigern ins Gesicht und sagte: Was wollt Ihr denn? [nachrichtenaushinterland, 07.11.2014, aufgerufen am 28.04.2016]
Zuvor hatten subalterne Polizeibeamte ihn mit ihren Fragen gequält und gepeinigt. [Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2002]
Aus rasender Eifersucht peinigt er seine Frau mit Misstrauen, den Stiefsohn mit Hass[…]. [Bild, 24.10.2000]
Hamsun, ein Mann von beinahe fünfzig Jahren, peinigte die weitaus jüngere Geliebte mit wütender Eifersucht und blödsinnigen Vorschriften. [Der Spiegel, 21.12.1970, Nr. 52]
Yvonne wurde von Pierres Familie sehr kühl aufgenommen, entwickelte schnell heftige Haßgefühle und begann, Pierre mit ihren Eifersüchteleien zu peinigen. [Der Spiegel, 22.08.1951, Nr. 34]
Kollokation:
in Koordination: jmdn. peinigen und demütigen
2.
etw. peinigt jmdn.jmdn. plagen (Lesart 1), jmdm. körperlich schwer zusetzen; in jmdm. unangenehme Empfindungen hervorrufen
Beispiele:
Allergiker haben sich hierzulande längst darauf eingestellt, dass sie nach Birke, Hasel und Gräsern Jahr für Jahr auch von Pollen neuer, eingewanderter Arten gepeinigt werden. [Spiegel, 06.06.2017 (online)]
In einer der folgenden Nächte wurde sie von Ameisen gepeinigt, die Insekten krochen unter ihre Kleidung, versetzten ihr schmerzhafte Bisse. [Der Spiegel, 02.11.2009, Nr. 45]
Umlagert von waffenstarrenden Guerillas, gepeinigt von 40 Grad Hitze und dem Geruch überfließender Toiletten, bangten 300 Fluggäste als Geiseln tagelang ihrer Erlösung – oder ihrem Ende – entgegen. [Der Spiegel, 14.09.1970, Nr. 38]
Klirrende Fröste und Heere von Mücken werden die Jungen peinigen. [Neues Deutschland, 08.05.1974]
3.
etw. peinigt jmdn.jmdn. stark beunruhigen, innerliche Qualen verursachen, jmdn. quälen (Lesart 2)
Beispiele:
Der Schriftsteller hatte sich, gepeinigt von Selbstzweifeln […], im Alter von nur 32 Jahren in Wien das Leben genommen. [Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2016]
Noch Jahre später peinigten Alpträume die Opfer. [Der Spiegel, 30.09.1996, Nr. 40]
Gewissensbisse hätten ihn während der Tat [einem Giftanschlag] gepeinigt […], schließlich sei er dazu ausgebildet worden, Menschenleben zu retten, nicht sie zu vernichten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.1995]
Ich kann nicht davon sprechen, mit welcher schmerzlichen Innigkeit ich an Viktoria und die Kinder denke, und wie mich die Sorge um ihre Zukunft peinigt. [Die Zeit, 08.02.1991, Nr. 07]
Da blieb Jean sitzen, von unmenschlicher Angst gepeinigt, zusammengesunken, den Kopf auf die zitternden Knie gestützt. [Berliner Zeitung, 11.10.1951]
ironisch Sie [Mannheimer Kommunalpolitiker] werden von der Sorge gepeinigt, der Zug könnte künftig an ihrer bedeutenden Stadt vorbeifahren. [Frankfurter Rundschau, 17.05.2000]
Kollokation:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: von Alpträumen, Ängsten, Zweifeln gepeinigt werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pein · peinigen · Peinigung · peinlich · pingelig
Pein f. ‘Strafe, Qual, Schmerz’, ahd. pīna (8. Jh.), mhd. mnd. pīne, pīn ‘Mühseligkeit, Drangsal, Marter, Not’, asächs. pīna, afries. mnl. pīne, nl. pijn. Das Wort gelangt mit dem Christentum in das Germ. (frühe abgeleitete Formen zeigen im Ahd. verschobenen Anlaut, s. unten). Es ist entlehnt aus mlat. pena ‘Strafe, Buße, Höllenqual, Folter, Mühe, Schwierigkeit’ (dessen geschlossenes, im Vlat. entwickeltes ē mit ahd. ī wiedergegeben wird), lat. poena, griech. poinḗ (ποινή) ‘Sühne, Strafe, Rache’, lat. auch ‘Qual’. peinigen Vb. ‘Schmerzen zufügen, quälen’, mhd. pīnegen, pīnigen, pīngen, mnd. pīnigen; vgl. älteres ahd. pīnōn und (entsprechend der Lautverschiebung) phīnōn (8. Jh.), mhd. pīnen, nhd. (älter) peinen; dazu Peinigung f. spätmhd. pīnegunge, pīnigunge; vgl. ahd. phīnunga (um 800), spätmhd. pīnunge. peinlich Adj. ‘qualvoll, schmerzlich, unangenehm, beschämend’, älter (in der Gerichtssprache) ‘mit Folterschmerzen verbunden’ (16. Jh.; vgl. peinliche Frage ‘Befragung unter Anwendung bzw. Androhung der Folter’), ‘innerliche Unruhe, Verlegenheit bereitend, innerlich quälend, voller Eifer’ (16. Jh.), danach ‘gewissenhaft, übertrieben sorgfältig’ (Mitte 18. Jh.), mhd. pīnlich ‘schmerzlich, quälend, grausam, straffällig, strafwürdig’. Von Köln aus (seit dem 19., besonders in der 2. Hälfte des 20. Jhs.) verbreitet sich die westd. Form pingelig Adj. ‘übertrieben gewissenhaft, übergenau, kleinlich, heikel’, aus rhein. pingelich, pingelije ‘sehr empfindlich, zimperlich, peinlich genau’ zu Ping(k), der mundartlichen Entsprechung von hd. Pein.

Thesaurus

Synonymgruppe
foltern · ↗martern · peinigen · ↗plagen · ↗quälen  ●  ↗torquieren  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
  • ausfragen · ↗befragen · ↗verhören · ↗vernehmen · zur Rede stellen  ●  ↗inquirieren  veraltend · (jemanden) einvernehmen (bürokrat./jurist.)  fachspr. · ↗(jemanden) grillen  ugs.
  • (schwere) Verletzungen zufügen · grün und blau schlagen · halbtot schlagen · ↗misshandeln · übel zurichten  ●  draufhauen wie auf kalt Eisen  ugs., veraltend
Synonymgruppe
peinigen · ↗quälen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ahnung Albtraum Angst Erinnerung Gedanke Gewissen Hunger Kranke Körper Schlaflosigkeit Schmerz Seele Sorge Tod Unruhe Vision Vorstellung Zweifel bis demütigen ermorden foltern martern quälen verfolgen verhaften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›peinigen‹.

Zitationshilfe
„peinigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/peinigen>, abgerufen am 17.10.2019.

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